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Schuldenkrise : Griechenland fehlt eine eigene Industrie

Im Hafen von Piräus: Die Schifffahrt trägt rund 20 Prozent des griechischen Inlandsprodukts bei Bild: AP

Der größte Wert an der Athener Börse ist ein Getränkeabfüller. Nennenswerte Industriewerte gibt es kaum. Das erschwert es Griechenland, die Wirtschaft durch Exporte zu stärken.

          Zum Beispiel General Electric. Das amerikanische Technologieunternehmen hat momentan über dreihunderttausend Mitarbeiter und vertreibt von Kraftwerkstechnik bis zu Glühlampen eine breite Produktpalette überall auf der Welt. Vorstandschef Jeffrey Immelt ist weltbekannt, sein Vorgänger Jack Welch legendär. Die Anteilsscheine des Unternehmens sind zu aktuellen Börsenpreisen und Wechselkursen ungefähr 158 Milliarden Euro wert.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Zum Beispiel Siemens. Der in München ansässige Konzern beschäftigt etwa vierhunderttausend Mitarbeiter auf der ganzen Welt und verdient Geld, indem er im Auftrag von Regierungen Infrastrukturprojekte in die Tat umsetzt. Siemens-Chef Peter Löscher vertrat die deutsche Wirtschaft beispielsweise auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen. Wer momentan Siemens kaufen will, müsste dafür mehr als 66 Milliarden Euro bieten.

          Zum Beispiel Coca Cola Hellenic Bottling. Das griechische Unternehmen ist der weltweit zweitgrößte Abfüller und Vertreiber des in seinem Namen steckenden Limonadengetränks. Sein aktueller Marktwert beträgt allerdings nur rund 7 Milliarden Euro, die Mitarbeiterzahl liegt bei 42.000. In einer Beziehung aber gehört das Unternehmen doch in eine Reihe mit den beiden vorherigen Namen: Coca Cola Hellenic Bottling ist der wichtigste börsengehandelte Industriewert seines Landes.

          Kaum Industriewerte an der Athener Börse: Das produzierende Gewerbe Griechenlands liegt oft in Familienhand Hand - und ist klein

          Niemand, der exportgetriebenes Geld ins Land fließen lassen könnte

          Tatsächlich ist an der Börse in Athen momentan sogar kein einziges Unternehmen mehr wert als Coca Cola Hellenic Bottling. Das verdeutlicht sehr plakativ das Ausmaß der Misere, in die sich das südeuropäische Land gebracht hat. Und auch, welche Auswege ihm faktisch nicht zur Verfügung stehen. „Griechenland hat schlicht und einfach keine bedeutende Industrie“, sagt Martin Knapp, der Geschäftsführer der deutsch-griechischen Handelskammer in Athen.

          In Griechenland gibt es keine großen Maschinenbauer. Keine großen Autohersteller wie Daimler, BMW oder Volkswagen. Also niemanden, der selbst durch sinkende Produktionskosten auf die Schnelle substantiell mehr exportgetriebenes Geld in das Land fließen lassen könnte. Niemanden also, auf den Griechenland bauen kann, wenn seine Banken bankrott gingen. Das ist die Gefahr.

          Im Extremfall von einem auf den anderen Tag insolvent

          Die vier größten griechischen Geschäftsbanken haben Schuldtitel ihres Heimatlandes in ihren Bilanzen in Höhe von 40 Milliarden Euro, weisen demgegenüber aber nur ein Eigenkapital von 25 Milliarden Euro aus. Wenn die Regierung verkündete, die ausstehenden Staatsschulden nicht oder nur teilweise zu tilgen, wären sie im Extremfall vom einen auf den anderen Tag insolvent.

          An der Börse machte sich diese Furcht bereits deutlich bemerkbar. Die National Bank of Greece etwa war lange Zeit der mit einigem Abstand größte Börsenwert des Landes; ihr Aktienkurs ermäßigte jedoch jüngst so stark, dass der neue Spitzenreiter Coca Cola Hellenic Bottling heißt. Dieses Unternehmen ist übrigens bisher von der Finanz- und Wirtschaftskrise vergleichsweise verschont geblieben. Unternehmenschef Doros Constantinou gab unlängst bekannt, dass sein Unternehmen im ersten Quartal des laufenden Jahres 25,4 Millionen Euro verdiente, verglichen mit 7,7 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

          Den zweitgrößten Börsenwert hat ein Sportwettenanbieter

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