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Spanien : Weniger Krise, mehr Kinder

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Bald könnten wieder mehr Kinder an spanischen Stränden, wie hier in Gran Canaria, toben. Bild: dpa

Erst kam die Wirtschaftskrise, dann brach in Spanien die Geburtenrate massiv ein. Nun dreht sich der Trend langsam wieder. Aber kann dies die Alterung der Gesellschaft aufhalten? 

          Es ist ein Lichtblick im krisengebeutelten Spanien: Das Nationale Statistikinstitut (INE) meldet einen Anstieg der Geburtenzahlen – nach fünf Jahren des Niedergangs. Die Glückszahl ist zwar nur 0,1 Prozent und daher, wie das Demographische Institut in Barcelona kommentierte, „noch kein Grund, den Sekt zu entkorken“. Aber es wurden im vorigen Jahr doch 588 Kinder mehr geboren als in dem „Katastrophenjahr“ 2013. Und das ist zumindest ein Lichtblick.

          Bei einer Bevölkerung von rund 47 Millionen Einwohnern ist das gleichwohl nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Denn mit 426.303 Neugeborenen im Jahr 2014 - bei mehr Todesfällen - zählt Spanien unverändert innereuropäisch wie international zu den Ländern mit der niedrigsten Geburtenrate. Die zähe Wirtschafts- und Finanzkrise hat aber offenkundig schon mit dem kräftigen Rückgang von 18 Prozent allein in den vergangenen fünf Jahren zu tun. Und wenn man ihn mit dem Jahr 2008 vergleicht, als sich die dunklen ökonomischen Wolken schon zusammenzogen, fällt es besonders auf: Damals wurden immerhin noch 519.779 Kinder geboren.

          Drei Hauptgründe sehen die Demographen für den Rückgang insgesamt: die Furcht der potentiellen Mütter vor den finanziellen Unsicherheiten, vor allem einem Verlust des Arbeitsplatzes; die Rückkehr vieler Immigrantinnen in ihr Heimatland, weil sie in Spanien arbeitslos wurden (sie trugen bis dahin mit einem Anteil von einem Fünftel wesentlich zu der Stabilisierung bei); die Emigration junger Spanier(innen) ins Ausland auf der Suche nach einer Beschäftigung.

          Doch nach fast sieben Krisenjahren ist die Furcht anscheinend nicht mehr der einzige Ratgeber. Einige Wirtschaftsstatistiken bessern sich schon. Spanien könnte dieses Jahr eine der höchsten Wachstumsraten in Europa erzielen, und auch die Stimmung in der Bevölkerung verbessert sich Umfragen zufolge. Das muss aber nicht der einzige Grund sein. Eine Umfrage verschiedener spanischer Medien bei Frauen, die im vorigen Jahr wieder Kinder zur Welt brachten, förderte Begründungen wie „Ich konnte und wollte nicht mehr warten“, „Meine biologische Uhr tickte“, oder „Die Unsicherheiten werden ohnehin nicht mehr verschwinden“, zutage.

          Das Durchschnittsalter der spanischen Mütter liegt inzwischen bei 31,8 Jahren und die Geburtenrate - nach der winzigen Zunahme - bei 1,32 pro Frau im Jahr 2014. Die Überalterung der Gesellschaft hat derweil aber deutlich zugenommen. Fast einer von fünf Spaniern ist schon älter als 65 Jahre. Das Durchschnittsalter beläuft sich gegenwärtig auf 43 Jahre. Im Jahr 2060, so rechnen die Statistiker hoch, wird ein Fünftel der Bevölkerung über 80 Jahre alt sein. Denn trotz der Krise und aller Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen hat die Lebenserwartung noch einmal kräftig zugenommen. Sie liegt bei spanischen Frauen jetzt bei 85,7 und bei den Männern bei 80,2 Jahren.

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