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Schwache Konjunktur : Kaum noch Wachstum im Euroraum

Das Wachstum im Euroraum ist so schwach wie zuletzt in der Eurokrise. Bild: Picture-Alliance

Das Wachstum im Euroraum ist fast zum Erliegen gekommen. Das liegt vor allem an der Industrie, doch im Fall Frankreichs spielen neuerdings noch andere Faktoren eine Rolle.

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          Das hatte kaum jemand erwartet: Die zweitgrößte Volkswirtschaft des Euroraums ist im vierten Quartal 2019 ins Minus gerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt Frankreichs stieg nicht um 0,2 Prozent, wie die meisten Ökonomen erwartet hatten, sondern sank um 0,1 Prozent. Das gab das französische Statistikamt Insee am Freitag nach einer vorläufigen Berechnung bekannt. Doch Frankreich ist kein Einzelfall: Im gesamten Euroraum hat sich das Wachstum zum Jahresende deutlich verlangsamt.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So legte die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal saisonbereinigt nur noch um 0,1 Prozent zu, wie das europäische Statistikbüro Eurostat am Freitag mitteilte. Im dritten Quartal waren es noch 0,3 Prozent gewesen. Für das Gesamtjahr 2019 schlagen 1,2 Prozent zu Buche. Mit Ausnahme der Krisenjahre 2012 und 2013 war es das schlechteste Jahr seit 2009: In den Jahren 2014 bis 2018 erzielte der Euroraum Wachstumsraten von 1,8 bis 2,4 Prozent. 

          Sorgenkind der Währungszone bleibt die drittgrößte Volkswirtschaft Italien, wo die Wachstumsrate im vierten Quartal sogar auf minus 0,3 Prozent fiel. Einzig die Nummer Vier im Euroraum, Spanien, sticht mit einem Plus von 0,5 Prozent hervor. Zahlen für Europas mit Abstand größte Volkswirtschaft Deutschland liegen erst Mitte Februar vor. Doch auch hier ist allenfalls mit einem leichten Zuwachs zu rechnen, nachdem das Statistische Bundesamt in seiner ersten Schnellschätzung für das Gesamtjahr auf ein Plus von 0,6 Prozent gekommen war.

          Nur schwer einzuhalten

          Als Hauptgrund gilt die Schwäche der Industrie, die unter der erlahmten Weltkonjunktur und den Handelskonflikten leidet. Vor allem die Produktion im Automobilsektor hat nachgelassen. Daher haben die Unternehmen ihre Lager abgebaut und es wird weniger investiert. Daneben spielen im Fall von Frankreich Finanzminister Bruno Le Maire zufolge die Streiks gegen die Rentenreform eine wichtige Rolle, denn Bahnen, Häfen und etliche Treibstoffdepots waren zeitweilig blockiert.

          Die Statistiker von Insee messen den Streiks eine Belastung des Wachstums von rund 0,1 Prozentpunkten zu. Im gesamten vergangenen Jahr ist die französische Wirtschaft somit um 1,2 Prozent gewachsen – 0,1 Prozentpunkte weniger als von der Regierung erwartet. Aufgrund der anstehenden Kommunalwahlen im März haben in Frankreich zudem Kommunen die Ausgaben für Bauarbeiten eingeschränkt, und auch die Verbraucherausgaben der Haushalte stiegen nur leicht. 

          Viele Ökonomen glauben, dass die Wachstumsprognose der Regierung von 1,3 Prozent für 2020 schwer einzuhalten ist. Le Maire beteuerte, dass „die Fundamente des französischen Wachstums weiter solide sind“. Noch Ende November hatten Ökonomen der Commerzbank Frankreich in einer Analyse als „neue Lokomotive für die Euro-Wirtschaft“ gehandelt, sowohl mit Verweis auf die ordentliche Wachstumsrate von 0,3 Prozent im dritten Quartal als auch die verbesserte Lage am französischen Arbeitsmarkt.

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