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Schuldenschnitt : Die Banker wollen für Griechenland kein Opfer bringen

  • -Aktualisiert am

„Rettungsschirm“ Bild: dpa

Griechenland ist pleite. Das sehen auch die Banken. Doch die Konsequenzen wollen sie nicht tragen. Sie wehren sich gegen einen harten Schuldenschnitt. Dabei wäre das für Deutschland die billigste Lösung.

          Es klang wie eine abgemachte Sache. Der deutsche Finanzminister wagte sich am vergangenen Sonntag aus der Deckung und sagte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Möglicherweise sind wir im Juli von einem zu geringen Prozentsatz der Schuldenreduktion ausgegangen.“ Reichlich verklausuliert drückte er damit aus, dass Griechenland womöglich demnächst einen harten Schuldenschnitt braucht - also eine Pleite. Am Montag darauf legte der luxemburgische Premier Jean- Claude Juncker in einem Fernsehinterview nach: „Ich schließe einen Schuldenschnitt nicht aus“, sagte er - um dann in die Vollen zu gehen. Niemand dürfe denken, dass 50 bis 60 Prozent Schuldenreduktion für Griechenland genügen würden. „Wir reden über mehr.“

          Am Donnerstag wollte dann auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann einen Schuldenschnitt für Griechenland nicht mehr ausschließen. Und aus dem französischen Finanzministerium war ebenfalls zu hören, dass das Land es befürworte, wenn die Banken einen Schuldenschnitt von mehr als den schon beschlossenen 21 Prozent akzeptieren würden. Gleichzeitig diskutierte ganz Europa darüber, die größten privaten Gläubiger der Griechen, die europäischen Banken, zu rekapitalisieren. Hinter den Kulissen arbeiten die Beamten in den Finanzministerien und der EU seit Tagen eifrig, damit der Gipfel der Staats- und Regierungschefs der EU am kommenden Sonntag einiges beschließen kann. Das Ziel: Verhindern, dass eine Insolvenz Griechenlands einzelne Banken in den Abgrund reißt - und damit eine systemische Krise auslöst.

          Es klang wie eine abgemachte Sache. Doch hatte offenbar niemand die Banken davon informiert, die größten Gläubiger des griechischen Staates. Die reagierten prompt. Und zwar mit Empörung. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann warnte am Donnerstag vor „Dominoeffekten“ durch einen harten griechischen Schuldenschnitt. Für diesen Fall benötige man einen gewaltigen Hilfsfonds, um auch andere Länder auffangen und Banken rekapitalisieren zu können. Es werde kaum möglich sein, ein so großes Auffangnetz zu stricken, behauptete er. Und machte gleichzeitig klar: „Die Deutsche Bank wird alles tun, um eine Zwangskapitalisierung zu vermeiden.“

          Warnungen vor der Eskalation

          Es folgten die Bankenverbände. Der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, Andreas Schmitz, warnte vor einer Eskalation: „Die Politik darf uns jetzt nicht den Krieg erklären - sondern lieber mit uns bei Wasser und Brot ins Kloster gehen und arbeiten, bis weißer Rauch aufsteigt und es eine gemeinsame Lösung gibt.“ Der geschäftsführende Direktor des internationalen Bankenverbands IIF, Charles Dallara, ging sogar noch weiter. Er verkündete am Freitag, dass die privaten Gläubiger Griechenlands keine größeren Verluste als die schon beschlossenen 21 Prozent akzeptieren wollten. „Ein Deal ist ein Deal“, sagte er. Zudem könnten jedwede zusätzlichen Verluste für griechische Anleihenbesitzer die Investoren dazu bringen, auch die Anleihen anderer Eurostaaten zu verkaufen und damit den Euro zu destabilisieren.

          Offensichtlich haben es die Politiker etwas zu eilig gehabt. Sie sind öffentlich mit Forderungen nach einem Schuldenschnitt vorgeprescht, ohne sich zuvor mit den Gläubigern zumindest im Grundsatz verständigt zu haben. Nun ist die Chance vertan, den griechischen Schuldenschnitt im Hinterstübchen zu vereinbaren und schnell zu beschließen. Der Streit um die Griechen-Pleite wird jetzt in aller Öffentlichkeit ausgetragen. Und die Fronten zwischen Staat und Banken verhärten sich.

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