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Schuldenbremse für Finanzhäuser : Wer rettet die Bürger vor den Banken?

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Eine der Kernthesen des Wissenschaftlers: Die Banken haben die Schulden ins Unerträgliche getrieben und die Haftung an andere delegiert. Sobald es kracht, muss der Steuerzahler ran. Die Rettung des Finanzsektors hat die Staatsschulden in schwindelnde Höhen gejagt. Bis zum heutigen Tag werden die Banken still schweigend subventioniert: Sie können sich günstiger Geld leihen, da jeder damit kalkuliert, dass im Notfall der Steuerzahler einspringt. Diese „implizite Staatsgarantie“ beschere der Branche Hunderte Milliarden Dollar Extra-Profit pro Jahr, hat Andrew Haldane von der „Bank of England“ berechnet.

Allmählich setzt sich freilich die Erkenntnis durch, dass es keinen Grund gibt, die lausigen Kapitalpuffer der Banken zu akzeptieren. Der Maschinenbauer aus der Provinz, Weltmeister seines Fachs, hantiert mit 50 Prozent Eigenkapital, die BASF bringt 40 Prozent Eigenkapital auf die Waage, Daimler 27 Prozent. Und die Deutsche Bank? Die hat 97 Prozent Schulden und drei Prozent Eigenkapital. Das klingt nicht nur nach wenig, das ist wenig. Wer als Privatmann derart armselig um einen Kredit ansteht, weiß was ihm blüht.

„Die Deutsche Bank ist schrecklich unterkapitalisiert“, hat der amerikanische Bankenaufseher Tom Hoenig neulich kritisiert. Das haben sie in Frankfurt als feindseligen Akt begriffen. „Wir werden uns zur Wehr setzen“, zürnte Ko-Vorstandschef Jürgen Fitschen und verwies auf die offizielle Kernkapitalquote seines Hauses: knapp zehn Prozent, berechnet nach den Regeln des Basel-Regimes, eingeführt Ende der 80er Jahre. Entwickelt hat sich daraus eine hochkomplizierte Modell-Welt mit diversen, künstlich fabrizierten Kennziffern, die eines gemein haben - sie verschleiern die Antwort auf die entscheidende Frage: Mit wie viel eigenem Kapital steht die Bank gerade für das riesige Rad, das sie dreht?

Statt dessen werden die Bilanzposten nach Risiko gewichtet. Für manches ist mehr, für anderes gar kein Eigenkapital vorzuhalten. Europäische Staatsanleihen zum Beispiel sind in dieser Theorie komplett risikofrei. Das hat die Welt inzwischen anders gelernt, Stichwort Griechenland. In sich seien die Modelle logisch, spottet der Grünen-Politiker Schick: „Nur kommt regelmäßig die Wirklichkeit dazwischen. Es ist eine Hybris zu glauben, man wüsste im Voraus, wo die nächste Krise entsteht.“ Note ungenügend, urteilt deshalb auch die Wirtschaftsweise Claudia Buch, Präsidentin des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle: „Die risikogewichtete Eigenkapitalquote vernachlässigt relativ große Teile einer Bilanz.“

Die Warnung der Banker mit der Kreditklemme

Lieber also eine simple Schuldengrenze forcieren, auch wenn die Banken toben. „Die Finanzindustrie hatte einen schweren Unfall. Deshalb ist es noch lange nicht klug, vom Automobil zur Kutsche zurückzukehren“, giftet Deutsche-Bank-Finanzvorstand Stefan Krause, und malt in seinem Büro im 32. Stock mit schnellen Strichen Bankbilanzen aufs Papier: Alle mit reichlich Eigenkapital, trotzdem schwer marode, was seine These belegen soll, dass eine simple Schuldengrenze die Risiken nicht bannt: „Wer das behauptet, führt die Leute in die Irre. Eine leverage ratio allein sagt nichts über die Robustheit einer Bank, gaukelt Sicherheit nur vor.“

So exklusiv verstehen die Protagonisten der Schuldengrenze diese gar nicht, sollen die Banken ruhig andere Kennziffern zusätzlich berechnen, nur die Rangfolge muss sich ändern: Oben hat die Eigenkapitalquote zu stehen. Selbst das finden Banker wie Krause kontraproduktiv, gar „volkswirtschaftlich gefährlich“, wie der Deutsche-Bank-Vorstand sagt. Wenn die Banken die Bilanz eindampfen, dann gerate der „Geldkreislauf der Volkswirtschaft ins Stocken“, droht er: „Anders als in Amerika finanzieren sich Firmen in Deutschland überwiegend über Bankkredite“.

Da ist sie wieder, die allfällige Warnung der Banker mit der Kreditklemme - die Legende darf in der Debatte nie fehlen. Nur hat Wissenschaftlerin Claudia Buch auch nach langem Suchen in der Empirie keine Belege dafür gefunden: „Für deutsche Banken sehen wir keinen Hinweis darauf, dass für sie ein höherer Eigenkapitalpuffer mittelfristig mit weniger Kreditvergabe einhergeht.“

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