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Standpunkt : Eine Versicherung gegen den „Weich-Euro“

  • -Aktualisiert am

Thomas Mayer (l) ist Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Hans-Werner Sinn ist Präsident des Ifo-Instituts in München. Bild: F.A.Z.

Es braucht eine Versicherung gegen die EZB-Politik des leichten Geldes: einen neuen Typ inflationsgeschützte Anleihen fordern zwei prominente deutsche Ökonomen. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Jean-Claude Trichet hat in seiner vorletzten Pressekonferenz als Präsident der Europäischen Zentralbank den Deutschen ins Stammbuch geschrieben, dass die von ihnen so verehrte Bundesbank keine so niedrige Inflationsrate wie die von ihm geführte Zentralbank zu Stande gebracht hat. Sein italienischer Kollege Lorenz Bini Smaghi hat deutsche Kritik an dem EZB-Aufkaufprogramm für Anleihen finanzschwacher Euro-Staaten als ökonomisch unfundiert bezeichnet und mit der in den frühen zwanziger Jahren entstandenen deutschen Inflationsneurose erklärt. Der Euro sei sicher und unzerbrechlich. Die Finanzierung der Staatsverschuldung mit der Druckerpresse biete heute im Gegensatz zur Zeit vor 1923 keine Inflationsanreize, weil der Zentralbankrat sich stets der Preisstabilität verpflichtet fühlen werde und sich dem Begehren der europäischen Finanzminister, der erdrückenden Schuldenlast durch Inflation zu entkommen, mannhaft widersetzen werde.

          Vielleicht stimmt es ja, dass die Bedenken deutscher Volkswirte gegen die Staatsfinanzierung der EZB unbegründet sind. Vielleicht aber auch nicht. Anstatt aber auf die Überlegenheit amtlicher ökonomischer Intelligenz zu bauen, wäre es bedenkenswert, sich gegen die Risiken und Nebenwirkungen einer EZB Politik des leichten Geldes und der monetären Staatsfinanzierung zu versichern. Wie kann das gehen?

          Neue inflationsindexierte Anleihen

          Nach unserer Meinung liegt ein möglicher Weg, sich gegen eine Inflation in Deutschland und eine mögliche Aufweichung des Euro zu sichern, in einem neuen Typus indexierter deutscher Staatsanleihen, der an den deutschen Preisindex gekoppelt ist und somit gegen eine Inflation in Deutschland und gegen einen Kapitalverlust bei einer eventuellen Einführung einer neuen, härteren Währung geschützt ist. Mit der Rückendeckung solcher Anleihen könnten dann auch die deutschen Banken und Versicherungen Anlageprodukte entwickeln, die einen ähnlichen Schutz bieten.

          Der deutsche Staat könnte über das ganze Laufzeitenspektrum inflationsindexierte Anleihen anbieten. Diese Anleihen könnten dem Privatanleger ähnlich wie Bundesschatzbriefe direkt offeriert werden und für die deutschen Finanzinstitute als Privatplatzierungen (ähnlich der Schuldscheine) zur Verfügung stehen. Auf dieser Basis könnten die Finanzinstitute ihrer Kundschaft Spar- und Versicherungsinstrumente anbieten. Um die neuen Instrumente so sicher wie die parallel ausgegebenen Staatsanleihen zu machen, könnte der Deckungsstock, wie bei Pfandbriefen üblich, als Sondervermögen gehalten werden, so dass die Anleger bei einem Konkurs des anbietenden Instituts vor Verlusten gesichert sind. Internationalen Anlegern könnte man deutsche inflationsindexierte Staatsanleihen über Auktionen anbieten. Die einzigen Unterschiede zu den jetzt schon erhältlichen inflationsindexierten Anleihen wären:

          1. Die Anbindung an den deutschen Konsumentenpreisindex anstatt, wie bisher, an den Euroland-Index. Damit würden die Anleger vor einer möglicherweise über dem Euro-Durchschnitt liegenden deutschen Inflation geschützt.

          2. Steuerfreiheit auf inflationsbedingte Wertsteigerungen.

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