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Staatsdefizit : Griechisches Kreditrisiko auf Rekordhoch

  • Aktualisiert am

Die Tür zum Euro öffneten die Griechen nur durch falsche Daten Bild: dpa

Die Sorgen über mögliche Finanzierungsschwierigkeiten europäischer Staaten sorgen für Kursturbulenzen. Nicht zuletzt auch nach kritischen Äußerungen prominenter Politiker. Langfristig sind die Probleme größer als gemeinhin wahrgenommen.

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          Die Wirtschafts- und Finanzschwäche Griechenlands sorgt schon seit Wochen für Schlagzeilen. Am Donnerstag sorgen Kommentare der Bundeskanzlerin Angela Merkel und eine Analyse der Ratingagentur Moody's dafür, dass die so genannten Credit Default Swaps auf den höchsten Stand seit langem steigen.

          Für Versicherungskontrakte dieser Art, die den Käufer gegen eine Prämie gegen Zahlungsschwierigkeiten Griechenlands versichern, werden am Donnerstag bei einer Laufzeit von einem Jahr Prämien von bis zu 395 Basis- oder 3,95 Prozentpunkten auf den nominalen Wert der versicherten Summe gezahlt. Für Kontrakte mit einer Laufzeit von drei Jahren liegt die Prämie bei 375 Basis- oder 3,75 Prozentpunkten.

          Sorgen Finanzierungsschwierigkeiten europäischer Staaten für Kursturbulenzen?

          Die Bundeskanzlerin erklärte auf einem Forum am Mittwoch, das wachsende griechische Haushaltsdefizit drohe der Gemeinschaftswährung zu schaden. Ihr bereite Sorgen, ob sich alle Euro-Länder an ähnliche Maßgaben wie Deutschland hielten, das während der Krise in seine Verfassung eine klare Maßregelung zur Verschuldung geschrieben habe. „Das griechische Beispiel kann uns in große, große Zwänge bringen“, soll Merkel in ihrer Rede erklärt haben. Es würden triviale Fragen aufgeworfen, wie etwa, wer dem griechischen Parlament sage, eine Rentenreform zu beschließen. Ob man dort so begeistert sei, wenn Deutschland die Anweisungen gebe, sei fraglich. Insoweit sei der Euro in den nächsten Jahren in einer sehr schwierigen Phase. Die Bundesregierung wollte die Aussagen nicht bestätigen.

          Die Finanzprobleme Griechenlands werden nach den Worten von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nicht zu einem Austritt aus der Währungsunion führen. „Ich kommentiere solche absurden Hypothesen nicht“, sagte Trichet am Donnerstag in Frankfurt. Er forderte Griechenland zugleich jedoch dazu auf, seine Hausaufgaben zu machen und seine Finanzen wieder in Ordnung zu bringen. „Es gibt viel harte Arbeit zu erledigen“, sagte er. Die Regierung in Athen hatte zuvor erste Details ihres Sparplans bekanntgegeben. Demnach soll das Defizit binnen drei Jahren unter die EU-Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts gedrückt werden. Für das Jahr 2009 wird noch ein Fehlbetrag von 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwartet.

          Die Ratingagentur Moody's Investors Service sieht die Gefahr eines „langsamen Todes“ für die Volkswirtschaften Portugals und Griechenlands. Sie müssten einen höheren Anteil ihres Budgets für den Schuldendienst aufwenden, zudem verlangten die Investoren einen Renditeaufschlag für Bonds der beiden Länder. Für andere europäische Staaten sieht die Ratingagentur Schwierigkeiten bei der Bonitätsentwicklung.

          Noch könnten Griechenland und Portugal ein Katastrophenszenario zwar vermeiden, doch bestehe diese Chance nicht mehr lange, so Moody's. Dabei habe Portugal, dessen Bonitätsnote „Aa2“ mit einem negativen Ausblick versehen ist, mehr Zeit, den Trend umzukehren, während Griechenland weniger Zeit bleibe. Im Dezember hatte Moody's das Rating Griechenlands von „A1“ auf „A2“ gesenkt. Der Renditeaufschlag griechischer Bonds gegenüber deutschen Bundesanleihen hat sich im Vergleich zu vor zwei Jahren versechsfacht. Bei portugiesischen Papieren hat er sich seit 2008 verdoppelt.

          Finanzierungsrisiken sind größer als gemeinhin angenommen

          Das Risiko eines „plötzlichen Todes“ in Form einer Zahlungsbilanzkrise sei „vernachlässigbar“, so die Ratingagentur. Die zwei Länder stünden jedoch mit ihren Ratings unter Druck und müssten politisch schwer durchsetzbare Ausgabenkürzungen umsetzen, wenn sie eine unaufhaltsame Verschlechterung ihrer Verschuldungslage vermeiden wollten. Auch bei anderen europäischen Ländern sieht Moody's ein „schwieriges“ Jahr für die Bonitätsnoten voraus. Vor allem die Ungewissheit, wie die Länder ihre Konjunkturmaßnahmen zurückfahren und ihre Volkswirtschaften reformieren, um das Wachstum anzukurbeln, belaste die Ratings.

          Bei Staaten, die erfolgreich Strategien für einen Ausstieg aus den Konjunkturmaßnahmen umsetzen, sind laut Moody's die Ratings sicherer als bei Staaten, die dies nicht tun. Eine höhere Sicherheit für die Ratings sehen die Bonitätswächter bei Ländern, die Reformen konsequent durchführen, auch wenn die Umgestaltung ihrer Volkswirtschaften schmerzvoll und zeitraubend sei. Die Schuldenbelastung der Europas wird laut einer Prognose der Europäischen Kommission von 66 Prozent des Bruttoinlandsproduktes vor der Finanzkrise auf 84 Prozent in diesem Jahr anschwellen. Noch haben die Staaten keine konkreten Pläne für die Rückzahlung der Schulden bekannt gegeben. Zusätzliche Risiken für die Ratings drohen durch Zinserhöhungen. Die Leitzinsen im Euroraum sind mit einem Prozent auf einem Rekordtief, in Großbritannien liegt der Leitzinssatz bei einem halben Prozent. Sollten Inflationsbefürchtungen zu steigenden Zinsen an den Märkten führen, würden die höheren Kosten für den Schuldendienst dazu führen, dass stärker verschuldete Länder Probleme mit ihren Bonitätsnoten bekämen, so Moody's.

          Solche Argumente und Szenarien gehen aus von offiziellen statistischen Zahlen. Ähnlich wie bei Unternehmen wie Enron und zuletzt den Banken tendierten in den vergangenen Jahren jedoch viele Staaten weltweit dazu, Verbindlichkeiten außerhalb ihrer „offiziellen Bilanzen“ anzuhäufen. Dazu zählen beispielsweise chronisch unterfinanzierte Renten- und Krankenversicherungssysteme. Das führt dazu, dass viele Staaten deutlich stärker verschuldet sind, als die offiziellen Zahlen ausweisen. Das wurde bisher von den Finanzmärkten bisher weitgehend ignoriert. Allerdings kann das sich das in den kommenden Jahren bei jenen Staaten ändern, die mit schrumpfenden Bevölkerungen konfrontiert sind. Denn dort werden sich die Finanzierungsschwierigkeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit zuerst zeigen. Zum Beispiel in Japan oder den überalterten Staaten Südeuropas.

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