https://www.faz.net/-gqu-71j27

Schuldenkrise : Autos sind Spaniens Exportschlager

Bild: dpa

Spanien wird oft vorgeworfen, das Land sei nicht wettbewerbsfähig, weil die Löhne zu hoch seien. Das stimmt nicht - Spaniens Exporte sind seit 1999 fast so stark gestiegen wie die deutschen.

          2 Min.

          Der oft erhobene Vorwurf, die südeuropäischen Länder hätten seit der Einführung des Euro wegen stark steigender Lohnkosten an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verloren, ist nicht unumstritten. Die drei Ökonomen Guillaume Gaulier, Daria Taglioni und Vincent Vicard zeigen, dass gerade Länder wie Spanien und Portugal seit 1999 hohe Zuwachsraten im Export verzeichnet haben, die im Falle Spaniens sogar nahezu an die deutsche Rate heranreichen. Der eigentliche Problemfall in punkto Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit in Europa sei vielmehr Frankreich, schlussfolgern die Autoren.

          Die drei Ökonomen zeigen, dass der überdurchschnittliche Anstieg der Arbeitskosten in Südeuropa vor allem in Branchen anfiel, die in der Binnenwirtschaft tätig sind. Die Binnenwirtschaft hatte beispielsweise von dem langjährigen Bauboom in Spanien profitiert, der wiederum durch ausländische Kapitalzuflüsse befeuert worden ist. In den Exportbranchen sind die Lohnkostenanstiege weniger stark ausgefallen.

          Spaniens Export entwickelt sich so ähnlich wie der von Deutschland.

          Eine Untersuchung von Mitarbeitern der Bank von Spanien kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass sich die spanischen Exporteure in den vergangenen Jahren gut gehalten haben. Zwischen 1995 und 2010 ist der spanische Anteil am gesamten Export in der Welt von 1,9 auf 1,6 Prozent zurückgegangen, was sich zum Teil mit der wirtschaftlichen Dynamik in den exportorientierten asiatischen Schwellenländern erklärt.

          Die Aussichten der spanischen Ausfuhr sind allerdings nicht einfach. Der mit weitem Abstand wichtigste Exportartikel sind Autos. In 18 Fabriken wurden vor der aktuellen Krise mehr als 2 Millionen Fahrzeuge im Jahr produziert. Damit ist Spanien mit weitem Abstand hinter Deutschland, aber vor Frankreich, Großbritannien und Italien das zweitgrößte Herstellerland in Westeuropa. Mehr als ein Viertel der Produktion entfällt nach einer Studie der Universität Duisburg-Essen aus dem vergangenen Jahr auf den Volkswagen-Konzern, Fabriken werden aber auch von Herstellern wie PSA, Renault, General Motors und Ford unterhalten. Die Branche beschäftigt etwa 65 000 Mitarbeiter.

          Fast die gesamte spanische Autoproduktion wird exportiert; die Spanier wiederum importieren viele von ihnen gefahrene Wagen. Allein ein Drittel der Ausfuhr geht nach Frankreich, dessen Konjunktur lahmt; andere wichtige Zielländer sind Deutschland, Großbritannien und Italien. Die Überkapazitäten auf dem europäischen Markt könnten auch spanische Fabriken bedrohen.

          Generell ist die Ausfuhr, die rund 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmacht, sehr stark auf Europa ausgerichtet. Im vergangenen Jahr gingen nur knapp 10 Prozent der Exporte in die asiatischen Wachstumsmärkte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unser Autor: Oliver Georgi

          F.A.Z.-Newsletter : Die Mutter aller Verschwörungsmythen

          Nach der unfassbaren Katastrophe von Beirut wird nun die Schuldfrage immer lauter. Wie gefährlich die QAnon-Bewegung ist und was am Freitag sonst noch wichtig wird, steht im Newsletter für Deutschland.
          Karl-Theodor zu Guttenberg bekam 2010 noch Applaus auf dem CDU-Parteitag.

          Rückkehr in die Politik? : Guttenberg und sein Verhältnis zu Merkel

          Karl-Theodor zu Guttenberg hat noch immer einen guten Draht zur Kanzlerin. Das wurde im Zuge der Wirecard-Affäre deutlich. Arbeitet der frühere Verteidigungsminister an seiner Rückkehr oder hat er sich endgültig die Finger verbrannt?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.