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Schuldenschnitt : Die Banker wollen für Griechenland kein Opfer bringen

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Ständige neue Horrorberechnungen

Derweil kursieren ständig neue Horrorberechnungen, wie viel es kosten wird, die Banken gegen die Folgen einer Griechenpleite abzusichern - und gegen die Folgen der Diskussion über die Pleite. Diese führt längst dazu, dass die Staatspapiere anderer Eurostaaten ebenfalls deutlich an Wert verlieren. Lagen die Schätzungen Anfang der Woche noch zwischen 50 und 200 Milliarden Euro an Kapitalbedarf für die Banken, so schnellten sie in den Rechnungen der Banken über die Woche teilweise auf mehr als 300 Milliarden Euro hoch. Angesichts der großen Zahlen stellt sich die Frage, was eigentlich am Ende billiger wird: der Schuldenschnitt mitsamt der Bankenrettung - oder doch die weitere Griechenrettung nach altem Muster?

Die Lage in Griechenland ist miserabel: Das Land hängt am Tropf von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds (IWF). Trotzdem verschuldet es sich stetig weiter - auf Kosten der Retter. Laut den Schätzungen der Troika aus EU, IWF und Europäischer Zentralbank steigen die Schulden des griechischen Staats bis 2012 auf sagenhafte 172 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ein Ende des Schulden-Anhäufens ist nicht abzusehen. Für Griechenland, das ist klar, ist es auf kurze Sicht trotzdem lohnend, weiterhin gerettet zu werden. Denn ein Staatsbankrott ist zwar erlösend und langfristig heilsam für Wirtschaftskraft und Selbstbewusstsein. Er löst aber erst einmal einen Schock im Land aus, der nicht zu unterschätzen ist.

Was ist für Deutschland billiger?

Wie aber müssen die Retter rechnen? Was ist für Deutschland billiger, die weitere Griechen-Rettung oder die harte Umschuldung plus Bankenrettung? Ansgar Belke und Christian Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) haben für die Sonntagszeitung gerechnet. Ihr Ergebnis: Der harte Schuldenschnitt von 60 Prozent für Griechenland ist für die Retter in fast jedem Szenario billiger, als weiterzumachen wie bisher.

Das hat zwei Gründe: Erstens führt der Schuldenschnitt dazu, dass nicht die Staaten allein Griechenlands Lasten tragen, sondern auch die privaten Gläubiger. Zweitens macht ein Schuldenschnitt Griechenland schneller wieder kreditwürdig. Das Land kann früher wieder selbst Geld am Kapitalmarkt aufnehmen und mehr Altkredite tilgen. Das erste Ergebnis der Forscher ist simpel: Müssten wir keine Banken retten, wäre der Schuldenschnitt günstiger, als weiter Hilfen zu vergeben (Szenario 1). Dies gilt selbst dann, wenn es Griechenland trotz des Schuldenschnitts bis 2020 nicht gelingt, an den Kapitalmarkt zurückzukehren (Szenario 4).

Immer heiter weiter?

Was aber passiert, wenn die Bankenrettung noch dazukommt? Im pessimistischen Szenario 2 gehen die Forscher davon aus, dass die Bankenrettung die europäischen Staaten 100 Milliarden Euro kostet, die Deutschen tragen 27 Milliarden Euro. Im optimistischen Szenario 3 gehen die Forscher davon aus, dass die Bankenrettung deutlich günstiger wird. Den Banken gelingt es zudem, sehr viel des benötigten Eigenkapitals selbst zu beschaffen. Deutschland muss nur 10 Milliarden Euro aufbringen.

Ob sich das Ganze für die Deutschen lohnt, hängt davon ab, wie schnell Griechenland durch den Schuldenschnitt wieder kreditwürdig wird. Gelingt dies schon 2012, so ist die Umschuldung in jedem Fall besser, als weiterzumachen wie bisher - egal, wie teuer die Bankenrettung ist. Gelingt dies erst 2015, so sind die Kosten der Bankenrettung entscheidend. Sind sie hoch, ist es billiger, wenn wir weitermachen wie bisher. Sind sie niedrig, so ist der Schuldenschnitt samt Bankenrettung besser.

Was ist nun das wahrscheinlichste Szenario? Blickt man zurück auf die Finanzkrise 2008, so wurden für die Banken anfangs weit höhere Rettungssummen diskutiert, als schließlich anfielen. Es spricht also einiges für die günstigere Bankenrettung. Zudem kehrten Pleite-Staaten in der Geschichte im Schnitt fünf Jahre nach der Insolvenz zurück an den Kapitalmarkt. Damit ist Szenario 3 mit langsamer Erholung das wahrscheinlichste Umschuldungsszenario - und es ist immerhin 3,1 Milliarden Euro billiger, als weiterzumachen wie bisher.

Holen wir die Bazooka?

Das Wort darf derzeit in keiner Diskussion über Europa fehlen. Was machen wir, wenn die Banken nicht freiwillig mehr Kapital aufnehmen? „Dann holen wir die Bazooka raus“, sagen Politiker gern. Gemeint mit diesem Bild ist weder das Musikinstrument gleichen Namens, das der Radio-Comedian Bob Burns in den zwanziger Jahren entwickelt hat. Noch die Bazooka-Kaugummis, denen Comics mit einer Hauptperson namens „Bazooka Joe“ (nicht zu verwechseln mit dem Chef der Deutschen Bank) beiliegen.

Nein, die Bazooka, um die es hier geht, ist eine Art schlagkräftige Panzerfaust, die Amerika erstmals im Zweiten Weltkrieg bei der Landung in Nordafrika eingesetzt hat. Amerikas Finanzminister Hank Paulson wandte das Bild 2008 auf die Finanzmärkte an, als er sich weitreichende Vollmachten vom Kongress für die Verstaatlichung der Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae erbat. Seine These: „Wenn man eine Wasserpistole in der Tasche hat, kann man irgendwann gezwungen sein, diese auch zu ziehen. Wenn man eine Bazooka hat, und die Leute wissen es, muss man sie vielleicht gar nicht auspacken.“

Solcherlei Hoffnung trog schon damals - und dürfte heute wieder trügen. Zwei Monate nach seiner Äußerung musste Paulson umschwenken und die Immobilienfinanzierer unter staatliche Kuratel stellen. (sibi.)

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