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Wegen der Krise : Spanier bleiben lange im „Hotel Mama“

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Eine eigene Bude? Für viele junge Erwachsene in Spanien ist das undenkbar. Diese Mädchen haben nur deshalb ihr eigenes Zuhause, weil sie wegen der Krise nach Holland ausgewandert sind. Bild: REUTERS

Die große Mehrzahl der jungen Spanier unter 30 wohnen noch bei ihren Eltern. Die Wirtschaftskrise und die hohe Jugendarbeitslosigkeit haben diesen Trend noch verschärft.

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          Nahezu 80 Prozent der jungen Spanier unter 30Jahren wohnen noch bei ihren Eltern. Die seit dem Jahr 2008 andauernde Wirtschaftskrise hat diesen Trend noch gestärkt. Nur zwei von zehn Jugendlichen sind selbständig.

          Das ist das Ergebnis einer Studie des Nationalen Jugendrates im Auftrag des Gesundheitsministeriums, die jetzt in Madrid vorgelegt wurde. Die drei Hauptursachen für die mangelnde Emanzipation sind die hohe Arbeitslosigkeit, die Preise für Eigentumswohnungen und die relativ hohen Mieten.

          Die Jugendarbeitslosigkeit liegt gegenwärtig bei rund 55 Prozent. Davon sind in realen Zahlen 1,8 Millionen Personen zwischen 16 und 29 Jahren und zusätzlich fast 900.000 zwischen 30 und 34 Jahren betroffen.

          47 Prozent des Einkommens für Miete

          Um eine Hypothek bezahlen zu können, muss ein junger Spanier bei einem jährlichen Durchschnittseinkommen von 13.600 Euro davon gegenwärtig mehr als die Hälfte (54 Prozent) aufwenden. Bei Mieten sind es rund 47 Prozent, heißt es in der Studie. In den sechs Krisenjahren sind Wohnungspreise und Mieten zwar spürbar um etwa ein Drittel gefallen. Die Arbeitslosigkeit und damit die Einkommensverluste sind jedoch noch stärker gestiegen.

          Die Arbeitslosenquote liegt bei ungelernten Jugendlichen zurzeit bei 66 Prozent. Unter Menschen mit Hochschulabschluss erreicht sie dagegen 31 Prozent. Insbesondere in der zweiten Gruppe liegt die Zahl der Überqualifizierten, die eine Arbeit „unter ihrem Niveau“ haben, bei über 50 Prozent.

          Die Zahl der „ninis“ - das sind Jugendliche, die weder arbeiten noch studieren oder in einer Berufsausbildung stehen -, wird in der Studie mit nur noch 3 Prozent angegeben. Ein Ausweg für qualifizierte junge Spanier ist die Emigration. In diesem Jahr haben bislang rund 40 000 das Land verlassen.

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