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Schuldenkrise : Ackermann berät griechische Regierung

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Die griechische Regierung wird in ihrer Schuldenkrise vom Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank beraten. Ackermann ist nach Athen gereist, um dort mit Regierungsvertretern zu sprechen.

          Die griechische Regierung wird in ihrer Schuldenkrise vom Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann, beraten. Ein Sprecher der Bank teilte mit, dass Ackermann am Freitag nach Athen gereist sei, um dort mit Regierungsvertretern zu sprechen. Ein Treffen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Georgios Papandreou galt als möglich. Ein Gesprächsthema waren die Emissionspläne der griechischen Regierung für eine zehnjährige Anleihe.

          Am Markt wird die Begebung des Schuldtitels über 5 Milliarden Euro in der kommenden Woche erwartet. Die Regierung in Athen steht unter Druck, weil im April und Mai Schuldtitel über 20 Milliarden Euro fällig werden. Wenn diese Verbindlichkeiten nicht getilgt werden, wäre Griechenland zahlungsunfähig. Die Deutsche Bank hatte Athen bereits im Januar bei der Emission einer fünfjährigen Anleihe über 8 Milliarden Euro beraten. Sie sei weiter an Kapitalmarkttransaktionen mit der griechischen Regierung interessiert, betonte ein Sprecher. Er trat aber dem Eindruck entgegen, dass die Bank in griechischen Staatsanleihen investiert habe. Anlagen in staatlichen Schuldtiteln entsprächen nicht dem Geschäftsmodell.

          Andere deutsche Banken wollen ihr Engagement in griechischen Anleihen nicht mehr erhöhen. Dies schließen Commerzbank, Hypo Real Estate und Postbank aus. Die Commerzbank hält griechische Staatsanleihen über 3,1 Milliarden Euro, bei der Postbank sind es 1,3 Milliarden Euro. Die Hypo Real Estate hält weniger als 10 Milliarden Euro. Nach dem Kreditwesengesetz genießen Anleihen von Euro-Ländern, also auch griechische Titel, die sogenannte Nullgewichtung. Das heißt, Banken müssen für die als sicher geltende Position kein Kapital vorhalten.

          Am Freitagabend meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Bundestagsabgeordnete, dass Berlin den Ankauf griechischer Staatsanleihen über ihre Förderbank KfW prüfe. Von den europäischen Finanzhilfen über 25 Milliarden Euro könnten 5 Milliarden Euro auf die KfW entfallen. Der Ankauf über die KfW wird offenbar als Option gesehen, Griechenland zu unterstützen und zugleich direkte Finanzhilfen zu vermeiden. Kredite des Bundes an Griechenland sind nach den Regeln zur Währungsunion untersagt.

          Die griechische Regierung bereitet derweil die Bevölkerung auf eine Verschärfung ihres Sparkurses vor. Das griechische Defizit belief sich 2009 auf 12,7 Prozent der Wirtschaftsleistung. Griechenland müsse nach Brüsseler Vorstellungen zusätzlich bis zu 5 Milliarden Euro einsparen, um das Ziel einer Senkung des Staatsdefizits um 4 Prozentpunkte in diesem Jahr zu erreichen. Die bisher geplanten Schritte reichten nach Ansicht der EU nur für eine Senkung um 2 Punkte. Athen hält dagegen nur zusätzliche Einsparungen von bis zu 2,5 Milliarden Euro für nötig. In EU-Kreisen hieß es, mit einiger Sicherheit seien weitere Sparschritte nötig. Brüssel hält die Athener Wachstumsprognosen für zu optimistisch.

          In der griechischen Bevölkerung und der Politik wächst derweil der Unmut über die Schuldenkrise und die Sparzwänge. Zunehmend kochten auch anti-deutsche Emotionen hoch. Kommunistische und rechte Oppositionsabgeordnete forderten am Freitag von Deutschland Reparationszahlungen für den Zweiten Weltkrieg. Die Bundesregierung bekräftigte ihre Darstellung, dass Griechenland entschädigt worden sei. Das Auswärtige Amt räumte aber einen Dissens ein. Die Verbraucherorganisation INKA rief unterdessen zu einem Boykott deutscher Produkte auf, weil eine deutsche Zeitschrift die Griechen auf dem Titel als Betrüger bezeichnet hatte.

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