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Rettungspaket : Griechenland traut sich auf den Geldmarkt

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Bild: F.A.Z.

Erstmals seitdem das Rettungsprogramm für Griechenland bereit steht, zapft das Land den privaten Geldmarkt an. Allerdings werden wohl vor allem heimische Banken zugreifen, um die Titel bei der Zentralbank zu beleihen.

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          Für den griechischen Schuldenmanager Petros Christodoulou steht an diesem Dienstag eine besondere Probe seiner Kunst an. Erstmals seitdem die Euro-Mitglieder und der Internationale Währungsfonds 110 Milliarden Euro an Krediten bereitgestellt haben, versucht das Land, selbst an Geld zu kommen. Die von Christodoulou geführte Public Debt Management Agency will Schuldtitel mit kurzer Laufzeit begeben und so 1,25 Milliarden Euro leihen. Teil der Vereinbarungen zum Rettungspaket war, dass Griechenland sich bemüht, die Tilgung fälliger Geldmarktpapiere in Eigenregie durch die Begebung neuer Schuldverschreibungen zu finanzieren. Bis zum 23. Juli werden für diesen Zweck rund 4,5 Milliarden Euro benötigt.

          Nun ist die Begebung von sechsmonatigen Titeln geplant. Die in Aussicht gestellten zwölfmonatigen wurden dagegen abgesagt. Christodoulou versucht die privaten Investoren mit einer jährlichen Verzinsung von rund 5 Prozent zu locken. Dennoch dürfte das Interesse gering bleiben, vermuten Händler von Staatsanleihen. Der größte Teil der Emission werde wohl von griechischen Banken gekauft, um die Schuldtitel dann bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu beleihen.

          In seiner Rede erwähnte Ackermann Griechenland nicht mehr

          Der Markt für griechische Anleihen hängt weiterhin vom Eingreifen der EZB ab. Sie akzeptiert die Anleihen entgegen ihrer früheren Regeln unabhängig von den Ratings. Seit dem 10. Mai kauft sie zudem Anleihen der finanzschwachen Euro-Länder, wofür sie bislang mehr als 60 Milliarden Euro ausgegeben hat. Davon dürfte nach Marktschätzungen mehr als die Hälfte für griechische Titel verwendet worden sein. Damit dürfte die EZB inzwischen ein Zehntel der griechischen Staatsschulden halten.

          Schuldtitel mit kurzer Laufzeit: Schuldenmanager Christodoulou will 1,25 Milliarden Euro leihen

          Sie wird also aufmerksam beobachten, wie andere Zahlungsfähigkeit und Zahlungswillen der Griechen beurteilen. Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, zeigte sich bei einer Rede in Südkorea am Montag zuversichtlich, dass die Euro-Staaten die Schuldenkrise aushalten. In seinem Manuskript hatte Ackermann - der sich bei früheren Anlässen skeptisch zu den griechischen Finanzen geäußert hatte - noch betont, dass auch Griechenland die Schwierigkeiten überstehen werde. Als er die Rede hielt, äußerte er sich dagegen vorsichtiger, und erwähnte Griechenland nicht mehr.

          Vielleicht hatte er dabei auch eine Analyse der Bank von Korea im Hinterkopf. Die hatte eine Umschuldung der griechischen Staatsschulden vor einigen Tagen als unausweichlich bezeichnet. Die Verschuldung werde bis 2013 auf 149 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes steigen. Das übersteige die Belastung, die auf Dauer tragbar sei, hieß es in dem Bericht.

          Auch die Spanier müssen um ihre Gläubiger werden

          Unterdessen fragen sich Analysten der Citigroup, ob für Griechenland nicht doch schon das Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Es werde wohl in diesem Jahr gelingen, die Neuverschuldung - wie es in den Vereinbarungen zu den Hilfskrediten verlangt ist - von 13,6 auf 8 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zu reduzieren. Die Wirtschaft befinde sich zwar noch immer in einer Rezession, diese verlaufe aber milder als befürchtet. So weckten die Daten zum Handelsvolumen die Hoffnung, dass der Export im zweiten Quartal gestiegen ist.

          Im Vergleich zu Griechenland geht es Spanien - nicht nur wegen der Liebe zu siegreichen Fußballern - ungleich besser. Dennoch müssen auch die Spanier um ihre Gläubiger werben, zum Beispiel wenn sie am Donnerstag eine Anleihe um 2,5 Milliarden Euro aufstocken wollen. Eine Warnung des Nobelpreisträgers Robert Mundell dürfte dabei eher schaden. Seiner Ansicht nach besteht für Spanien, Portugal und Irland eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent, dass sie ihre Staatsschulden restrukturieren müssen. Für Griechenland betrage die Wahrscheinlichkeit 40 Prozent und für Italien 10 Prozent, sagte Mundell in einem Fernseh-Interview. „Ich rechne nicht damit, dass es sofort dazu kommt, aber im nächsten Jahr ist es durchaus möglich.“

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