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Grexit-Notfallplan : Athen wollte gegen deutsche Firmen vorgehen

  • Aktualisiert am

Alexis Tsipras Bild: dpa

Über den „Abwehrplan“ der griechischen Regierung im Falle einer Staatspleite werden weitere Details bekannt. Angeblich wollte Athen in diesem Fall gegen deutsche Konzerne wie Siemens, Lidl und Hochtief wegen Korruption ermitteln.

          In der Affäre um angebliche Pläne für den Fall eines Euro-Austritts Griechenlands hat Regierungschef Alexis Tsipras seinen ehemaligen Finanzminister Giannis Varoufakis in Schutz genommen. Er habe Varoufakis angewiesen, einen „Abwehrplan“ für den Fall auszuarbeiten, dass Griechenland den Euro verlassen müsse, hatte Tsipras am Freitag  im griechischen Parlament gesagt. Details zu den Inhalten des Plans nannte er dabei aber nicht. Dafür berichtet die griechische Zeitung „Efimerida ton Syntakton“ nun über weitere Einzelheiten: Der griechische Alternativplan hätte offenbar auch Korruptionsermittlungen gegen deutsche Unternehmen beinhaltet. Bei Anwendung des Plans wären entsprechende Ermittlungen gegen in Griechenland tätige deutsche Konzerne wie Siemens, Lidl, Allianz, MAN und Hochtief eingeleitet oder aber intensiviert worden, berichtet das Blatt.

          Ziel des Plans sei es gewesen, „die Kosten für den Bruch“ für die Gläubiger zu erhöhen. Die Regierung in Athen wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren.

          Gegen Siemens-Mitarbeiter läuft in Griechenland bereits ein Prozess wegen eines Bestechungsskandals: Sie sollen 1997 etwa 70 Millionen Euro Schmiergeld an die griechische Telekommunikationsgesellschaft OTE gezahlt haben, um die Digitalisierung des griechischen Telefonnetzes übernehmen zu können. Rund ein Dutzend damaliger Siemens-Vertreter und rund 40 weitere Angeklagte stehen deshalb seit März vor Gericht.

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          Deutschland zählt zu den schärfsten Kritikern der griechischen Regierung, trägt aber auch die größte Last der Hilfspakete für Griechenland. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte ein vorübergehendes Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro ins Spiel gebracht.

          Ein weiterer Punkt in Athens Alternativplan waren der Zeitung zufolge Verstaatlichungen. So sei etwa die Verstaatlichung des erst 2013 privatisierten Glücksspielunternehmens Opap vorgesehen gewesen. Geplant waren auch Mauteinkünfte an den Autobahnen und der größten Brücke des Landes.

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