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Staatsverschuldung : Mit Inflation aus der Schuldenfalle?

Jene, die ein Inflationsszenario fürchten, verweisen auf die Vereinigten Staaten als mögliche Quelle des Übels Bild: AFP

Zurzeit sinkt das Preisniveau. Doch die Kombination aus einer äußerst expansiven Geldpolitik und einer mit einer hohen Neuverschuldung einhergehenden Finanzpolitik weckt Furcht vor einer später aufkeimenden Inflation. Ob die Geißel Inflation wiederkehrt, hängt im Wesentlichen von den Notenbanken ab.

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          Die Staatsverschuldung wirft viele wirtschaftliche Probleme auf: Sie kann private Investitionen verdrängen, zum Anstieg des Zinsniveaus beitragen und künftige Generationen durch höhere Steuern belasten. Sie muss aber nicht zwingend mit steigender Geldentwertung einhergehen. Und dennoch existiert die Befürchtung, dass die sich auftürmenden Schuldenberge in den kommenden Jahren mit einer deutlich höheren Inflationsrate einhergehen. Das kann so sein, es muss aber nicht so kommen.

          „Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen“, sagte der Nobelpreisträger Milton Friedman vor Jahrzehnten. Mit anderen Worten: Die Inflationsrate hängt wesentlich von der Geldversorgung ab. Der Grundsatz gilt immer noch, auch wenn die moderne Theorie nicht mehr wie Friedman der Auffassung ist, die in der Wirtschaft umlaufende Geldmenge werde allein durch die Notenbank bestimmt. Vielmehr ergibt sich die Geldmenge nach heutiger Auffassung aus einem - gelegentlich komplizierten Zusammenspiel - von Notenbank, Geschäftsbanken und Kreditnehmern.

          Viele Faktoren beeinflussen die Inflationsrate

          Ebenso wenig hängt die Inflationsrate allein von der Entwicklung der Geldmenge ab. Hier spielen auch andere Größen hinein wie die Kapazitätsauslastung, die Lohnbildung, die Rohstoffpreise und die Wechselkurse. Aber die Notenbank, obgleich nicht allmächtig, besitzt doch Einfluss auf den Geldwert. Sie kann zwar Inflationsraten nicht bis auf die Nachkommastelle steuern, aber sie kann schon beeinflussen, ob die Inflationsrate eher bei 2 oder bei 5 Prozent liegt. Das gilt im Prinzip unabhängig von der Höhe der Staatsschulden.

          Die Notenbank kann sich durch eine strenge Geldpolitik gegen eine ausufernde Inflation wehren - aber wird sie dies tun? Das ist die entscheidende Frage. Die meisten bedeutenden Notenbanken sind formal von Regierungsweisungen unabhängig, und empirische Studien belegen, dass in Ländern mit unabhängigen Notenbanken die Inflationsraten im Durchschnitt niedriger liegen als in Ländern mit abhängigen Notenbanken. Insofern steht auf dem Papier nicht zu befürchten, dass sich die Notenbanken von Regierungen beauftragen lassen, angesichts hoher Staatsschulden merklich höhere Inflationsraten zu tolerieren.

          Ein Test für die Unabhängigkeit der Notenbanken

          Die Frage stellt sich jedoch, wie unabhängig von ihren Regierungen die Notenbanken - oder zumindest die Notenbanken in manchen Ländern - seit dieser Krise de facto noch sind. Dies gilt vor allem für den Federal Reserve Board (Fed) in Washington und die Bank of England in London, weniger für die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Die EZB hat den Vorteil, dass zu ihr kein Gegengewicht in Gestalt einer europäischen Regierung existiert. Der Rat der Finanzminister aus den Mitgliedsländern des Euro-Raums hat sich nicht als bedeutsames Gegengewicht etablieren können. In Washington und in London haben Regierungen und Notenbanken seit Beginn der Krise sehr eng zusammengearbeitet, und Käufe von Staatsanleihen in dreistelliger Milliardenhöhe durch Notenbanken stehen für ein erhebliches Maß an Interessenidentität.

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