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Schuldenkrise : Wie griechisch ist Amerika?

Die Währung macht den Unterschied: Die Fed kann mit Hilfe der Notenpresse die Schulden abwerten Bild: REUTERS

Bis vorige Woche bewertete die Ratingagentur Standard & Poor's die Anleihen der Vereinigten Staaten mit der Bestnote „AAA“. Gerät das Land der Stars'n Stripes jetzt in eine ähnlichen Lage wie das Land der verfallenen Tempel und Säulen?

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          Der vergangene Montag könnte in die Geschichtsbücher eingehen: Als der Tag, an dem eine der großen Gewissheiten der Weltwirtschaft ins Wanken geriet. Stolze 70 Jahre lang, seit 1941, hatte die Ratingagentur Standard & Poor’s die Anleihen der Vereinigten Staaten von Amerika durchgehend mit der Bestnote „AAA“ bewertet.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jetzt senkte die Agentur ihren Ausblick auf „negativ“: Mit einer Wahrscheinlichkeit von immerhin einem Drittel droht Amerika die gute Note zu verlieren – und damit seinen Ruf als guter Schuldner. Rund um den Globus brachen daraufhin die Aktienkurse ein – im Gegenzug stieg der Preis von Gold. Die Botschaft war klar: Die Börsenwelt zittert um Amerika.

          Parallelen zu Griechenland

          Die große Frage jetzt ist: Ergreift die Staatsschuldenkrise, die seit mehr als einem Jahr an den Rändern Europas wütet, nun auch die größte Volkswirtschaft der Welt? Ergeht es den Amerikanern wie den Griechen? Gerät das stolze Land der Stars’n Stripes und der Marines womöglich bald in eine ähnlichen Lage wie das Land der verfallenen Tempel und Säulen? Und wenn ja: Wer sollte, wollte und könnte in einem solchen Fall dieses riesige Land retten? Sicher ist: Es gibt Parallelen zwischen Amerika und Griechenland. Der amerikanische Ökonom Barry Eichengreen sagt: „Anders als in Portugal und in Irland ist die Krise der Staatsschulden in Griechenland und Amerika nicht die Folge einer teuren Bankenrettung.“ Sie hänge vielmehr mit „chronisch zu hohen Staatsausgaben“ bei „chronisch zu niedrigen Steuereinnahmen“ zusammen: Beide Staaten haben über ihre Verhältnisse gelebt.

          Zugleich aber geht es jenseits des Atlantiks um ganz andere Summen als in der ägäischen Provinz. Mehr als 15 Billionen Dollar Schulden haben die Amerikaner angehäuft – eine Zahl mit immerhin zwölf Nullen. Das ist mehr als das 30-Fache der griechischen Schuldenlast. Und sogar mehr, als alle Euro-Staaten zusammen sich geliehen haben (siehe Grafik). Schon vor drei Jahren mussten die Amerikaner eine fünf mal zehn Meter große Schuldenuhr umbauen, die in New York in der Nähe des Times Square hängt: Ihre Ziffern reichten nicht mehr, als Amerikas Schulden auf einen zweistelligen Billionen-Betrag stiegen.

          Die „Versuchung Amerikas“

          Bislang mussten die Amerikaner trotz dieser riesigen Verschuldung kaum höhere Zinsen zahlen. Die „Versuchung Amerikas“ nennt das die deutsche Wirtschaftsweise Beatrice Weder Di Mauro: Weil der Dollar nicht nur Amerikas Geld ist, sondern auch die Reservewährung vieler Länder, reagieren die Zinsen für amerikanische Staatsanleihen traditionell weniger stark auf eine hohe Staatsverschuldung als die anderer Länder. Immerhin aber stieg die Rendite für zehnjährige amerikanische Staatsanleihen seit dem vorigen Herbst schon von 2,4 auf rund 3,4 Prozent. Das ist noch weit weniger als jene gut sieben Prozent, die Griechenland zahlen musste, bevor das Rettungspaket der Euro-Länder aufgelegt wurde. Aber es wird spürbar mehr.

          Noch leugnen die Amerikaner, in ernsten Schwierigkeiten zu sein. „Wir kommen bei der Bewältigung der Probleme voran“, war der Standardsatz von Finanzminister Timothy Geithner in der vergangenen Woche. Ein Satz allerdings, der einem gefährlich bekannt vorkommt – von den Griechen. Und die stehen jetzt vor einer Umschuldung – allen Dementis zum Trotz.

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