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Staatsanleihen : Lukrative Wetten auf schwache Euro-Länder

  • -Aktualisiert am

Ruinen sind in Griechenland so aktuell wie nie Bild: AP

Griechenlands Haushaltsloch hat die Finanzmärkte in Angst und Schrecken versetzt. Wer an die dauerhafte Zahlungsfähigkeit aller Euro-Länder glaubt, kann jedoch gerade deshalb wieder hohe Zinsaufschläge einstreichen.

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          Wenn den Beteuerungen von Politikern stets zu trauen wäre, könnten griechische Staatsanleihen derzeit wohl ein heißer Anlagetipp sein. Bei einer zehnjährigen Bindung versprechen sie derzeit 5,4 Prozent, rund 2,2 Prozentpunkte mehr als deutsche Bundesanleihen - unter der Voraussetzung, das Griechenland Zinsen und Tilgung pünktlich überweist.

          Den Willen dazu und zur Sparsamkeit beteuert die griechische Regierung gerade auf einer Tour durch Europa. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou will mit einer Reise versuchen, für die Glaubwürdigkeit seiner Regierung und des Landes zu werben und beginnt damit am Dienstag in Berlin, wo er seinen Amtskollegen Wolfgang Schäuble trifft, ehe er zu einem Treffen mit der französischen Finanzministerin Christine Lagard nach Paris weiterreist.

          Furcht vor der Fortsetzung der griechischen Schuldenpolitik

          Papakonstantinou will über den Stabilisierungsplan der griechischen Regierung informieren. Die Herabstufungen durch die Ratingagenturen haben Griechenland, dessen Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf 12,7 Prozent der Wirtschaftskraft anwächst, unter Druck gesetzt. Die anderen Mitglieder der Währungsunion fürchten eine Fortsetzung der Schuldenpolitik, die zu einer Gefahr für die Währungsunion werden könnte.

          Deshalb dringt auch die Europäische Zentralbank zur Sparsamkeit und zu einer Verbesserung der Bonität. "Aus unserer Sicht muss Griechenland so schnell wie möglich Maßnahmen einleiten, damit seine Staatsanleihen bis Ende 2010 wieder ein A-Rating erhalten", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi der italienischen Zeitung "La Stampa". Bini Smaghi forderte Griechenland auf, sein strukturelles Schuldenproblem anzugehen. Die EZB hat allen Grund, zur Eile zu mahnen. Denn sie hat in der Finanzkrise die Anforderungen an die Sicherheiten, die Banken bei den Finanzierungsgeschäften einreichen müssen, gesenkt.

          Diese Erleichterung soll allerdings nur noch dieses Jahr gelten. Danach müssen Staatsanleihen wieder mindestens ein A-Rating tragen, wenn sie als Sicherheit genutzt werden sollen. Fitch hat als erste Ratingagentur die griechische Bonitätsnote unter dieses Niveau gesenkt, und auch die anderen Agenturen erwägen Herabstufungen. Käme es dazu und würden die gelockerten Bestimmungen der EZB nicht verlängert, würden die griechischen Banken, die im großen Stil Anleihen ihres Staates gekauft haben, in Finanzierungsschwierigkeiten geraten. Auch der griechische Staat, der im Januar eine neue Anleihe begeben will, müsste mit noch höheren Zinsaufschlägen zurechtkommen.

          Keine Alternative zu einer Haushaltskonsolidierung

          Notenbanker und die griechische Regierung werden deshalb nicht müde zu betonen, dass es zur Haushaltskonsolidierung keine Alternative gebe. "Die Ratingherabstufung war der letzte Warnschuss. Griechenland werde nun handeln", sagt Birgit Figge, Analystin der DZ Bank. Aber auch bei einem plötzlichen Ausbruch der Sparsamkeit werde die Belastung hoch bleiben. Selbst wenn der Primärhaushalt - also vor allen Zinszahlungen - ausgeglichen werde, sei in den kommenden Jahren mit einem Defizit von rund 7 Prozent der Wirtschaftsleistung zu rechnen. Die Verschuldung dürfte also von derzeit 112 auf 135 Prozent im Jahr 2011 steigen.

          Angesichts dieser Zahlen könnte schon bald wieder die Möglichkeit von Unterstützung durch die finanzstärkeren Euro-Länder diskutiert werden. Viele Investoren spekulieren darauf, dass Deutschland und Frankreich zum Beispiel eher Gemeinschaftsanleihen mit den Wackelkandidaten begeben würden, als einen Zahlungsausfall eines Euro-Staates hinzunehmen. Anleger, die solchen Spekulationen folgen und auf den Bestand des Euro-Systems wetten wollen, finden derzeit auch außerhalb Griechenlands wieder ansehnliche Renditeaufschläge. Zehnjährige italienische Titel versprechen 4 Prozent, irische 4,8 Prozent.

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