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Staatsanleihen : Griechenland lockt mit hohem Zinsaufschlag

  • Aktualisiert am

Griechenland kommt nicht zur Ruhe Bild: dpa

Die neuen Schuldtitel Griechenlands stoßen auf rege Nachfrage. Was Wunder, bieten sie doch eine Rendite von 6,2 Prozent für fünf Jahre Laufzeit - mehr als Lettland oder Uruguay. Im Februar soll schon die nächste Emission folgen.

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          Im Kampf gegen seine Finanzprobleme will Griechenland nach der erfolgreichen Ausgabe einer fünfjährigen Anleihe am Montag die Finanzmärkte im Februar erneut anzapfen. Das neue Papier solle eine Laufzeit von zehn Jahren haben, sagte am Dienstag der Chef der griechischen Finanzagentur, Spyros Papanicolaou. Ziel sei es, drei bis fünf Milliarden Euro einzunehmen. Das Volumen hänge aber von der Resonanz am Markt ab.

          Die neue fünfjährige Anleihe stieß am Montag auf große Nachfrage, musste allerdings auch einen ungewöhnlich hohen Zinsaufschlag bieten. Die Nachfrage nach den Papieren war mehr als dreimal so hoch wie das Angebot. Insgesamt gingen Gebote im Volumen von rund 25 Milliarden Euro ein. „Wir werden acht Milliarden Euro mit dieser Emission aufnehmen“, sagte Papanikolaou. Griechenland habe gezeigt, dass es den nötigen Kapitalbedarf für 2010 problemlos decken könne.

          Versuch, der Angst zu begegnen

          Die griechische Regierung erhalte Vorschusslorbeeren von den Finanzmärkten, sagte LBBW-Stratege Jens-Oliver Niklasch zu der hohen Nachfrage nach der fünfjährigen Anleihe. „Jetzt ist Griechenland am Zug.“ Die Investoren müssten sich wohl auf kräftige Kursschwankungen einstellen, meint Unicredit-Analyst Kornelius Purps.

          Die Unsicherheit lassen sie sich mit kräftigen Renditeaufschlägen bezahlen. Die neue Anleihe rentiert mit 6,2 Prozent und damit 0,3 Prozentpunkte höher als am Markt befindliche Anleihen des Landes mit vergleichbarer Laufzeit.

          Eine Anleihe aus Uruguay mit sechs Jahren Laufzeit wird derzeit mit einer Rendite von 5,67 Prozent gehandelt. Die Bonitätsnote des südamerikanischen Landes liegt drei bis vier Stufen unter der des EU-Mitglieds Griechenland. Auch lettische Anleihen mit einer Restlaufzeit von vier Jahren, deren Bonitätsnote zwei bis vier Stufen niedriger ist, rentieren lediglich mit 5,6 Prozent.

          Die Rendite fünfjähriger griechischer Staatsanleihen liegt am Dienstag 3,6 Prozentpunkte höher als die vergleichbarer deutscher Papiere. Angesichts der hohen Schulden fallen die Zinszahlungen aber kaum ins Gewicht. „Die Hoffnung ist, dass ein Erfolg dieser Anleihe die Angst aus dem Markt nimmt“, sagt Purps. Die nächste Emission könnte dann günstiger ausfallen. Der gesamte Finanzbedarf Griechenlands beträgt in diesem Jahr 53 Milliarden Euro.

          Entscheidungen folgen erst

          „Das ist zwar eindeutig ein Zeichen, dass das Land kurzfristige Finanzierungen durchführen kann, aber hier ist der Weg noch weit“, urteilte Norbert Aul von der Commerzbank. Nach Ansicht von Sarah Carlson von der Ratingagentur Moody's sei nun entscheidend, dass die Sparpläne umgesetzt würden. „Das ist eine politische und wirtschaftliche Herausforderung.“ Die neue sozialistische Regierung hat ein ambitioniertes Sparprogramm aufgelegt, um das Haushaltsdefizit von 12,7 Prozent schrittweise unter die Grenze von 3 Prozent zu drücken.

          Allerdings wird befürchtet, dass sie damit auf heftigen Widerstand in der Bevölkerung trifft. Erste Anzeichen dafür zeigten sich schon am Montag. So demonstrierten Hunderte Landwirte in Athen für höhere Subventionen und Preise, nachdem sie zuvor schon mehrere Tage lang Straßen und die Grenzübergänge nach Bulgarien blockiert hatten.

          Internationaler Druck

          Die Finanznot Griechenlands rief auch die Europäische Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) auf den Plan. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny sagte der „Financial Times“, der Euro-Raum übe derzeit großen Druck auf Griechenland aus, den Haushalt zu konsolidieren. Zugleich sollten die Probleme Griechenlands aber auch nicht übertrieben werden. Der Euro-Raum selbst ist trotz der großen Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit einzelner Mitgliedstaaten nach Einschätzung der EU-Kommission nicht in Gefahr.

          Bundesbank-Chef Axel Weber forderte Griechenland erneut zu harten Einschnitten bei den Ausgaben auf und lehnte eine Hilfe Europas für das angeschlagene Land abermals ab. „Ich halte solche Hilfen, ob konditioniert oder - schlimmer noch - nicht konditioniert für kontraproduktiv“, sagte Weber der „Börsen- Zeitung“. Weber sieht indes keine Gefahr für die europäische Währungsunion: „Es gibt kein Problem der Währungsunion und keines des Euro.“

          IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn forderte die Regierung in Athen zu durchgreifenden Reformen auf. „Alles hängt vom politischen Willen ab. Ich bin zuversichtlich, dass die gegenwärtige Wirtschaftskrise überwunden werden kann, aber nur mit großen
          Veränderungen in allen Bereichen“, sagte er der griechischen Finanzzeitung „Naftemporiki“. Griechenland müsse die Verpflichtungen erfüllen, die mit der Mitgliedschaft in der Euro-Zone verbunden sind.

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