https://www.faz.net/-gqe-72w4h

Schuldenkrise : Euro-Sorgenländer erholen sich langsam

Die Lage in einigen Euro-Krisenländern wird langsam besser - Griechenland kommt allerdings weiter nur langsam voran Bild: dpa

Seit Ausbruch der Krise haben Irland, Spanien und Portugal ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert. Griechenland kommt nur schwer voran. Italien bemüht sich um Reformen, doch vieles bleibt Stückwerk.

          Weiterhin quält sich die Euro-Peripherie mit tiefen Rezessionen, hoher Arbeitslosigkeit, sinkenden Einkommen und steigenden Schuldenlasten. Doch ökonomische Indikatoren belegen, dass einige der Krisenländer, allen voran Irland, aber auch Spanien und Portugal, ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessert haben. Das zeigt sich an sinkenden Lohnstückkosten und besseren Leistungsbilanzen dieser Länder.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          In den Jahren nach Beginn der Währungsunion erlebte die Euro-Peripherie zunächst einen künstlichen Boom, befeuert durch billige Kredite, infolge dessen auch die Löhne weit schneller als die Produktivität stiegen. In Irland und Griechenland erhöhten sich dadurch die Lohnstückkosten bis 2009 um fast 40 Prozent, in Spanien und Italien um mehr als 30 Prozent, in Portugal um gut 25 Prozent. Im Euro-Durchschnitt stiegen die Lohnstückkosten dadurch um gut 20 Prozent, in Deutschland dagegen nur um rund 6 Prozent. Die Folge waren ein drastischer Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit der Peripherie und ein rapider Einbruch, nachdem die Blase geplatzt war. Seitdem mussten die Randländer das Ruder herumreißen - mit unterschiedlichem Erfolg.

          Vor allem in Irland gute Fortschritte

          „Irland hat, gemessen an den Lohnstückkosten, seit 2009 rund 90 Prozent des Verlusts der preislichen Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Euroraum-Durchschnitt wettgemacht“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. „Spanien und Portugal haben mehr als die Hälfte zurückgewonnen, und dieser Aufholprozess solle in diesen Ländern weitergehen, weil sie ihren Lohnfindungsprozess dezentralisiert haben.“ Nur in Italien seien die Lohnstückkosten seit dem Höhepunkt mehr oder weniger unverändert geblieben, kritisiert Krämer. „Das Land hat nichts an Wettbewerbsfähigkeit zurückgewonnen, dabei dürfte es wohl bleiben, weil die Monti-Regierung den Bereich der Lohnfindung nicht reformiert hat.“

          Skeptiker wie Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn halten die Produktionskostenniveaus der südeuropäischen Euroländer noch immer für viel zu hoch. Griechenland müsste nochmals um etwa 30 Prozent real abwerten, um mit seinen Produkten auf dem Weltmarkt preislich wettbewerbsfähig zu werden. Zudem weisen Skeptiker darauf hin, dass die durchschnittlichen Lohnstückkosten durch die massenhaften Entlassungen statistisch verzerrt werden: In Spanien etwa haben mehr als 600000 Bauarbeiter, darunter viele ungelernte, ihre Jobs verloren.

          Diese wenig produktiven Arbeitskräfte fallen aus der Statistik. Von „Entlassungsproduktivität“ sprechen Ökonomen. „Die Fortschritte bei der Korrektur der Lohnstückkosten kommen zu einem guten Teil von Produktivitätssteigerungen aufgrund von Entlassungen und dem notwendigen Strukturwandel“, sagte Andreas Rees, Deutschland-Chefvolkswirt der Bank Unicredit. Er sieht insgesamt gute Fortschritte, vor allem in Irland, aber auch in Griechenland und Spanien.

          Griechenland lebt weiter über seine Verhältnisse

          Auf dem Höhepunkt der Blase hatten die Peripheriestaaten gigantische Leistungsbilanzdefizite. Ihr Import lag weit über dem Export von Waren und Dienstleistungen. Griechenland hatte 2007 ein Leistungsbilanzdefizit von unglaublichen 14,6 Prozent des BIP, Spanien rund 10 Prozent und Portugal fast 11 Prozent, Irland immerhin fast 6 Prozent. Seitdem hat vor allem Irland seine Leistungsbilanz drastisch verbessert und konnte 2010 und 2011 sogar Überschüsse ausweisen. In Griechenland hingegen ist die Korrektur nur schwach, das Land lebt weiterhin weit über seine Verhältnisse, finanziert durch die Hilfskredite. Im vergangenen Jahr hatte Griechenland immer noch fast 10 Prozent Defizit, Spaniens Defizit hatte sich seit dem Höhepunkt auf 3,5 Prozent gedrittelt, Portugals auf 6 Prozent halbiert

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Undatierte Aufnahme der „Stena Impero“

          Straße von Hormus : Iran stoppt Öltanker im Persischen Golf

          Die Lage im Persischen Golf spitzt sich zu. Nach eigenen Angaben setzt Iran einen britischen Öltanker in der Straße von Hormus fest. Ein zweites aufgebrachtes Schiff ist mittlerweile wieder freigegeben.

          Transfer-Offensive : Borussia Dortmund hat ein großes Problem

          Der BVB beeindruckt mit seinen starken Neuzugängen. Doch die Offensive auf dem Transfermarkt hat auch ihre Schattenseiten. Der Kader ist nun viel zu üppig besetzt. Auf der Streichliste stehen prominente Namen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.