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Schuldenkrise : Die Suche nach Europas „Zombiebanken“ beginnt

In einem ersten Schritt machen die EZB-Fachleute, stets in enger Kooperation mit nationalen Bankenaufsehern, eine Risikoanalyse. Dabei werden die jeweils riskantesten Anlageklassen und Portfolios herausgesucht. In Deutschland haben die EZB-Fachleute offenbar besonders Pakete von Schiffskrediten im Auge, schließlich gehören die HSH Nordbank mit 27 Milliarden sowie Nord LB und Commerzbank mit jeweils 18 Milliarden Euro zu den größten Finanziers der in einer schweren Krise steckenden Reeder. Doch obwohl nach Schätzungen mindestens 25 Prozent der Schiffskredite als ausfallgefährdet gelten müssen, wehren sich die Banken wie schon zu Beginn der Finanzkrise dagegen, dass für wenig gehandelte Kreditpapiere Marktpreise angesetzt werden. Selbst Hans-Dieter Brenner, der Vorstandsvorsitzende der gut dastehenden Helaba, warnt vor einer „Quelle von Instabilitäten“ und mahnt: „Ein Abstellen der Bewertung auf Notverkäufe ist der falsche Ansatz.“ Auch die derzeit in Deutschland in Fülle vergebenen Bankkredite für Windkraftparks könnten später ein Risiko darstellen und stehen deshalb wohl mit im Zentrum der Risikoprüfung. In anderen Ländern, besonders in Südeuropa, werden die Prüfer die riesigen Bestände an Immobilienkrediten genau unter die Lupe nehmen. Bei der Risikobewertung werden auch allgemeine Faktoren, etwa die Refinanzierungs- und Liquiditätsrisiken ins Kalkül gezogen.

Im zweiten Schritt, der eigentlichen Bilanzüberprüfung (Asset Quality Review), werden einzelne Posten in den Büchern der Banken angeschaut und ihr Wert taxiert. Das kann nur stichprobenartig geschehen, denn bei einer großen Bank wären sonst Hunderttausende Einzelposten zu bewerten. Unterstützt werden die EZB-Aufseher von externen Fachleuten, etwa von der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman, die schon in den spanischen Banken im vergangenen Jahr das Ausmaß der faulen Kredite geschätzt haben. Kritik gab es im EU-Parlament daran, dass Oliver Wyman zuvor einige Banken bei ihren internen Risikomodellen beraten habe - ein klarer Interessenkonflikt mit dem EZB-Auftrag liege deshalb vor.

Der Teufel liegt auch im Detail. Mersch betont, dass erst einmal einheitliche Regeln und Definitionen für die Bewertung angewandt werden müssen. Diese Regeln soll die in London ansässige Aufsichtsbehörde EBA formulieren. Beispielsweise muss geklärt werden, wann ein Kredit als „notleidend“ eingestuft wird. In manchen Ländern gilt ein Kredit als faul, wenn der Schuldner mit seinen Zahlungen drei Monate in Verzug ist; in anderen Ländern ist die Frist aber sechs Monate. In Italien, erklärt Mersch, werde ein Kredit als notleidend eingestuft, wenn die Bank dem Schuldner die Konditionen lockert. In Deutschland gelte ein solcher Kredit noch nicht als faul. In einem Monat soll die EBA dafür einheitliche Definitionen veröffentlichen, hofft die EZB. Nur dann sei ein „gleiches Spielfeld“ möglich.

Im dritten Teil der großen Prüfung, der parallel zur Bilanzanalyse im ersten Halbjahr 2014 stattfindet, macht die EBA einen Stresstest. Sie unterstellt dabei, dass es in Europa zu einer neuerlichen Wirtschaftskrise kommt, und schätzt, in welcher Höhe die Banken Verluste und Abschreibungen erleiden würden.

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