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Standort China : Die Werkbank der Welt exportiert ihre Probleme

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Innerchinesische Probleme belasten auch ausländische Partner

Würde die Regierung in dieser Situation den Finanzmarkt so für Wettbewerb öffnen, dass die bislang bevorzugten Kreditnehmer (staatliche Institutionen, staatseigene Betriebe) ihre Zins- und Kreditprivilegien verlören und bessere Sicherheiten stellen müssten, müsste sie massive Rettungsaktionen in die Wege leiten. Finanziell wäre die Regierung dazu wohl in der Lage, der Vertrauens- und Reputationsverlust wäre jedoch erheblich. Privatisierungen und formale Insolvenzverfahren im Finanz- und Staatsunternehmenssektor scheut die Regierung auch, um im Notfall noch hinreichend Kontrolle über Vermögensbestände zu behalten, die sie dann antizyklisch mobilisieren könnte.

Diese innerchinesischen Probleme belasten auch die ausländischen Partner, obwohl die chinesischen Finanzmärkte bislang ein vom Ausland weitgehend abgeschnittenes Eigenleben führen. Erstens sinkt die Nachfrage nach ausländischen Erzeugnissen. Deutsche Hersteller hochwertiger Konsumgüter, die im vergangenen Jahrzehnt vor allen anderen ausländischen Anbietern von der chinesischen Nachfrage profitierten, müssen ihre Verkaufsziele zurückstecken. Ersatz für sinkende Nachfrage auf dem chinesischen Markt gibt es kurzfristig nicht.

Zweitens stockt der Reformprozess der chinesischen Wirtschaft, den viele ausländische Anbieter erwartet und in ihren Investitionsentscheidungen berücksichtigt hatten. Wer etwa als ausländischer Dienstleistungsanbieter darauf gesetzt hatte, die 2013 eröffnete Finanz-und Dienstleistungssonderzone Pudong in Schanghai sei das Startsignal für einen generell freieren Dienstleistungsmarkt, muss diese Hoffnungen nun noch stärker zurückstellen, als es die verhaltene Entwicklung der Sonderzone schon signalisierte: Eine von politischen Interventionen freie Preisbildung bei Finanzdienstleistungen und Wechselkursen war für Pudong von Anfang nicht vorgesehen; sie wird es auch künftig nicht geben.

Bedeutung des Yuan als Reserverwährung noch zu gering

Damit wird drittens ein zentrales Problem für das Ausland sichtbar. Wie soll es die Ankündigung der Regierung interpretieren, dem Marktmechanismus eine maßgebliche Rolle bei der Verteilung von Ressourcen zuzugestehen? Gilt diese nur für Schönwetterphasen? Und nur für den Unternehmenssektor? Steht das Primat der politischen und sozialen Stabilität über dem der Stabilisierung von Erwartungen durch freie Preisbildung? Versteht die Regierung unter „Marktmechanismus“ das Gleiche wie die ausländischen Partner? Diese Fragen sind besonders nach den jüngsten Interventionen der Regierung in den Vermögensmärkten, die entweder direkt oder indirekt über Anweisungen an Marktteilnehmer erfolgten, ungeklärt.

Das zweite große Problemfeld ist die Internationalisierung des Yuans. Dank Chinas herausragender Stellung als Handelsnation ist der Yuan zur zweitwichtigsten Währung in der Handelsfinanzierung und zur fünftwichtigsten Währung im internationalen Zahlungsverkehr avanciert, hinter den vier Währungen (Dollar, Euro, Pfund, Yen), aus denen die Sonderziehungsrechte (SZR) gebildet werden. Demgegenüber ist die Bedeutung des Yuans als Reservewährung der Zentralbanken und als internationale Anleihewährung noch sehr gering.

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