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Rückkehr zur Drachme? : Die große Not der Griechen

Rückkehr der Drachme? Griechisches Eurostück und eine Münze der ehemaligen Währung des Landes Bild: dpa

Die Rettungspakete haben wenig gebracht. Die Schuldenlast erdrückt Griechenland. Ist das Land noch im Euroraum zu halten? Politiker wie Ökonomen debattieren erstaunlich konkret Plan B: das Comeback der Drachme.

          4 Min.

          Es war ein Abend, der es in sich hatte. Vergangenen Freitag reisten die Finanzminister der großen Eurostaaten Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien zu einem geplanten Treffen nach Luxemburg. Etwas war allerdings nicht geplant: Griechenlands Finanzminister Giorgos Papaconstantinou kam als Gast. Und außerdem Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank. Und Olli Rehn, der Währungskommissar der Europäischen Union.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit war allen klar: Es geht nicht um den europapolitischen Alltag. Auf der Agenda stand die existenzbedrohende Lage des hoch verschuldeten Griechenlands.

          Und noch bevor die Finanzminister Wolfgang Schäuble, Christine Lagarde und Kollegen auf dem Luxemburger Schloss Château de Senningen mit der Tagesordnung beginnen konnten, sorgte eine Meldung europaweit für Aufsehen. Der Nachrichtendienst „Spiegel Online“ meldete, Griechenland erwäge einen Austritt aus der Eurozone. Die Griechen überlegten, den Euro aufzugeben.

          „Urlaub aus der Eurozone“

          Ein Hammer. Auch wenn sowohl die griechische Regierung als auch Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker den Bericht umgehend dementierten, die Märkte nahmen ihn ernst: Der Euro verlor gegenüber dem Dollar rund ein Prozent. Und unterschritt damit erstmals seit dem 20. April wieder die Marke von 1,45 Dollar.

          Nach dem Treffen versicherte Luxemburgs Premier Juncker zwar, ein Euro-Austritt Griechenlands sei an dem Abend nicht in Erwägung gezogen worden. „Wir wollen nicht, dass der Euroraum ohne Grund explodiert.“ Und der griechische Finanzminister wetterte sogar, Berichte über solche Pläne seien ungemein „verantwortungslos“ und „eine Provokation“ für das in Not geratene Land.

          Zugleich aber wurde nicht bestritten, dass in internen Szenarien die Möglichkeit eines Euro-Austritts inzwischen durchgespielt wird. „Klar, dass das intern neben anderen Szenarien geprüft wird“, sagte Clemens Fuest, der Leiter des wissenschaftlichen Beirats des Bundesfinanzministeriums.

          Die spannende Frage lautet jetzt: Wäre das eine Möglichkeit? Könnte Griechenland seine desolate Situation verbessern, indem es einen „Urlaub aus der Eurozone“ nimmt, wie es der amerikanische Ökonom Martin Feldstein von der Havard University schon im Februar gefordert hatte? Sollten die Griechen also einfach zu ihrer alten Drachme zurückkehren oder eine neue Drachme erfinden?

          Griechenland steckt längst in der Depression

          Die großen Hoffnungen, die mit den Rettungsaktionen für Griechenland verbunden wurden, haben sich nicht erfüllt. Eigentlich sollten die Griechen schon nächstes Jahr wieder auf eigenen Füßen stehen – und eigene Staatsanleihen ohne fremde Hilfe bei Investoren in aller Welt platzieren. Aber das erweist sich immer mehr als Illusion. Nicht nur, dass die strengen Sparmaßnahmen, die mit Europas Rettungspaket als Auflage verbunden waren, die griechische Wirtschaft abwürgen. Das Land steckt längst in einer Depression. Zudem wächst auch der Widerstand in der griechischen Bevölkerung gegen weiteres Sparen.

          Im Juni soll die nächste Tranche aus dem 115 Milliarden Euro schweren Hilfspaket der Europäer für Griechenland bereitgestellt werden. Aber noch ist unklar, ob die Griechen die verlangten Sparauflagen überhaupt erfüllen. Über kurz oder lang dürfte eine Umschuldung, bei der Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten, unausweichlich sein. Aber reicht das?

          Für viele Politiker wie für Deutschlands Banken ist ein Euro-Austritt Griechenlands ein Horrorszenario. Mit einem Austritt würde es in Griechenland vermutlich zu einem Sturm auf die Banken kommen, weil alle Leute ihr Geld noch schnell in Euro abheben wollen – bevor eine schwächere Währung kommt.

          Warnung vor europaweitem Chaos

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