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Staatsbankrott : Wer kauft eine griechische Insel?

Gehören Inseln zum harten Geschäftsmodell von Staaten? Dann wären sie weder verkäuflich noch verpfändbar Bild: ASSOCIATED PRESS

Weil Griechenland kein Geld hat, ruft es die EU zu Hilfe. Wenn das nicht reicht, wird das Vermögen verwertet. Die entscheidende Frage aber lautet: Gibt es einen Markt für weiße Ruinen aus der Antike?

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          Griechenland bettelt Europa um Hilfe an. Eine Rettung ist das 30-Milliarden-Hilfspaket nicht. Nur die Zinslast wird gelindert: Während die Kapitalmärkte für zehnjährige Anleihen derzeit gut acht Prozent haben wollen, gibt die EU ihre Kredite für rund fünf Prozent her.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Ewig reicht auch dieses Geld nicht. Was kommt dann? Früher oder später könnte Griechenland der Staatsbankrott nicht erspart bleiben. Wie hat man sich eine solche Pleite vorzustellen? Und was unterscheidet sie von einer Insolvenz, wie wir sie von Unternehmen kennen?

          Wer feuert die Verantwortlichen?

          Bei einer klassischen Unternehmenspleite setzt ein Gericht einen Insolvenzverwalter ein, der die alleinige Verfügungsgewalt über das Vermögen des Unternehmens, sprich das Regiment übernimmt. Ein solcher Insolvenzverwalter prüft, ob die Führung kompetent, loyal und ehrlich ist. „Wenn nicht, wird sie gefeuert“, sagt Horst Piepenburg, einer der bekanntesten Insolvenzverwalter in Deutschland.

          Kastellorizo heißt die Insel, auf der Griechenlands Ministerpräsident Papandreou seinen Hilferuf los ließ

          Regierungen können – anders als Firmenvorstände – nicht von außen entmachtet werden. Es gibt keine völkerrechtliche Instanz, die über Griechenland einen Insolvenzverwalter einsetzen oder auch nur ein Insolvenzverfahren beginnen könnte. Die Verantwortlichen bleiben, bis sie vom griechischen Volk abgewählt werden, und sie halten auch schützend ihre Hand über das Vermögen des Landes.

          Das ist der entscheidende Unterschied zwischen Staats- und Unternehmensbankrotten: Die Pleitiers verschwinden nicht mit der Pleite. Allerdings hat sich ein Verfahren eingebürgert, das das Insolvenzverfahren ersetzt. Klamme Regierungen, vor allem aus Entwicklungsländern, wenden sich an den „Pariser Club“ der traditionellen Gläubigerstaaten und beantragen dort Stundung und Umschuldung. Dieser Club der reichen Länder gibt dann den Insolvenzverwalter: Er macht Auflagen, gibt gewöhnlich aber auch Sanierungshilfen.

          Warum fließt kein Geld mehr?

          Über das Vermögen von Unternehmen wird das Insolvenzverfahren eröffnet, wenn sie zahlungsunfähig sind. Staaten kennen kein Insolvenzverfahren über ihr Vermögen. Sie gehen Bankrott, wenn sie zahlungsunwillig sind.

          Ein Diktator fände in Griechenland immer noch enorme Möglichkeiten, Geld zu beschaffen und die Zinsen weiter zu bedienen. Athen könnte Staatsunternehmen verkaufen, Beamte später als bisher pensionieren, die Pensionen drastisch kürzen und die Steuereintreibung professionalisieren. All das brächte Geld. Als Ultima Ratio hat die Regierung immer noch die theoretische Möglichkeit, die 10 Millionen Griechen zu enteignen. Doch Demokraten möchten sich und den Bürgern die Schmerzen nicht zumuten, die damit verbunden sind. Lieber kapitulieren sie vor den Gläubigern als vor den Bürgern.

          Wie werden die Staaten wieder liquide?

          In gewöhnlichen Insolvenzverfahren stellt der Verwalter sorgfältig eine Liste des gesamten Eigentums auf: Grundstücke, Gebäude, Fuhrpark und so weiter. Dann wird unterteilt zwischen dem betriebsnotwendigen Vermögen und dem Vermögen, das für die Fortführung der Firma überflüssig ist. Die Unternehmervilla des bankrotten Industriekonzerns Babcock samt exquisitem Weinkeller und seltenen Gemälden trug nicht zur Wertschöpfung des Energietechnik-Unternehmens bei. Der eingesetzte Vorstandsvorsitzende Piepenburg verkaufte die Immobilie und die Kunst.

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