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Sparkassen-Präsident Fahrenschon : „Spanien sollte wieder echte Sparkassen bekommen“

  • Aktualisiert am

Bild: IMAGO

Für Georg Fahrenschon liegt der Ursprung der Bankenkrise in Spanien darin, dass Sparkassen zu Kapitalgesellschaften fusioniert wurden. Im F.A.Z-Interview erklärt der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes die Unterschiede zwischen dem spanischen und dem deutschen System.

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          Herr Fahrenschon, nun werden in Europa, genauer in Spanien, schon wieder Banken gerettet, vor allem Sparkassen. Was ist schiefgelaufen?

          Gerettet werden müssen solche Institute, die keine echten Sparkassen sind. Die Immobilienblase in Spanien hat ihre Ursache auch darin, dass die Sparkassen das Regionalprinzip aufgegeben haben und daraufhin jeder den anderen bei der Kreditvergabe an den Immobiliensektor übertrumpfen wollte. Der Versuch, dieses durch Zusammenführung zu riesigen, börsennotierten Kapitalgesellschaften zu heilen, hat alles nur noch schlimmer gemacht. Gut, dass wir diese Fehler in Deutschland nicht gemacht haben, obwohl ja viele genau das von uns in den letzten Jahren gefordert haben.

          Welche Konsequenzen sind aus den Bankenschieflagen in Spanien und überhaupt aus der sich wieder zuspitzenden Staatsschuldenkrise zu ziehen?

          In Spanien sollten die Hilfen genutzt werden, um die Sparkassen wieder zu echten, ortsgebundenen Instituten zu machen und den Irrweg Kapitalgesellschaft zu korrigieren. Insgesamt gilt: Durch kurzfristige Rettungsmaßnahmen dürfen nicht die tragenden Säulen unserer Wirtschaft beschädigt werden. In Deutschland sind das die mittelständischen, familiengeführten Unternehmen und deren wichtigste Finanziers, die Sparkassen. Deutschland ist für Europa strukturrelevant. Die Rolle kann Deutschland aber nur ausfüllen, wenn wir das erhalten, was für unser Land stabilisierend ist.

          Die EU-Kommission scheint die Schieflagen in Spanien anders, mit einer Europäischen Bankenunion, beheben zu wollen. Das bedeutet: europäische Bankenaufsicht und grenzüberschreitende Haftung von Banken untereinander bis hin zur Sicherung der Einlagen. Was halten Sie davon?

          Wir stehen zu Europa, auch zu einer weiteren Vertiefung. Wir wollen aber kein Europa, das in einer riesigen Umverteilung fehlende Solidität überdeckt und Eigenverantwortung sowie Wettbewerb beschädigt. Für uns ist nicht akzeptabel, dass in einer sogenannten Bankenunion Sparkassen oder gar deren Kunden, die Sparer, mit ihrem Geld die Schieflagen ausländischer Banken ausgleichen sollen. Inzwischen nehmen sich doch sogar die Briten die mittelständische Struktur der deutschen Wirtschaft zum Vorbild. Dazu braucht man dezentrale Bankenstrukturen und Verantwortung vor Ort.

          Was meinen Sie damit?

          Es ist kein fairer Wettbewerb, wenn vom Staat gerettete ausländische Banken mit dem Geld von Steuerzahlern im Rücken hohe Einlagenzinsen für Privatkunden bieten. Das können solide Institute, die ihr Geld selbst verdienen müssen, nicht. Wir müssen aufpassen, dass in der Krise nicht alle Werte Europas - fairer Wettbewerb, Subsidiarität, Eigenverantwortung und Demokratie - beschädigt werden.

          Was schlagen Sie dagegen vor?

          Jede Bank muss zunächst passend zu ihrem Risikoprofil selbst Vorsorge betreiben, um Schieflagen abfedern zu können. Wenn solche Reserven nicht ausreichen, ist es gut, wenn es nationale Haftungssysteme gleichartig organisierter Banken gibt. Zum Schutz Dritter muss in solchen Fällen notfalls auch der Steuerzahler einspringen. Das wird aber nur auf nationaler Ebene möglich sein, weil dort die parlamentarische Haushaltssouveränität liegt. Ich halte es nicht für vorstellbar, dass nicht demokratisch gewählte europäische Ebenen das Geld deutscher Steuerzahler oder deutscher Sparer an ausländische Banken verteilen. Wir sind wahrlich nicht stolz auf die West LB. Aber wir stellen uns diesen Anforderungen und wickeln eine der einst größten deutschen Banken ziemlich geräuschlos ab. Solche Abwicklungen oder Verkleinerungen muss man als Konsequenz von Hilfen auch von anderen fordern.

          Ein Teil der WestLB, das Verbundgeschäft mit den Sparkassen, geht in der Helaba auf. Dafür geben die Stützungsfonds von Sparkassen und Landesbanken jeweils 250 Millionen Euro und erhalten dafür Anteile an der Helaba. Vertreten Sie diese Anteile dort künftig im Verwaltungsrat?

          Klar ist, dass man Vorstände anderer Landesbanken nur schwerlich in den Helaba-Verwaltungsrat aufnehmen kann. Deshalb werden dort Repräsentanten benötigt, die die Interessen der ganzen Gruppe vertreten können.

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