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„Nur“ minus 8,6 Prozent : Schwedische Corona-Rezession milder als in Eurozone

  • Aktualisiert am

Das Stockholm Stadshus, das Rathaus der schwedischen Hauptstadt Bild: dpa

Verglichen mit der Eurozone ist Schweden bislang deutlich besser durch die Corona-Krise gekommen. In puncto Todesopfer ergibt der Vergleich zu den nordischen Nachbarländern allerdings ein anderes Bild.

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          Die schwedische Wirtschaft ist in der Corona-Krise nicht so stark abgestürzt wie die in anderen europäischen Ländern. Das Bruttoinlandsprodukt brach im zweiten Quartal im Rekordtempo von 8,6 Prozent zum ersten Vierteljahr ein, wie das Statistikamt am Mittwoch in Stockholm mitteilte. 

          Während der globalen Finanzkrise Ende 2008 war es nur um 3,8 Prozent gefallen. Schweden beschreitet in der Pandemie einen Sonderweg: Die meisten Schulen und viele Unternehmen blieben offen, während anderswo zu drastischeren Maßnahmen gegriffen wurde.

          „Die Wirtschaftskrise in der ersten Jahreshälfte spielt in einer ganz anderen Liga als die Horrorshows anderswo in Europa“, sagte Ökonom David Oxley von Capital Economics zur konjunkturellen Entwicklung in Schweden. Zum Vergleich: Die Euro-Zone insgesamt stürzte im Frühjahr um 12,1 Prozent ab, die Europäischen Union um 11,9 Prozent. Die deutsche Wirtschaft schrumpfte um 10,1 Prozent, die spanische um 18,5 Prozent und die italienische um 12,4 Prozent. Eine Ausnahme bildet nach der ersten Schnellschätzung Litauen, wo die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal nur um 3,7 Prozent zurückging.

          Allerdings ist der schwedische Sonderweg in der Corona-Krise umstritten. So ist die Zahl der Todesopfer mit 5747 recht hoch – etwa im Vergleich mit den nordischen Nachbarn: In Norwegen starben in Zusammenhang mit Covid-19 nach Angaben der Johns Hopkins University bislang 256 Menschen, in Finnland 331 und in Dänemark 616. 

          Auch liegt die Arbeitslosenquote in Schweden aktuell mit 9,2 Prozent über dem Durchschnitt der Eurozone von 7,8 Prozent, nachdem es zuvor jahrelang umgekehrt war.

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