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Standort China : Die Werkbank der Welt exportiert ihre Probleme

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Diese Diskrepanz zwischen der realwirtschaftlichen und der monetären Bedeutung in den verschiedenen Funktionen einer internationalen Währung ist beim Yuan so groß wie bei keiner anderen international bedeutsamen Währung. Sie ist gleichermaßen Ausdruck realwirtschaftlicher Stärke und mangelnden Vertrauens in die Unabhängigkeit der chinesischen Währungspolitik von den politischen Zielen einer nicht nach westlichen Standards demokratisch legitimierten Regierung.

Die Vereinigten Staaten beäugen China kritisch

Würde der Internationale Währungsfonds IWF den Yuan als fünfte Währung in den Kreis der SZR-Währungen aufnehmen, hätte das zwar keine besondere Bedeutung für den privaten internationalen Zahlungsverkehr, da die Sonderziehungsrechte im Wesentlichen als Zahlungsmittel zwischen den Zentralbanken und als offizielle Devisenreserve fungieren. Ohne den SZR-Status aber wird der Yuan nicht das Prädikat „offizielle internationale Reservewährung“ erhalten, und ohne diesen Status werden viele Zentralbanken nicht bereit sein, ihre Devisenreserven in Yuan zu halten.

Die noch geringe Bedeutung des Yuans als offizielle Devisenreserve spiegelt also dieses Manko wider. Ob er trotz der bestehenden Kapitalverkehrskontrollen eine „frei nutzbare“ Währung ist, wie es die Aufnahmebedingungen in den Kreis der SZR-Währungen vorschreiben, ist umstritten. 2010 verweigerte der IWF dem Yuan dieses Prädikat. Eine abermalige Prüfung steht Ende des Jahres an. Die zugrundeliegenden monetären Kriterien helfen nicht weiter, da der Yuan in vielen Funktionen nicht als Einzelwährung statistisch erfasst wird, so wie die anderen vier SZR-Währungen, sondern nur in einem Sammelkorb restlicher Währungen.

Die Aufnahme in den Kreis der SZR-Währungen ist zudem gegen die Sperrminorität der Vereinigten Staaten beim IWF nicht möglich. Hier könnte also Chinas Wunsch nach SZR-Status einen scharfen Konflikt zwischen den IWF-Mitgliedern hervorrufen: Die einen bewerten die auf der Realwirtschaft basierende Stärke des Yuans höher als die Schwäche im Reservestatus und auf den Anleihemärkten und bejahen deshalb den SZR-Status. Die Vereinigten Staaten hingegen kritisieren die mangelnde Transparenz und Regierungsabhängigkeit chinesischer Währungspolitik und fürchten vielleicht auch um den Status des Dollars als einzige internationale Währung in allen Funktionen. Auch dieser Konflikt wäre ein „Export“ chinesischer Probleme, da die chinesische Regierung keinesfalls bereit ist, die Kapitalverkehrskontrollen rasch aufzugeben, die Kontrolle über die Nutzung des Yuans zu verlieren und seinen Wert volatilen Finanzmärkten zu überlassen.

Den westlichen Partnern fehlt das Vertrauen

Das dritte große Problemfeld ist Chinas Rolle in den multilateralen Förderbanken. Mit erheblichem Einsatz öffentlichen Kapitals aus China wurden neue Förderbanken gegründet: die neue Entwicklungsbank „BRICS-Bank“, die Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank und der Seidenstraßenfonds. Sie dienen als Gegengewicht zu IWF, Weltbank und regionalen Entwicklungsbanken, in denen China und anderen Schwellenländern seit Jahren der Stimmrechtsanteil verweigert wird, der ihnen nach dem Gewicht ihrer Wirtschaft zustünde. Mit ihnen sollen Mittel für fehlende transnationale Infrastrukturprojekte generiert werden. Bei der BRICS-Bank kommt noch ein Beistandsfonds für Länder mit Zahlungsbilanznöten hinzu.

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