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Schuldenkrise : Euro-Zentralbank dementiert Drohung an Zypern

  • Aktualisiert am

EZB-Direktor Jörg Asmussen war zuvor Staatssekretär von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Bild: dpa

Die EZB weist Berichte zurück, nach denen der deutsche Notenbanker Jörg Asmussen Zypern gedroht habe, das Hilfsprogramm abzubrechen. Und der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnt vor einem Schuldenschnitt in Griechenland.

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          Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Zypern nicht damit gedroht, das Hilfsprogramm abzubrechen, sollte die Insel weiter auf Änderungen beharren. Die Notenbank weist in einer Stellungsnahme zuvor in Umlauf gewesen Zeitungsberichte zurück, in denen das behauptet wurde. Der deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen habe gewarnt, die Hilfen einzustellen, sollte das Euroland weiterhin auf Änderungen pochen, berichtete die „Welt“. Die EZB ist neben der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) Teil der sogenannten Troika und überwacht die Auflagen und Reformfortschritte Zyperns und der anderen Programmländer.

          Die Bundesregierung hatte bereits Mitte Juni kritisch auf einen Vorstoß des zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades reagiert, der um Entgegenkommen gebeten hatte. Der Inselstaat bekommt vom IWF und den Euro-Partnern zehn Milliarden Euro unter der Voraussetzung, dass das Land erhebliche Sparanstrengungen und Reformen unternimmt. Ohne das Geld droht Zypern die Staatspleite. Eine Stellungsnahme Asmussens war zunächst nicht erhältlich.

          Unterdessen hat der Wirtschaftswissenschaftler Peter Bofinger, der auch Mitglied des Sachverständigenrates ist, vor schweren Folgen eines Schuldenschnitts für Griechenland, Portugal oder andere Euroländer gemahnt. „Ein großer Schuldenschnitt hat das Potenzial, die ganze Währungsunion in die Luft zu sprengen“, sagte er der „Berliner Zeitung“. In einem solchen Fall kämen auf die Gläubiger massive Verluste zu. „Europäische Banken halten Forderungen an Euro-Staaten über drei Billionen Euro.“ Aus Furcht vor Verlusten käme es zu einer massiven Kapitalflucht.

          Als Alternative dazu schlug der Wirtschaftsweise vor, Euro-Bonds - also gemeinschaftliche Anleihen der Euro-Länder - aufzulegen. Das lehnt die Bundesregierung jedoch ab. Sie befürchtet, dass dadurch der Reformeifer in den Krisenländern erlahmen könnte. Befürworter argumentieren dagegen, durch Euro-Bonds würde der Druck auf die Länder geringer sein und sie könnten sich günstiger refinanzieren. Zudem könnte die Europäische Zentralbank massiv Anleihen der Krisenländer aufkaufen und so die Zinsen drücken, so Bofinger. Ein weiteres Instrument zur Schuldensenkung sieht er in einer einmaligen Vermögensabgabe in Südeuropa. „Alles das ist besser als ein Schuldenschnitt.“

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