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Spaniens Schuldenkrise : EZB droht mit Intervention auf dem Anleihemarkt

  • Aktualisiert am

Das Euro-Symbol vor der EZB in Frankfurt Bild: Irl, Maria

Die Euro-Sorgenkinder Spanien und Italien müssen wieder höhere Zinsen zahlen, wenn sie sich Geld leihen. Die EZB erwägt nun wieder, spanische Anleihen zu kaufen.

          Die Europäische Zentralbank hat angesichts der für Spanien steigenden Finanzierungskosten die Möglichkeit von abermaligen Anleihenkäufen ins Spiel gebracht. „Wir haben ein Instrument für Interventionen, das Kaufprogramm SMP, das zuletzt nicht benutzt wurde, aber das existiert“, sagte der französische EZB-Direktor Benoit Cœuré am Mittwoch in Paris. Seit Mai 2010 hat die EZB für den Kauf von Staatsanleihen finanzschwacher Euroländer wie Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Irland mehr als 200 Milliarden Euro ausgegeben, die Käufe allerdings in den vergangenen Wochen eingestellt. Auch am Mittwoch habe sie an dieser Zurückhaltung nichts geändert, berichteten Händler.

          In den vergangenen Tagen waren besonders spanische Titel unter Verkaufsdruck geraten, was die Rendite zehnjähriger Anleihen auf knapp 6 Prozent trieb, während der deutsche Staat am Mittwoch erstmals für zehnjährige Anleihen weniger als 2 Prozent Kuponzins geboten hat. Alfredo Saenz, der die spanische Großbank Banco Santander führt, forderte ein beherzteres Eingreifen der EZB. Cœuré sagte, er halte das Verhalten der Anleger für völlig übertrieben: „Was im Moment am Markt passiert, ignoriert völlig die Fundamentaldaten.“ Zwar hätten die beiden gemeinsam fast eine Billion Euro schweren langfristigen Refinanzierungsgeschäfte der EZB vor Weihnachten und Ende Februar dazu beigetragen, die Lage an den Finanzmärkten zu beruhigen. „Doch die Situation in den jüngsten Tagen zeigt, wie fragil die Normalisierung bleibt“, sagte der für Marktoperationen der Notenbank verantwortliche EZB-Direktor.

          Politiker in Berlin und Brüssel äußerten sich zuversichtlich über Spanien. Mit seinen finanzpolitischen Kennziffern stehe das Land besser da als viele andere Industriestaaten außerhalb des Euroraums, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Es sei zu begrüßen, dass Madrid angesichts des jüngsten Zinsanstiegs die Entschlossenheit bekräftigt habe, die vereinbarten Konsolidierungsziele zu erreichen. Das Land habe umfangreiche Reformen eingeleitet. Er nannte in diesem Zusammenhang die Bereiche Finanzen, Arbeit und Banken. Es sei vielversprechend, was die spanische Regierung unternehme. „Insofern bedauern wir, dass die Märkte diese enormen Reformanstrengungen bisher noch nicht angemessen honorieren.“ Die Reformen müssten aber erst einmal wirken. Wie ein Sprecher der EU-Kommission mitteilte, rechnet die Behörde nicht damit, dass die Regierung in Madrid Finanzhilfe benötigt, um die spanischen Banken zu stützen. Er hob die Bemühungen der spanischen Regierung hervor, das Haushaltsdefizit zu senken und den Arbeitsmarkt zu reformieren.

          Benoit Cœuré

          Die Sorgen um Spanien haben nach Angaben der Deutschen Bank zugenommen. Zum einen gebe es Zweifel daran, dass das Land sein Defizitziel von 5,3 Prozent in diesem Jahr erreichen könne. Zudem sei unklar, wie groß der Kapitalbedarf der Banken sei und woher das Geld dafür kommen werde, heißt es in einer Studie. Und zum dritten gebe es Sorgen zu den Defiziten auf regionaler Ebene. Der jüngste Druck auf die spanischen Anleihen könnte laut Deutscher Bank daher kommen, dass den Banken des Landes des Geld ausgegangen sei, um Staatspapiere zu kaufen. Die italienischen Banken hingegen haben den Angaben zufolge möglicherweise noch etwa 60 Milliarden Euro übrig, um italienische Anleihen zu kaufen.

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