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Lieferengpässe und Coronawelle : Jetzt steigt das Rezessionsrisiko

  • -Aktualisiert am

Menschen gehen mit Einkaufstaschen durch die Hamburger Innenstadt. Bild: dpa

Der Ifo-Geschäftsklimaindex sinkt zum fünften Mal in Folge. Der deutschen Wirtschaft steht ein ungemütliches Winterhalbjahr bevor. Und die Preise dürften weiter steigen.

          2 Min.

          Die Erholung der deutschen Wirtschaft hat im November weiter an Fahrt verloren. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts sank um 1,2 Punkte auf 96,5 Zähler, wie das Institut am Mittwoch mitteilte. Es ist mittlerweile der fünfte Rückgang in Folge. „Lieferengpässe und die vierte Coronawelle machen den Unternehmen zu schaffen“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die monatliche Umfrage unter rund 9000 Unternehmen gilt als wichtiger Konjunkturindikator. 

          Svea Junge
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Der Stimmungseinbruch zog sich durch alle Branchen. Sowohl die Industrieunternehmen als auch die Dienstleister schätzten ihre laufenden Geschäfte „merklich“ schlechter ein. Zwar hellten sich die Erwartungen der Industrie etwas auf, was vor allem auf die Entwicklung der Automobilindustrie zurückzuführen war. Doch die „Lieferengpässe bei Vorprodukten und Rohstoffen lassen die Industrie nicht los“, sagte Fuest. Eine deutliche Mehrheit der Industrieunternehmen plane die Preise zu erhöhen. Auch im Einzelhandel, der ebenfalls unter den Lieferengpässen leidet, sei in den nächsten Monaten verstärkt mit Preiserhöhungen zu rechnen.

          Besonders pessimistisch blicken die Dienstleister auf die nächsten Monate. Stärker war der Erwartungsindikator zuletzt im November 2020 gesunken. Die vierte Infektionswelle habe die Erwartungen insbesondere im Tourismussektor und im Gastgewerbe einbrechen lassen, erklärte Fuest.

          Überraschend zulegen konnte im November hingegen der Einkaufsmanagerindex des Londoner Markit-Instituts. Das am Dienstag veröffentlichte Stimmungsbarometer für Deutschland kletterte um 0,8 Punkte auf 52,8 Zähler. Es war der erste Anstieg nach drei Rückgängen. Damit rangiert der Index noch immer leicht über der Marke von 50 Punkten, die Wachstum signalisiert. Gleichwohl fiel der Auftragszuwachs so schwach aus wie zuletzt im Februar.

          Außerdem hätten Materialengpässe, höhere Energie- und Lohnkosten, Logistikprobleme und gestiegene Preise bei Zulieferern „zu einer noch nie dagewesenen Kosteninflation“ geführt, sagte Markit-Ökonom Lewis Cooper. Die deutschen Unternehmen hätten deshalb ihre Verkaufspreise mit neuer Rekordrate anhoben. Das wirkte sich auch auf die Geschäftsaussichten aus: Sie fielen laut Markit so wenig optimistisch aus wie seit über einem Jahr nicht mehr.

          Wirtschaft dürfte im Winter „bestenfalls stagnieren“

          Damit schwindet die Hoffnung auf einen versöhnlichen Jahresabschluss. Tatsächlich sei die Stimmung nämlich wohl noch trüber, sagte Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhaus Lampe. Denn die Corona-Welle dürfte noch nicht vollständig ins Umfrageergebnis „geschwappt“ sein. Deutlich sei, dass die Konjunktur „weiter Dampf“ verliere, sagte Jens-Oliver Niklasch, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg. Kurzfristig sei keine Trendwende in Sicht. 

          „Zwar möchte die Politik pauschale Shutdowns unbedingt vermeiden, doch einige Virologen mahnen, dass sich eine extreme Überlastung des Gesundheitssystems vielerorts nur noch mit allgemeinen Kontaktbeschränkungen und der Schließung des Nachtlebens verhindern lässt“, warnte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Ein Blick nach Österreich zeige, dass als Ultima Ratio auch wieder weitreichende Lockdowns möglich seien.

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          Die Pandemie drücke nicht nur auf die Geschäftsaussichten im Handel und bei den Dienstleistungen, sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Auch die Industrie leide, weil der Nachschub aus China wegen der dortigen No-Covid-Strategie weiter stocke. Deshalb werde die deutsche Wirtschaft im Winterhalbjahr „bestenfalls stagnieren“, erwartet er.

          Für Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, stehen die Zeichen mittlerweile sogar „auf ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft. Konnte bis vor kurzem noch von einer Stagnation des Bruttoinlandsproduktes ausgegangen werden, ist nun mittlerweile ein Rückgang des BIP im laufenden Quartal wahrscheinlich geworden“.

          Auch nach Einschätzung von Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Bank, verheißt die schlechte Stimmung der Unternehmen „nichts Gutes“. Die vierte Welle der Pandemie könne die Wirtschaft nun tatsächlich an den Rand einer Stagnation oder sogar einer technischen Rezession treiben. „Allerdings hat sich die Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft an Sperrungen, unterstützt durch Maßnahmen der Regierungen und Zentralbanken, seit März 2020 deutlich erhöht“, sagte Brzeski.

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