https://www.faz.net/-gqe-150k1

Staatsanleihen : Südeuropäische Schuldenkrise spitzt sich zu

  • -Aktualisiert am

Giorgos Papakonstantinou Bild: AP

Die Risikoprämien für Griechenland und Portugal sind auf einen neuen Höhepunkt gestiegen. Und wenn aktuell noch keine Investorensuche in China stattfindet, so steht Griechenland doch zumindest kurz davor.

          2 Min.

          Das Misstrauen gegenüber den finanzschwachen Mitgliedern des Euro-Raums hat am Donnerstag einen neuen Höhepunkt erreicht. Der Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen erreichte im Vergleich zu Bundesanleihen mit knapp 4 Prozentpunkten den höchsten Wert seit Einführung des Euro. Die Rendite zehnjähriger griechischer Anleihen stieg auf 7 Prozent.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Misstrauen hegen die Investoren auch gegen Portugal. Die Kosten für die Absicherung portugiesischer Schulden sind auf 1,5 Prozent gestiegen. Die Ratingagentur Moody's hat eine Herabstufung in Aussicht gestellt, falls die Regierung nicht einen glaubhaften Plan für die Reduzierung des Defizits entwickele. Der Euro fiel daraufhin am Donnerstag unter 1,40 Dollar. Das ist ein Rückgang um 8 Prozent seit Anfang Dezember.

          China oder nicht China?

          Griechenlands Regierung äußerte sich widersprüchlich zu angeblichen Verhandlungen mit China. Während der Premierminister Verhandlungen mit anderen Ländern leugnete, relativierte der Finanzminister Giorgos Papakonstantinou das Dementi. Er räumte ein, auch in China für die griechischen Staatsanleihen zu werben. „Ich werde irgendwann hinfahren“, sagte er dem Fernsehsender CNBC. Es sei bisher aber kein Geschäft abgeschlossen worden. „Ein Land, das 54 Milliarden Euro leihen muss, sieht sich dabei alle möglichen Wege an.“

          Am Vortag hatte die Regierung einen Bericht der Financial Times dementiert, wonach sie im November mit China über den Kauf von Anleihen im Wert von 25 Milliarden Euro verhandelt habe. Man habe auch nicht die Investmentbank Goldman Sachs mit der Vermittlung beauftragt, bekräftigte eine Sprecherin des Finanzministers am Donnerstag. Auch Goldman Sachs hat dies dementiert.

          China solle keine griechischen Anleihen in großen Mengen kaufen, sagte Yu Yongding, ehemaliger Berater der chinesischen Notenbank. Gegenüber Bloomberg verwies er darauf, dass griechische Staatsanleihen ein höheres Risiko bergen als amerikanische Anleihen. „Ein Ökonom kann keine Diversifizierung von einer unsicheren Vermögensklasse auf eine noch viel weniger sichere Vermögensklasse befürworten“, sagte Yu.

          EU-Hilfe oder keine Hilfe?

          Unterdessen kursieren in Medien Spekulationen über Hilfen für Griechenland. Sowohl die Bundesregierung als auch die Europäische Kommission haben am Donnerstag einen Bericht der französischen Zeitung „Le Monde“ dementiert, wonach einige EU-Mitgliedstaaten, darunter Deutschland und Frankreich, Möglichkeiten prüfen, Griechenland zu Hilfe zu kommen. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums teilte in Berlin mit, es gebe „keine Überlegungen der Bundesregierung, Griechenland finanziell zu unterstützen“.

          Spekulationen über bevorstehende Hilfen einzelner EU-Staaten waren vor einem knappen Jahr vom damaligen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und EU-Währungskommissar Joaquín Almunia genährt worden. Almunias Sprecherin nannte den Zeitungsartikel am Donnerstag „spekulativ und grundlos“.

          Der Vorsitzende der sozialistischen Fraktion im Europaparlament, Martin Schulz, forderte die Kommission auf, „endlich konkrete Vorschläge zur Einführung von Euro-Anleihen vorzulegen“. Die EU müsse „Solidarität mit Griechenland“ zeigen. Das Land dürfe „nicht auf Gedeih und Verderb dem Markt überlassen“ werden. Almunias Sprecherin verwies auf Initiativen der EU-Behörde zu sogenannten Euro-Bonds, die unter anderem von Deutschland abgelehnt worden waren. Außerdem zeige die überzeichnete griechische Anleihe, dass sich das Land weiterhin auf dem Markt bedienen könne. Deshalb stehe das Thema Euro-Anleihe nicht auf der Tagesordnung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Boris Johnson am Donnerstag in Brüssel.

          Brexit-Streit : Noch viel Überzeugungsarbeit für Boris Johnson

          Mit den EU-Partnern hat sich Großbritanniens Regierungschef auf eine neuen Entwurf des Brexit-Vertrags geeinigt. Doch im britischen Unterhaus muss Boris Johnson weiter um jede Stimme dafür kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.