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Importpreise : Schwacher Euro macht viele Waren teurer

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Die meisten Kaffeebohnen kommen aus Lateinamerika - und werden in Dollar bezahlt. Bild: AFP

Der schwache Euro macht nicht nur den Urlaub in den Vereinigten Staaten teurer, auch viele Importgüter kosten mehr. Dazu gehört Kupfer, aber auch Kaffee und Kakao sowie Industriegüter.

          Vor zwei Wochen kündigte der Kaffeeröster Tchibo seinen Kunden eine Preiserhöhung an. Wegen des hohen Dollarkurses müssten in den Tchibo-Filialen die Kaffeepreise um 20 bis 30 Cent je Pfund steigen, teilte die Geschäftsführung mit. Vor einem Jahr bekam man für einen Euro noch fast 1,40 Dollar, inzwischen nicht einmal mehr 1,06 Dollar. So tief stand der Euro seit mehr als elf Jahren nicht mehr. Die Parität, der Kurs von einem Dollar für einen Euro, rückt in Sichtweite. Das setzt Firmen wie Tchibo, die ihre Rohstoffe in Dollar bezahlen, immer stärker unter Druck - und macht nicht nur Kaffee für deutsche Verbraucher teurer.

          „Wir rechnen damit, dass die Importpreise durch die anhaltende Euro-Schwäche erstmals seit zwei Jahren wieder anziehen werden“, sagt Jens Nagel, Hauptgeschäftsführer der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels in Köln. Im vergangenen Jahr wurden importierte Güter billiger, vor allem Rohöl und Ölprodukte. Selbst ohne Öl gingen die Einfuhrpreise noch um 0,7 Prozent zurück - eine importierte Entlastung des Verbrauchers. Dieser Trend hat sich im Januar bereits gedreht; die Einfuhrpreise ohne Energie waren um 1,3 Prozent höher als vor einem Jahr.

          „Das zieht sich durch die gesamte Palette der Rohstoffe“, sagt Leon Leschus vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). Die Industrie spürt die Verteuerung bei Kupfer, Kautschuk oder Zink, der Verbraucher von allem bei den Agrargütern, die nicht aus dem Euroraum kommen. Das sind neben Kaffee auch Kakao, Getreide und Gewürze. Schon im vergangenen Jahr haben sich Kaffee, Kakao und Tee für den Endverbraucher um mehr als zehn Prozent verteuert, bei insgesamt leicht rückläufigen Preisen für Lebensmittel. Das dürfte sich fortsetzen.

          Das kleine Konjunkturprogramm, das die fallenden Ölpreise für die deutsche Wirtschaft bedeutet hat, läuft damit aus. Auch von den sinkenden Ölpreisen ist bei den Endverbrauchern weniger angekommen, als möglich gewesen wäre.

          Auch Asien gehört zum Dollarraum

          Nicht nur Agrargüter, sondern auch Industrieprodukte könnten sich durch die Währungsveränderungen verteuern. „Zum Dollarraum gehören nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch Asien“, sagt Nagel. Bei Kleidung, Schuhen und Unterhaltungselektronik aus Fernost erwarten die Händler, dass sich die veränderten Währungsverhältnisse erst langsam bei den Preisen für die Endverbraucher bemerkbar machen. Viele Importeure verfügen über Lieferverträge mit längerfristigen Preisfestlegungen oder haben ihren Dollarbedarf über Finanzinstrumente zu besseren Kursen abgesichert. Das hält allerdings nur einige Zeit.

          „Insgesamt erwarten wir, dass die Importpreise ohne Energie mindestens um 2,5 Prozent steigen werden“, meint Nagel. Das ist eine Durchschnittszahl; für einzelne Produkte kann sie deutlich höher liegen. Offen bleibt, wie stark das auf die Endverbraucherpreise durchschlägt. Importleder ist zum Beispiel zuletzt um zwölf Prozent teurer geworden, Schuhe aus dem Dollarraum nur um 6,4 Prozent. Und auch das muss sich nicht unmittelbar im Laden widerspiegeln.

          Die Otto Group, einer der großen deutschen Importeure aus Asien, rechnet nicht mit plötzlichen Preisbewegungen. „Der Wettbewerb ist so hart, dass es nur bedingt Möglichkeiten gibt, die Preise zu erhöhen“, sagt Unternehmenssprecher Thomas Voigt. „Kurzfristig passiert da nichts.“ Mittel- und langfristig müssten die Preise aber steigen. Und genau das will die Europäische Zentralbank mit ihrer Geldpolitik ja auch erreichen.

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