https://www.faz.net/-gqe-x8t7

Sparen, Inflation oder Pleite : Wege aus der Schuldenfalle

Sparpolitik besitzt drei Eigenarten. Zum einen ist sie bei vielen Regierungen und Bevölkerungen unpopulär und wird häufig erst dann angepackt, wenn die Verschuldung eines Landes unerträglich geworden ist. Zum zweiten benötigt eine Haushaltssanierung einen langen Atem. Die gegenwärtigen Staatsschuldenberge wurden innerhalb mehrerer Jahrzehnte aufgebaut. Wer sie auf solide Weise abbauen will, muss einen langen Weg gehen.

Drittens kann eine Politik der Haushaltssanierung langfristig durchaus Potential für zusätzliches Wirtschaftswachstum generieren. Kurzfristig gehen Sparpakete aber nicht selten mit einem rückläufigen Wirtschaftswachstum einher. So erwartet die griechische Regierung in diesem Jahr ein bescheidenes Wachstum, während Prognosen von Ökonomen eine Rezession mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3 bis 4 Prozent erwarten lassen. Solche Einbußen sind geneigt, die Unterstützung einer Sanierungspolitik durch eine Bevölkerung schwinden zu lassen. Diese Einbußen müssen aber toleriert werden.

Neben Schulden besitzen Staaten auch Vermögen

In der öffentlichen Diskussion wird ein weiterer Weg zur Schuldenreduzierung selten erwähnt: Das sind Privatisierungen von Staatsvermögen. Gelegentlich scheint in Vergessenheit zu geraten, dass auch die Bilanz des Staates aus zwei Seiten besteht: Neben Schulden besitzen Staaten Vermögen verschiedenster Art wie Unternehmen, Immobilien, Wälder, Grund und Boden sowie Infrastruktur. Privatisierungen können einen Beitrag zum Abbau von Staatsschulden leisten.

Unterschätzt werden gelegentlich die Kosten von Abwertungen der eigenen Währung für die Staatsverschuldung. Wertänderungen der eigenen Währung gegenüber anderen Währungen spielen keine Rolle, wenn die Staatsverschuldung, wie zum Beispiel in Japan, nahezu vollständig von Inländern gehalten wird. Befinden sich die Staatsschulden zu einem erheblichen Teil im Ausland, hängt es davon ab, auf welche Währung die Schulden lauten.

Hat sich ein Land in einer Fremdwährung verschuldet, nimmt die Last der Staatsschulden nach einer Abwertung der eigenen Währung sogar noch zu, weil die Schulden in der nun teureren Fremdwährung zurückgezahlt werden müssen. Dieser Effekt stellte sich ein, wenn Griechenland die Drachme einführte und gegenüber dem Euro abwertete, seine auf Euro lautenden Staatsschulden aber weiter in Euro zurückzahlen müsste. In diesem Falle würde die ohnehin schon drückende Schuldenlast für Griechenland auf einen Schlag noch viel schwerer.

Unproblematischer sieht es auf den ersten Blick aus, wenn ein Land, dass seine Schulden in der eigenen Währung aufgenommen hat, seine Währung abwertet. Ein Beispiel wäre Großbritannien. Das Problem ist jedoch, dass Anleger aus Ländern mit einer nun stärkeren Währung Wechselkursverluste auf ihre Anleihen erlitten haben. Diese Anleger werden möglicherweise künftig höhere Renditen als Ausgleich für das Wechselkursrisiko fordern. Frankfurter Bankökonomen vermuten, dass Griechenland im Falle einer Rückkehr zur Drachme für neue Drachmenanleihen zweistellige Renditen bieten müsste.

Wenn alles andere nichts hilft, bleibt nur die Insolvenz. Sie gilt als ein Schreckgespenst; tatsächlich aber ist die Geschichte voller Staatsbankrotte, die meist ohne fürchterliche Folgen verlaufen sind. Denn in den seltensten Fällen muss der Wert von Staatsanleihen im Falle einer Insolvenz von 100 auf null Prozent abgeschrieben werden. Oft hilft es einem Land schon, wenn es lediglich für ein paar Jahre von der Zahlung von Zinsen auf seine Anleihen befreit wird. Als Kenner der Geschichte ist Rogoff davon überzeugt, dass derartige Fälle in den kommenden Jahren auftreten werden.

Dreizehn Staatsbankrotte in Folge

- Der Staatsbankrott war in der Geschichte häufig der leichteste Ausweg für Regierungen. Den Rekord hält Spanien mit 13 Staatsbankrotten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Demgegenüber haben Länder wie Australien, Neuseeland, Kanada und Dänemark ihre Gläubiger niemals enttäuscht.

- Entschuldung durch Inflationierung ist in der Finanzgeschichte ebenfalls sehr verbreitet gewesen. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich überwiegend Länder in Lateinamerika und Afrika dieser Strategie bedient.

- Eine entschlossene Haushaltssanierung wurde in jüngerer Zeit unter anderem in Kanada, Schweden, den Niederlanden und in Dänemark betrieben. Haushaltssanierung muss sich nicht auf Ausgabendisziplin beschränken. Gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern, aber auch in Griechenland kann der Staat durch ein leistungsfähiges Steuersystem zudem seine Einnahmen verbessern.

Weitere Themen

Topmeldungen

Der Name sagt schon alles: Das Containerschiff „Kyoto Express“ der Reederei Hapag-Lloyd wird auf dem Container Terminal Altenwerder in Hamburg umgeschlagen.

Wirtschaftspolitik : Gefahr für die Globalisierung

Heute wirkt die Globalisierung erstmals seit Jahrzehnten ernsthaft bedroht. Gleichzeitig wird der wirtschaftliche Wandel zahlreiche ordentlich bezahlte Jobs kosten. Es wäre gut, wenn die Politik die Folgen nicht erst entdeckt, wenn es zu spät ist.
Der Impfschutz kann nach einigen Monaten nachlassen.

Auffrischungsimpfungen : So wollen die Länder den Corona-Booster zünden

Weil unklar ist, wie lange sich Geimpfte vor Corona in Sicherheit wiegen können, gibt es bald die dritte Spritze. Impfteams schwärmen wieder aus, die Arztpraxen übernehmen den Rest – doch wie genau soll die dritte Impf-Welle anrollen?

Olympiasieger Wellbrock : Herr des Stillen Ozeans

Im Pazifik dominiert Florian Wellbrock wie einst das Dream Team auf dem Parkett, wie der FC Bayern die Bundesliga. Als Olympiasieger und Nachfolger von Michael Groß entsteigt er dem größten Freibad der Welt.

Waldbrände in der Türkei : Erdogan kennt die Schuldigen

Die Türkei, sagt Staatspräsident Erdogan, kämpfe gegen die schlimmsten Waldbrände ihrer Geschichte. Kritik an seiner Regierung weist er zurück – und greift an.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.