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Schuldenkrise : Der ESM wächst und wächst

Hausherr: Klaus Regling vor der EFSF-Zentrale in Luxemburg Bild: Röth, Frank

Am 8. Oktober soll der permanente Krisenfonds an den Start gehen. Der Übergang vom Provisorium EFSF soll geräuschlos verlaufen. Dafür sorgt der Chef Klaus Regling.

          4 Min.

          Mit zwölf Mitarbeitern hat Klaus Regling im Sommer 2010 angefangen. Der „provisorische“ Krisenfonds, den er im Auftrag der Eurogruppe aufbauen sollte, wurde in der Öffentlichkeit „Rettungsschirm“ genannt und hatte den anstrengenden Namen „Europäische Finanzstabilisierungsfazilität“ (EFSF). Nach drei Jahren sollte der Fonds wieder verschwinden, Regling sollte sich selbst überflüssig machen.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Es ist anders gekommen. Aus der provisorischen EFSF wird nun der permanente „Europäische Stabilitätsmechanismus“ (ESM), aus der Zweckgesellschaft nach Luxemburger Recht eine internationale Organisation. Am 8. Oktober werden die Eurofinanzminister in Luxemburg die Gründungsdokumente des Dauerfonds unterzeichnen. Im Tagesgeschäft soll sich der Übergang möglichst gar nicht bemerkbar machen - schon weil der neue Chef der alte ist. Für Regling, den in vielen öffentlichen und privaten Ämtern gestählten Finanz- und Krisenmanager, endet eine längere Zeit der Ungewissheit. Zunächst stritten die Europolitiker über das Für und Wider eines dauerhaften Fonds. Dann konnten sie sich lange nicht einigen, ob der Deutsche, der am 3. Oktober 62 Jahre alt wird, auch den ESM leiten sollte. Schließlich wurde der ESM-Start zur Hängepartie, weil sich das Bundesverfassungsgericht für seine Eilentscheidung über den Fonds bis September Zeit nahm.

          Nervöse Investoren gibt es immer

          Gewachsen ist der Fonds dennoch stetig - aus zwölf sind mittlerweile rund 60 Mitarbeiter geworden. Im ESM sollen es bis zum Jahresende 75 werden, bis Mitte 2013 sogar 100. Er brauche drei Kategorien von Personal, sagt Regling im Gespräch: Fachleute für Makroökonomik und Finanzpolitik, Experten mit Erfahrung als Börsenhändler und Verwaltungspersonal. Sollte der Krisenfonds wie geplant irgendwann auch angeschlagene Banken direkt rekapitalisieren (und damit Miteigentümer der Institute werden), käme eine neue Kategorie hinzu. Regling bräuchte dann auch Bankmanager und Fachleute im jeweiligen nationalen Banken- und Kapitalmarktrecht. Auf der EFSF-Website sind derzeit 18 Stellen offen, hinzu kommt ein Fellowship-Programm, das Fachleuten von außen eine temporäre Beschäftigung am ESM ermöglichen soll.

          Gespräche mit den potentiellen Investoren - vor allem Staatsfonds, Pensionsfonds, Versicherungen - und den Ratingagenturen wird Regling auch künftig regelmäßig führen. „Aber mittlerweile sind unsere Anleihen ein eingeführtes Produkt, von dem die Investoren wissen, dass es eine vernünftige Rendite bietet. Anfangs musste ich immer erklären, wer und was wir sind. Das wissen die Anleger mittlerweile.“ Nervös seien die Investoren in den vergangenen beiden Jahren immer geworden, wenn die politische Großwetterlage schwierig geworden sei. Besonders heikel sei es vor einem knappen Jahr geworden, als der damalige griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou ein Referendum angekündigt und damit Zweifel am Verbleib seines Landes im Euroraum geweckt hatte. Danach habe selbst der deutsche Staat kurzfristig Refinanzierungsprobleme gehabt.

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