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Schuldenkrise : Tiefschlag für Italien

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Italien gerät mit der Herabstufung immer stärker in den Sog der Krise Bild: dpa

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Bonitätsnote Italiens um eine Stufe gesenkt. Die zuletzt verabschiedeten Reformen reichten nicht aus. Ministerpräsident Berlusconi ist empört.

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          Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat überraschend die Kreditwürdigkeit des Landes von „A+“ auf „A“ herabgestuft. Und es könnte weiter runter gehen: Der Ausblick sei „negativ“, teilte S&P am späten Montag in London mit. Italienische Staatsanleihen werden damit gerade noch als „prinzipiell sichere Anlage“ bewertet.

          „Die Herabstufung spiegelt unsere Meinung nach die schlechter werdenden Wachstumsaussichten für Italiens Wirtschaft wider“, begründete S&P den Schritt. Die zuletzt verabschiedeten Reformen reichten nicht aus, um gegenzusteuern. Der Regierung bescheinigte S&P eine mangelnde Handlungsfähigkeit.

          Wegen der Herabstufung drohen Italien nun höhere Zinsen bei der Aufnahme neuer Kredite. Denn je schlechter die Kreditwürdigkeit, desto größer erscheint das Risiko, dass der Gläubiger sein Geld nicht wiedersieht. Dieses Risiko lässt sich der Geldgeber durch höhere Zinsen bezahlen. Eine fünfjährige Versicherung gegen den Ausfall der Anleihen (Credit Default Swap) verteuerte sich am Dienstag um 27 auf 515 Basispunkte. Auch eine Absicherung gegen eine Pleite Portugals verteuerte sich deutlich.

          Silvio Berlusconi kann die Herabstufung Italiens nicht nachvollziehen

          Berlusconi zeigt Unverständnis

          Ministerpräsident Silvio Berlusconi warf der Ratingagentur daraufhin Realitätsverlust vor und unterstellte ihr politische Motive. „Die Regierung hat stets das Vertrauen des Parlaments bekommen und so Stabilität bewiesen“, wehrte sich die konservative Regierung am Dienstagmorgen in einer Mitteilung.

          Die EU-Kommission hob unterdessen den Sparwillen der Regierung in Rom hervor. „Italien handelt, um die gesamtstaatliche Verschuldung zu senken“, sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn am Dienstag in Brüssel. Italien werde seine mit den EU-Partnern vereinbarten Sparziele erreichen, sagte der Sprecher.

          Euro unter Druck

          Die Abstufung der Kreditwürdigkeit Italiens sei eine weitere negative Nachricht zum ohnehin von schlechten Nachrichten gebeutelten Europa, sagte Analyst Ben Potter von IG Markets. Händler sprachen von einer Überraschung, da das Rating von S&P ohnehin schon unter dem vom Konkurrenten Moody's gelegen habe. Als Reaktion auf die Abstufung Italiens rutschte der Euro am Dienstag deutlich ab. Zeitweise kostete er weniger als 1,36 Dollar. Zuletzt notierte die europäische Gemeinschaftswährung wieder etwas über dieser Marke.

          Erst am Freitag hatte auch die Ratingagentur Moody's damit gedroht, Italien trotz der zuletzt verabschiedeten Sparpakete herabzustufen. Moody's bewertet Italien in seinem eigenen Rating-System mit „Aa2“ - und damit merklich besser als S&P. Hier fällt voraussichtlich im nächsten Monat die Entscheidung. Italien hat nach Griechenland den zweithöchsten Schuldenstand im Euroraum. Um dem entgegenzuwirken, hatte das Land zuletzt zwei Sparpakete im Volumen von mehr als 100 Milliarden Euro verabschiedet.

          Hoher Schuldenberg und niedriges Wirtschaftswachstum

          Ohnehin wird das Schuldenmachen für Italien immer teurer: Das Land hatte sich in der vergangenen Woche am Kapitalmarkt nur zu höheren Zinsen als zuvor refinanzieren können. Bei einer Versteigerung von Anleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren war die Rendite deutlich gestiegen - auf inzwischen 5,6 Prozent. Italien leidet auch unter einem niedrigen Wirtschaftswachstum. Die OECD hatte in ihren jüngsten Prognose für das laufende Jahr Stagnation erwartet. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte seine Erwartungen für 2012 von 0,7 auf 0,5 Prozent.

          Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Das Land ächzt unter einem Schuldenberg von 1,9 Billionen Euro. Es steht mit 120 Prozent seiner Wirtschaftsleistung in der Kreide.

          Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht weiterhin Griechenland. Der Euro-Schuldensünder braucht dringend neue Finanzspritzen der Geldgeber EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (EZB). Sollte diese sogenannte Troika der Regierung in Athen nicht die erforderlichen Reformfortschritte bescheinigen, ist die nächste milliardenschwere Hilfstranche in Gefahr - und dem Land droht die Staatspleite. Die Gespräche mit den Troika-Experten sollen an diesem Dienstag fortgesetzt werden. Ein Vertreter des griechischen Finanzministeriums äußerte sich zuversichtlich, dass es dann zu einem Durchbruch kommt. Die Regierung werde voraussichtlich am Mittwoch zu einer Kabinettssitzung zusammenkommen und danach eine Erklärung abgeben.

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