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Standort China : Die Werkbank der Welt exportiert ihre Probleme

  • -Aktualisiert am

Chinas muss seine Wirtschaft umbauen. Das wird ein langer Weg. Bild: dpa

China muss seine Wirtschaft umbauen. Überkapazitäten in exportorientierten Sektoren stoßen auf langsameres weltwirtschaftliches Wachstum. Das sorgt nicht nur im eigenen Land für Unruhe. Ein Gastbeitrag.

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          Chinas Tage als kostengünstige Werkbank der Welt nähern sich dem Ende. Der immer teurer werdende Standort sieht sich ökologischen, finanziellen und institutionellen Engpässen ausgesetzt. Überkapazitäten im exportorientierten Industriegütersektor stoßen auf langsameres weltwirtschaftliches Wachstum. Daher gestaltet sich der Umbau der chinesischen Wirtschaft in eine auf den Binnenmarkt und den Konsum orientierte Richtung länger und schwieriger als erwartet. Die angekündigten Reformen des heimischen Finanzmarktes sorgen für besondere Unruhe. Sie werden die finanziellen Privilegien hochverschuldeter Staatsunternehmen und staatlicher Institutionen beschneiden und die staatlichen Großbanken als Finanziers unter Druck setzen, weil der Anteil notleidender Kredite steigen dürfte.

          Die chinesische Regierung hat zwar bislang viel Geschick darin bewiesen, den Strukturwandel der Unternehmen durch Anreize und Ausprobieren von Reformen - etwa in regionalen Sonderzonen - zu lenken. Nun aber muss sie lernen, dass der finanzwirtschaftliche Strukturwandel noch mehr verlangt als Managementvermögen und Effizienzkontrolle.

          Er verlangt Verständnis für erratische Marktausschläge bei Herdenverhalten, außerdem Zurückhaltung bei politisch motivierten Eingriffen in die Finanzmärkte - wenn voreilig Marktversagen konstatiert, stattdessen aber Politikversagen offenbar wird. Chinas Führung hat bei allen ehrgeizigen Zielen dem Marktmechanismus eine wichtigere Rolle in der Verteilung zugestanden als je zuvor. In der Realwirtschaft hat sie dies auch vielfach umgesetzt. Chinas Markt ist für Handel und Direktinvestitionen offener als der vieler Entwicklungs- und Schwellenländer, vor allem im Vergleich zu anderen großen Ländern mit einem geschützten Binnenmarkt.

          Aufwertung des Yuan wird Exporte kaum beflügeln

          Die Kritik an offener oder versteckter Wechselkursmanipulation mit dem Ziel der Exportförderung ist weitgehend verstummt, seit die chinesische Währung Renminbi (Yuan) kontinuierlich real aufgewertet hat. Trotz des erstarkten Dollars, der in Chinas Wechselkursregime der dominierende Anker ist und daher Chinas Exporte zusätzlich zur schwächeren Weltnachfrage hemmt, hat das Land bislang der Versuchung widerstanden, seine Währung gezielt zu schwächen. Auch die diese Woche vorgenommenen nominalen Abwertungen um mehr als 4 Prozent stellen noch keine Korrektur der als Folge hoher Lohnkostenanstiege erfolgten realen Aufwertung um 40 Prozent gegenüber dem Dollar seit 2005 dar. Sie werden Chinas Exporte nicht unmittelbar beflügeln. Doch sehen die Märkte in den Abwertungen den Beginn einer möglichen Kurswende - weg von der Binnenorientierung und wieder hin zum alten, von den Exporten getragenen Geschäftsmodell Chinas.

          China ist auch zunehmend bereit, seine sinkenden Leistungsbilanzüberschüsse nicht mehr vorwiegend in festverzinslichen Anlagen im Ausland, sondern in risikoträchtigen Portfolio- und Direktinvestitionen zu plazieren und dabei die Regeln der Gastländer zu beachten. Die Zuwächse dieser Investitionen sind von einem niedrigen Ausgangsniveau aus beträchtlich und können Renditeerwartungen enttäuschen, wenn die Anlageländer kriseln. Der Yuan gewinnt geradezu sprunghaft an Bedeutung als Fakturierungswährung, globales Zahlungsmittel und auch als Instrument der Entwicklungsfinanzierung. Wichtige Finanzplätze konkurrieren miteinander als Standort für den Offshore-Handel mit der chinesischen Währung. In diesem Jahr dürfte schon etwa ein Drittel des chinesischen Außenhandels in Yuan abgerechnet werden.

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