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Folgen der Finanzkrise : Lateinamerikas Firmen „kolonialisieren“ Spanien

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Spanien ist für Investoren aus Lateinamerika interessant - auch als Einfallstor nach Europa. Bild: REUTERS

Verkehrte Welt? Unternehmen aus Mexiko, Peru und sogar Venezuela investieren in Spanien. Sogar von einer „Rückeroberung“ ist die Rede.

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          Spaniens ehemalige Kolonien entdecken das einstige „Mutterland“ und übernehmen angesichts der dortigen Wirtschaftskrise immer mehr Unternehmen. Es ist sogar schon von „Rückeroberung“ die Rede.

          Für Spanien ist das nicht schlecht: Die Investitionen unterstützen die noch zögerliche Wirtschaftserholung. Das sich auch das auswirkt, zeigt sich - die Produktion der spanischen Betriebe kletterte im November immerhin so stark wie seit fast drei Jahren nicht mehr, teilte das nationale Statistikamt an diesem Freitag mit.

          Wegen der historischen Bindungen und der gemeinsamen Sprache haben Unternehmen aus Mexiko, Venezuela und Peru schneller als viele andere Geschäftsmöglichkeiten gewittert. Sie nutzen die Gunst der Stunde und expandieren zu vergleichsweise günstigen Preisen nach Europa.

          Conquistadores - nur andersherum

          Zuletzt fielen auf der iberischen Halbinsel vor allem Banken, Einzelhändler sowie Reisekonzerne in lateinamerikanische Hände. So hatte die venezolanische Bank Banesco überraschend beim Verkauf der vom Staat geretteten NCG Banco die Nase vorn - mit einem Gebot von einer Milliarde Euro. Die Grupo Santo Domingo aus Peru sagte dem spanischen Immobilienkonzern Colonial im Rahmen einer größeren Kapitalspritze 100 Millionen Euro zu.

          „Es handelt sich um ein logisches Phänomen“, erläutert der Fusionsexperte Enrique Quemada von dem in Madrid ansässigen Beratungsunternehmen ONEtoONE Capital Partners. „Jetzt steht fest, dass Spanien nicht aus der Euro-Zone austritt und der Euro auch nicht auseinanderfällt. Angesichts der günstigen Preise und der gemeinsamen Sprache ist Spanien für lateinamerikanische Konzerne das natürliche Einfallstor nach Europa.“ Sein Unternehmen hat zuletzt Niederlassungen in Mexiko, Kolumbien und Peru gegründet, um Gewinn aus dem regen Interesse der dortigen Investoren zu ziehen.

          Während des spanischen Booms vor der Finanzkrise war es noch genau umgekehrt gewesen: Damals investierten die spanischen Unternehmen noch massenweise Geld in Lateinamerika. Vor allem zahlreiche frisch privatisierte Unternehmen verleibten sich dort Banken, Telefongesellschaften und Versorger ein. Diese iberische Übernahmewelle stieß nicht überall auf Gegenliebe und wurde oftmals mit dem Einfall der „Conquistadores“ im Gefolge von Christopher Columbus verglichen.

          In Spanien werden die Geldgeber dagegen derzeit großteils mit offenen Armen empfangen. „Spanien muss ausländische Investitionen anziehen. Und wir erleben in diesem Moment einen Wendepunkt: Die Preise vieler Firmen sind niedrig und die Wirtschaft zeigt erste Zeichen einer Erholung“, erläutert der Volkswirt Rafael Domenech von der spanischen Großbank BBVA.

          Zu dem wachsenden Vertrauen in die Zukunft des Landes trugen auch Investitionen von den amerikanischen Milliardären George Soros und Microsoft-Gründer Bill Gates bei, die Geld in den hoch verschuldeten Immobilienkonzern FCC steckten. Auch aus China verzeichnet Spanien wachsendes Interesse.

          Volle Kassen nach eigenem Boom

          Zu dem Expansionskurs der Lateinamerikaner trägt auch bei, dass viele Firmen der Region dank einer eigenen Boomphase volle Kassen haben. Besonders in Mexiko ist aktiv. Auf der jüngsten Forbes-Liste der 1000 wohlhabendsten Menschen der Welt befinden sich 13 mexikanische Milliardäre mit einem Gesamtvermögen von 146 Milliarden Dollar, während die elf Spanier „nur“ auf 90 Milliarden kommen.

          Sogar der mexikanische Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo beschreibt die Schuldenkrise in Europa als gute Geschäftsgelegenheit: „Früher haben wir uns nur darum bemüht, Investitionen anzuziehen. Heute tätigt Mexiko selbst Auslandsinvestitionen in Rekordhöhe.“

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