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Schuldenkrise : Spanien bastelt sich seinen Rettungsschirm

  • -Aktualisiert am

Die Finanznöte in Spanien werden immer größer Bild: dpa

Das klamme Spanien sucht nach Wegen, einen kompletten Hilfsantrag bei der EU zu umgehen. Jetzt hat Ministerpräsident Rajoy einen möglichen Ausweg ersonnen. Wie spanische Medien berichten, will die Regierung einen Teil aus den bewilligten 100 Milliarden Euro für die Bankenhilfe zur Rückzahlung von Staatsschulden verwenden.

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          Die spanische Regierung erwägt angeblich eine neue „Rettungsformel“ mit dem Ziel, sowohl die politischen Schäden einer formellen zweiten Hilfsbitte als auch strikte weitere wirtschaftliche Auflagen für das Land zu vermeiden.

          Diese Variante besteht nach Medienberichten vom Donnerstag darin, den ersten Kredit der Europäischen Union für die Stützung der maroden spanischen Banken in Höhe von maximal 100 Milliarden Euro voll auszuschöpfen, anstatt parallel dazu einen weiteren Staatskredit zu beantragen.

          Unklar, wie es gehen könnte

          Unklar ist einstweilen, ob und wie das zu bewerkstelligen wäre, weil die erste Rettungsaktion spezifisch als Nothilfe für die Banken definiert wurde. In der kommenden Woche soll die, von der Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy mit Einzelprüfungen der Solvenz der Kreditinstitute beauftragte Consulting-Firma Oliver Wyman ihre Ergebnisse vorlegen.

          In einer ersten gemeinsamen Vorprüfung mit deutschen Fachleuten der Unternehmensberatung Roland Berger war der Rekapitalisierungsbedarf der Banken auf rund 60 Milliarden Euro beziffert worden. Sollte sich das durch die neue Analyse erhärten, blieben aus dem ersten Hilfspaket noch 40 Milliarden übrig, die dann eventuell zur Rückzahlung von Staatsschulden eingesetzt werden könnten.

          Spanien kommt zu niedrigerem Zins an frisches Geld

          Spanien profitiert am Kapitalmarkt weiter von den Interventionsplänen der EZB. Bei der Versteigerung von Papieren mit Laufzeiten von drei und zehn Jahren teilte das klamme Land insgesamt knapp 4,8 Milliarden Euro zu, wie das Finanzministerium am Donnerstag in Madrid mitteilte. Damit lag das Auktionsvolumen über der angestrebten Zielspanne von 3,5 bis 4,5 Milliarden Euro. Zugleich fielen die Renditen für die zehnjährigen Papiere mit 5,67 Prozent deutlich niedriger aus als im August, als 6,65 Prozent fällig wurden. Zudem war die Nachfrage höher als im vorigen Monat: Die Auktion für die Zehnjahres-Papiere war 2,8-fach überzeichnet, bei der Versteigerung im August überstieg die Nachfrage das Angebot um das 2,4-Fache.(Reuters)

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