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Schuldenkrise : Spanien bekommt jeden Freitag eine neue Reform

Jede Woche ein Anlass zum Demonstrieren. Bild: dapd

Spaniens Regierung will ihr Land schneller sanieren. Auch eine Bad Bank ist im Gespräch. Doch zuerst testen die Finanzmärkte das Land.

          Die spanische Regierung hat angekündigt, im Kampf gegen die Wirtschaftskrise das Reformtempo zu beschleunigen. „Die Regierung wird an jedem Freitag neue Reformen beschließen“, sagte Premierminister Mariano Rajoy auf einem Parteitag. Schon für diesen Freitag sei eine „bedeutende Reform“ zu erwarten. Die stellvertretende Premierministerin Soraya Sáenz de Santamaría ergänzte, die Regierung bereite Privatisierungen in der Verkehrsbranche vor und arbeite an einer Reform des Bankensystems.

          Die Ratingagentur Standard & Poor‘s hatte am Montag die Bonitätsnoten von elf spanischen Banken herabgestuft, darunter auch die Ratings der Großbanken Banco Santander („A-“) und BBVA („BBB+“). Dies sei eine Folge der vorangegangenen Herabstufung der Bonität Spaniens, teilte die Agentur mit.

          Renditeentwicklung spanischer Staatsanleihen Bilderstrecke

          Nach Berichten aus Madrid erwägt die Regierung die Ausgliederung schlechter Immobilienkredite aus den Bilanzen der spanischen Banken und die Gründung einer neuen Institution („Bad Bank“), in die diese Kredite eingebracht werden sollen. Dies wurde von Wirtschaftsminister Luis de Guindos bestätigt.

          Für viele in den Jahren des Immobilienbooms gebauten Objekte gibt es derzeit keine Nachfrage und daher keine verlässliche Marktbewertung. Dies wiederum erschwert es, die zur Finanzierung der Immobilienobjekte ausgegebenen Kredite sachkundig zu bewerten. Daher kursiert seit geraumer Zeit eine Vielzahl von Schätzungen über den Wert dieser Kredite, die ihrerseits die Bewertung der spanischen Banken erschweren.

          Am Donnerstag testen die Finanzmärkte das Land

          Die Ausgliederung der Immobilienkredite wäre eine gute Nachricht für die spanischen Banken, die sich in diesem Falle auch einfacher bewerten ließen, heißt es in einer Untersuchung der Investmentbank Goldman Sachs. Allerdings erscheint derzeit unklar, wie die Gesellschaft zur Aufnahme der Immobilienkredite beschaffen sein würde, wer ihre Refinanzierung garantiert und wer die aus der Abwicklung der Kredite möglicherweise entstehenden Verluste tragen wird.

          Am Donnerstag muss sich Spanien dem nächsten Test an den Finanzmärkten unterziehen. Dann will das Finanzministerium drei- und fünfjährige Staatsanleihen im Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro versteigern. Jede Auktion stelle eine Belastung dar, hieß es am Dienstag in einem Marktkommentar der niederländischen Großbank ING. Positiv sei zu vermerken, dass Spanien bereits rund die Hälfte seines voraussichtlichen Kapitalbedarfs für 2012 aufgenommen habe. Außerdem habe das Finanzministerium zum 30. April an die Anleger 17 Milliarden Euro aus Tilgungen und Kupons ausgezahlt.

          Negativ ist aus Sicht von Investoren vor allem der düstere wirtschaftliche Ausblick einzuschätzen. Spanien befindet sich nach zwei Quartalen mit rückläufiger Wirtschaftsleistung in einer Rezession, die sich nach einer Prognose der französischen Großbank BNP Paribas noch vertiefen dürfte. Sie erwartet für das Gesamtjahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,9 Prozent. Im ersten Quartal 2012 fiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,3 Prozent. Die Arbeitslosenquote hat mit 24,4 Prozent ihren höchsten Stand seit dem Jahr 1994 erreicht.

          Als Folge der schlechten wirtschaftlichen Aussichten befindet sich der spanische Aktienmarkt seit Anfang 2010 in einer Baisse. Alleine im bisherigen Jahresverlauf hat der Ibex-Aktienindex für 35 führende Werte rund 15 Prozent verloren. Am Anleihemarkt sind die Renditen für spanische Staatspapiere in den vergangenen Wochen gestiegen. Die zweijährige Staatsanleihe rentiert mit 3,27 Prozent, die zehnjährige mit 5,75 Prozent. Ausländer stehen eher auf die Verkäuferseite. So hat die britische Lloyds Bank im ersten Quartal ihre Bestände an Staatsanleihen aus Südeuropa und Irland um 6,6 Prozent auf 23 Milliarden Pfund reduziert.

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