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Standort China : Die Werkbank der Welt exportiert ihre Probleme

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Aber auch die realwirtschaftliche Bilanz ist nicht mehr makellos. In jüngster Zeit mehren sich Eingriffe der Regierung in den Außenhandel und die Entscheidungen ausländischer Investoren in China, ohne dass andere Motiven erkennbar wären als die Diskriminierung gegenüber heimischen Konkurrenten. Dies deutet auf interne Schwierigkeiten, an deren Lösung das Land seine ausländischen Partner beteiligt und die Probleme somit „exportiert“. Die Schwierigkeiten liegen auf drei Feldern: der Reform des chinesischen Finanzmarktes, der Rolle der chinesischen Währung auf den internationalen Finanzmärkten und der Rolle, die China bei der Herausforderung der etablierten multilateralen Finanzierungsinstitutionen spielen will.

Die Reform des Finanzmarktes gestaltet sich schwierig

Die Reform des Finanzmarktes geht die chinesische Regierung unter sehr schwierigen Ausgangsbedingungen an: So haben chinesische Kleinanleger in Ermangelung des Zugangs zu ausländischen Investitionsobjekten und wegen unattraktiver Finanzmarktanlagen in China herdenartig in verschiedene heimische Vermögensmärkte investiert, angefangen von den Immobilienmärkten, über die Aktienmärkte bis hin zu Investitionen in hochwertige Luxusgüter und Kunst. Chinas Anteil am weltweiten Kunstauktionshandel liegt geschätzt schon bei knapp einem Drittel. Chinas Regierung hat die Kleinanleger zu Anlagen in Aktien und Immobilien aus dem gleichen Grund ermuntert wie die amerikanische Regierung die amerikanischen Haushalte vor der Subprime-Krise 2008 auf dem amerikanischen Grundstücksmarkt: Sozialen Spannungen, die aus der Einkommensspreizung drohten, sollte durch Vermögensgewinne von Kleinanlegern und Immobilienkäufern begegnet werden.

Die in diesem Jahr eingetretene Baisse auf den chinesischen Vermögensmärkten bedroht zwar noch nicht das Finanzsystem, da die Kleinanleger eine hohe Eigenkapitalquote in die Märkte einbringen. Sie beeinträchtigt aber das Vertrauen der Anleger in ein „immer weiter nach oben“. Zudem dämpft sie die Binnennachfrage, da das vorherrschende Sparmotiv der chinesischen Haushalte noch nicht darin besteht, den Konsum über den Lebenszyklus hinweg zu glätten. Vielmehr sparen chinesische Haushalte vorwiegend auf den Erwerb eines Gutes hin. Sie würden sich nach einer längeren Baisse ärmer fühlen und ihren Konsum einschränken.

Dieses Verhalten fällt in eine Zeit, in der sich Chinas Wachstum strukturbedingt verlangsamt - und es läuft dem Ziel der Regierung zuwider, die Binnenorientierung der Wirtschaft zu fördern. Daher starten die staatlichen Einrichtungen Gegenaktionen zur Stützung der Nachfrage auf den Vermögensmärkten. Das verzerrt das Marktgeschehen und weckt falsche Erwartungen. Die Reform des Finanzmarktes ist aber nicht nur wegen der Rücksichtnahme auf Kleinanleger schwierig, sondern auch, weil sich Lokalregierungen und staatseigene Unternehmen in der Vergangenheit stark im Schattenbankenmarkt verschuldet haben. Bei nachlassendem Wirtschaftswachstum, Überkapazitäten im Exportsektor und platzenden Blasen an den Vermögensmärkten treibt das den Anteil notleidender Kredite in die Höhe. Auch die formellen (staatlichen) Geschäftsbanken würden mit die Krise gezogen, da sie sich über Kredite an staatseigene Betriebe, die ihrerseits in die Vermögensmärkte investiert haben, ebenfalls am Kreditboom beteiligt haben.

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