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Staatsanleihen stark verteuert : Griechische Schuldenkrise spitzt sich zu

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Düstere Aussichten: Trotz aller Hilfsversprechen steigen die Renditen der griechischen Staatsanleihen weiter Bild: dpa

Neues Debakel am griechischen Anleihemarkt: An der Sanierung der Staatsfinanzen wird wieder gezweifelt. Wie die hohe Neuverschuldung finanziert werden soll ist wieder fraglich. Die Renditen für Staatsanleihen schießen nach oben.

          Wachsende Zweifel an der Sanierung der griechischen Staatsfinanzen und der Finanzierung der hohen Neuverschuldung haben am Dienstag die Renditen griechischer Staatsanleihen außerordentlich stark steigen lassen. Die Rendite zweijähriger Staatsanleihen sprang um bis 143 Basispunkte auf 6,48 Prozent; die Rendite für die zehnjährige Anleihe legte um 64 Basispunkte bis auf 7,16 Prozent zu. Damit erreichte der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen seinen höchsten Stand seit zwölf Jahren. Im Abendhandel gingen die Renditen der griechischen Titel wieder ein wenig zurück. Die Anleiherenditen und Kreditausfallkosten anderer südeuropäischer Länder veränderten sich nur geringfügig. Am Devisenmarkt fiel der Kurs des Euro um fast 1 Prozent auf unter 1,34 Dollar.

          Das Debakel am Anleihemarkt hatte am Vormittag mit einer Meldung der Nachrichtenagentur Market News begonnen. Demnach gäbe es in der Regierung erhebliche Widerstände gegen Hilfen durch den Internationalen Währungsfonds (IWF), da die vom IWF zu erwartenden strengen Auflagen schwere Proteste in der Bevölkerung auslösen könnten. Die griechische Regierung teilte zwar am Nachmittag mit, sie sei unverändert bereit, mit dem IWF zusammenzuarbeiten. Diese Nachricht konnte die Baisse am Anleihemarkt aber nicht mehr bremsen. Für den Mittwoch ist die Ankunft von Mitarbeitern des IWF in Athen vorgesehen. Dort wollen sie sich ein genaues Bild von der Wirtschafts- und Finanzlage des Landes machen. Parallel bemüht sich Athen um internationale Anleger für eine Dollaranleihe.

          Spekulationen über harte Konditionen bei bilateralen Finanzhilfen

          Belastend wirkten auch Spekulationen über harte Konditionen der Bundesregierung für den Fall bilateraler Finanzhilfen. So war zu hören, Berlin wolle für Notkredite einen Zinssatz von 6,5 Prozent in Rechnung stellen. Angeblich könnten sich andere Partner mit Zinssätzen um 4,5 Prozent bescheiden. Die Bundesregierung wollte diese Spekulationen nicht bestätigen.

          Nach einer Mitteilung der Commerzbank sind die Guthaben heimischer Einleger bei griechischen Banken zwischen dem Jahreswechsel und Ende Februar 2010 um fast 8 Milliarden Euro auf 237,8 Milliarden Euro zurückgegangen. Die Statistiken der Bank von Griechenland zeigen, dass sich dieser Rückgang vor allem durch die Reduzierung von Festgeldern durch Privatpersonen und von Sichteinlagen durch Unternehmen erklärt. Die Banken des Landes haben in der Vergangenheit eine bedeutende Rolle bei der Finanzierung der Staatsschulden gespielt. Nach Presseberichten wurde zumindest ein Teil der abgezogenen Mittel im Ausland angelegt. Der Athener ASE-Aktienindex verlor rund 2,5 Prozent. Die Einbuße ist vor allem auf Kursrückgänge von Banken wie der National Bank of Greece, Piraeus Bank, Bank of Cyprus, Alphabank und EFG Eurobank zurückzuführen.

          Jochen Felsenheimer, Kreditanalyst bei der Fondsgesellschaft Assenagon, sieht den starken Anstieg der griechischen Finanzierungskosten vor allem als psychologisches Phänomen, zu dem die schlecht verlaufene Plazierung einer Staatsanleihe in der Vorwoche beigetragen habe. „Die eigentlichen Nachrichten vom Dienstag waren nicht überwältigend“, sagte Felsenheimer dieser Zeitung. Griechenland werde voraussichtlich nicht mehr ohne die Unterstützung des Währungsfonds oder seiner europäischen Partner auskommen.

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