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Schwächelnde Konjunktur : Kurzarbeit in der Industrie nimmt weiter zu

Blick ins Werk von Salzgitter Bild: dpa

Die Stimmung unter den deutschen Exportunternehmen ist so gut wie lange nicht. Doch die Industrie ist noch nicht über den Berg.

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          Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren ist wegen der Entspannung im Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China so gut wie seit zehn Monaten nicht mehr. Das entsprechende Barometer sei im Dezember auf den besten Wert seit Februar gestiegen, teilte das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag auf Basis einer Umfrage unter 2300 Unternehmen mit. Bei den Exporteuren keime leichter Optimismus auf, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Zugleich ist aber die Kurzarbeit in der deutschen Industrie weiter gestiegen, wie eine weitere Umfrage des Ifo-Instituts zeigt. Demnach setzten im Dezember 8,4 Prozent der Industrieunternehmen auf Kurzarbeit, das ist der höchste Stand seit 2010. Im September waren es noch 5,6 Prozent. Auch der Anteil der Unternehmen, die damit rechnen, in den kommenden drei Monaten in Kurzarbeit zu gehen, ist noch einmal deutlich gestiegen: von 12,4 auf 15,3 Prozent. „Die Rezession in der Industrie hinterlässt zunehmend tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

          100.000 Kurzarbeiter im Dezember

          Das Kurzarbeitergeld ist eine Leistung, mit der die Arbeitslosenkasse für einen Teil des Lohnausfalls einspringt, wenn Unternehmen in konjunkturellen Schwächephasen die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter kürzen. Das soll in Krisenzeiten Entlassungen vermeiden. In der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 waren zeitweilig fast 1,5 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland in Kurzarbeit. Die Arbeitgeber fordern seit längerem, dass der damals erleichterte Zugang zum Kurzarbeitergeld durch eine Verordnungsermächtigung auch jetzt wieder ermöglicht werden soll. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will das in seinem Arbeit-von-morgen-Gesetz umsetzen.

          Nach Schätzungen des Ifo-Instituts dürften aktuell schon mehr als 100.000 Beschäftigte in Kurzarbeit sein. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit weist seit einiger Zeit ebenfalls einen Anstieg der Kurzarbeiterzahlen aus, allerdings noch auf etwas geringerem Niveau. Demnach wurde im September – neuere Daten liegen noch nicht vor – laut vorläufigen hochgerechneten Daten 59.000 Arbeitnehmern konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Zudem haben die Unternehmen im Oktober für 49.000 Personen Kurzarbeit angemeldet. Die Bundesagentur für Arbeit verweist immer wieder darauf, dass es nicht in jedem Fall auch tatsächlich zu Kurzarbeit kommt. Für Dezember geht sie Hochrechnungen zufolge von 84.000 Kurzarbeitern aus.

          Laut Ifo-Institut konzentriert sich die Kurzarbeit derzeit auf acht Branchen. Am stärksten ist mit einem Anteil von 16 Prozent die Metallerzeugung und -bearbeitung betroffen. Hier wollen in den kommenden drei Monaten sogar 40 Prozent der Unternehmen kurzarbeiten. Eine ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte Konjunkturumfrage in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie ergab, dass sich die Lage immer weiter eintrübt. Die Umfrageergebnisse seien die schlechtesten seit der Wirtschaftskrise im Jahr 2009, teilten die Arbeitgeberverbände mit. Die Pläne für Produktion, Investitionen und Beschäftigung lägen „klar im negativen Bereich“.

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