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Standort China : Die Werkbank der Welt exportiert ihre Probleme

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Noch handelt es sich nicht um Banken, sondern um Fonds, die ausschließlich aus öffentlichen Mitteln gespeist werden. Dank seiner realwirtschaftlichen Stärke und Finanzkraft dominiert China alle Einrichtungen faktisch wie nominell. Diese Fonds sind janusköpfig. Sie können einerseits komplementär zu den etablierten Institutionen mehr Geld für arme Länder bereitstellen. Das könnte China aber auch als Mitglied der bestehenden Institutionen leisten. Als dominanter Partner in den neuen könnte China hingegen versucht sein, die durch die Probleme auf dem heimischen Immobilienmarkt entstandenen Leerkapazitäten im Bausektor mit Hilfe der neuen Institutionen zu lösen. Dann würden chinesische Mittel an die Vergabe der Projekte an chinesische Unternehmen gebunden. Eine solche „gebundene Entwicklungshilfe“ war lange auch in den OECD-Staaten üblich.

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Derartige Bindungen schaffen natürlich Abhängigkeiten vom Geber und sind für den Empfänger teuer, weil er keine Wahl zwischen alternativen Bezugsquellen hat. Es könnten auch vornehmlich Projekte finanziert werden, die im Interesse des Gebers, also Chinas, liegen. Diese Interessen könnten bei großen Infrastrukturprojekten auch politischer Art sein und politische Nebenbedingungen wie die Einhaltung von Sozial-und Umweltstandards oder Menschenrechten kleinschreiben. Nicht zuletzt könnten auch die neuen Förderbanken einen Konflikt heraufbeschwören zwischen den Vereinigten Staaten, die den neuen Institutionen skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen, und den anderen westlichen Staaten.

Allen drei Problemfeldern liegen zentrale Fragen zugrunde. Steckt hinter dem „Export“ der Schwierigkeiten, die unauflöslich mit den tiefgreifenden Herausforderungen des Umbaus der chinesischen Wirtschaft verbunden sind, ein „Masterplan“ der Regierung, der dem Marktmechanismus nur so lange Spiel lässt, wie er die Lenkungsmöglichkeiten des Staates durch die Partei nicht beeinträchtigt? Sind international handelnde chinesische Großbanken und Großunternehmen am Ende an die Umsetzung des Masterplans gebunden, müssen sie also politischen statt einzelwirtschaftlichen Zielen folgen?

Chinas westlichen Partnern fehlt das Vertrauen, dass die Antwort auf beide Fragen „Nein“ lautet. Die Fragen wären weniger bedeutsam, wäre China nicht schon der wichtigste Einzelakteur der Weltwirtschaft neben den Vereinigten Staaten. Es ist sinnvoll und auch unausweichlich, bei großen, grenzüberschreitenden Problemen eines Landes die Last der Anpassung auf viele zu verteilen, auch auf die Handels- und Finanzmarktpartner. Doch mehr Transparenz und Vertrauen würden die Kosten der Anpassung für die Partner erheblich senken. Noch sind sie im Verhältnis mit China viel zu hoch.

Der Autor

Der Autor Rolf J. Langhammer war Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Der bekannte Entwicklungsökonom ist dem Institut an der Förde nach wie vor eng verbunden, aber auch gefragt als politischer Berater. Seine China-Expertise nutzen die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und das von der gleichnamigen Stiftung finanzierte Mercator Institute for Chinese Studies in Berlin (Merics). Außerdem lehrt Langhammer an der WHU Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Die besten Ideen kommen dem passionierten Radfahrer auf seinen langen Touren, die jüngste hat ihn von Mainz nach Rotterdam geführt. (hig.)

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