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Schwache Konjunktur im Euroraum : Französische Wirtschaft gleitet in die Rezession ab

  • Aktualisiert am

Frankreich muss mehr reformieren und schneller Bild: AFP

Die Wirtschaftsleistung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Währungsunion vermindert sich weiter. In Deutschland ist sie minimal gewachsen im ersten Quartal: Um 0,1 Prozent.

          Die französische Wirtschaft steckt in der Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt fiel im ersten Quartal um 0,2 Prozent, teilte die Statistikbehörde Insee in Paris mit. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten ein Minus von 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal erwartet. Ende des vergangenen Jahres 2012 war die Wirtschaftsleistung ebenfalls um 0,2 Prozent gesunken. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Experten von Rezession. In Deutschland ist die Wirtschaftsleistung in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 0,1 Prozent

          Die zweitgrößte Volkswirtschaft des Euroraums kann nach Einschätzung der französischen Notenbank nicht mit einer Frühjahrsbelebung rechnen. Sie werde im zweiten Quartal wohl nur ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent schaffen, prognostizierte die Banque de France.

          Parlament beschließt Arbeitsmarktreform

          Die EU-Kommission erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr 2013 erstmals seit dem Jahr 2009 wieder schrumpfen wird - wenn auch mit 0,1 Prozent nur minimal. „Die real verfügbaren Einkommen der Verbraucher schwächeln wegen der steigenden Arbeitslosigkeit und höherer Steuern“, so die EU-Kommission. „Das anhaltend ungünstige Unternehmervertrauen dürfte die Investitionen weiter fallen lassen.“

          Um dagegen etwas zu unternehmen hat das französische Parlament am Dienstag die umstrittene Arbeitsmarktreform abgesegnet. Im Senat votierten 168 Vertreter für das Vorhaben bei drei Gegenstimmen. „Dies ist einer dieser Momente, in denen ein großer Schritt vorwärts gemacht wurde“, lobte Arbeitsminister Michel Sapin die Abstimmung.

          Französische Gewerkschaften und Arbeitgeber hatten sich im Januar nach zähen Verhandlungen auf eine Reform des Arbeitsmarkts verständigt. Die starren Arbeitsmarktregeln sollen noch in diesem Jahr gelockert werden. Seit Herbst vergangenen Jahres liefen die Gespräche.

          Deutsche Wirtschaft entgeht nur knapp der Rezession

          In Deutschland hat die Kauflaune der Verbraucher die Wirtschaft vor einer Rezession bewahrt. Nur dank steigender Konsumausgaben schaffte sie von Januar bis März 2013 ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer Schätzung mitteilte. Dagegen investierten die Unternehmen erneut weniger, während die Bau-Unternehmen unter dem langen Winter und die Exporteure unter der schwachen Weltkonjunktur litten. Ökonomen hatten im Schnitt ein Plus von 0,3 Prozent erwartet. Im Schlussquartal 2012 war die Wirtschaftsleistung mit revidiert 0,7 (zuvor: 0,6) Prozent so stark gesunken wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr. Zwei Minus-Quartale in Folge gelten als Rezession.

          „Bei diesem schwachen Wachstum zu Jahresbeginn spielte allerdings auch die extrem winterliche Witterung eine Rolle“, schrieben die Statistiker. Diese hatte vor allem im Februar und März viele Baustellen lahmgelegt. Wachstumsimpulse kamen „fast ausschließlich von den privaten Haushalten“, die ihre Konsumausgaben angesichts steigender Löhne und einer stabilen Beschäftigung erhöhten. Die Unternehmen investierten dagegen angesichts der Verunsicherung durch die Schuldenkrise erneut weniger. Auch vom Außenhandel gab es kaum Rückenwind, weil sowohl die Exporte als auch die Importe schrumpften.

          Im Vergleich zu anderen Euro-Ländern steht Deutschland aber noch gut da. „Deutschland entwickelt sich besser als der Rest der Eurozone“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Das zweite Quartal dürfte besser ausfallen - auch dank Nachholeffekten. „Allerdings sind die Konjunkturrisiken gestiegen“, ergänzte Krämer und verwies auf das Ifo-Geschäftsklima und den Einkaufsmanager-Index, die zuletzt gesunken sind.

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