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Ratingagentur : S&P warnt vor Zahlungsausfall Griechenlands

  • Aktualisiert am

Zur Rettung Griechenlands sind zahlreiche Hürden zu überwinden Bild: dpa

Neue Hindernisse für eine Rettung Griechenlands: Die Ratingagentur Standard & Poor's würde eine Hilfe nach dem Vorschlag französischer Banken wahrscheinlich als Zahlungsausfall werten. Die Eurogruppe muss die Pläne wohl überarbeiten.

          2 Min.

          Die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat den Bemühungen der europäischen Regierungen zur Lösung der griechischen Schuldenkrise einen Dämpfer versetzt. Wie die Bonitätsprüfer am Montag mitteilten, werten sie die geplante Beteiligung der Banken und Versicherer an einer Laufzeitverlängerung griechischer Staatsanleihen wahrscheinlich als Zahlungsausfall. Diesen wollen aber die Regierungen der Eurogruppe vermeiden, weil dann der Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft und die Ansteckung anderer hoch verschuldeter Euroländer wie Irland oder Portugal wahrscheinlich ist.

          Die Ratingagenturen Fitch und Moody's haben sich zwar noch nicht geäußert, doch wird in Finanzkreisen eine ähnliche Beurteilung wie jene von S&P erwartet. Noch laufen die Gespräche zwischen der Eurogruppe, den Banken und den Ratingagenturen. Aus dem Umfeld deutscher Banken war zu erfahren, dass jede Lösung, die von den Ratingagenturen als Zahlungsausfall gewertet wird, keine Chance auf Umsetzung habe.

          Das Bundesfinanzministerium und die deutsche Finanzwirtschaft hatten sich an dem französischen Vorschlag orientiert, als sie in der vergangenen Woche ihre Pläne für eine Beteiligung der Banken und Versicherer über 2 Milliarden Euro an der Griechenland-Rettung vorgestellt hatten. In der Erklärung der Eurogruppe vom Samstagabend haben aber Angaben zur Beteiligung privater Gläubiger gefehlt. Es wurde darauf verwiesen, dass die Konsultationen mit ihnen im vollen Gange seien. Offenbar hatten die Ratingagenturen zuvor signalisiert, dass sie jede mit einem Zwangselement versehene Beteiligung als teilweisen Ausfall (selective default / SD) oder als vollständigen Zahlungsausfall (default / D) einstufen werden. S&P begründet dies damit, dass die Banken sich nur auf den Kauf neuer Anleihen einließen, weil ihnen keine andere Wahl bliebe. Ohne die Beteiligung der Banken und das mit ihr verknüpfte Rettungspaket der Eurogruppe und des Internationalen Währungsfonds (IWF) wäre Griechenland zahlungsunfähig.

          Bild: F.A.Z.

          Nach dem französischen Modell sollen die Banken 70 Prozent der zwischen August 2011 und Juni 2014 fällig werdenden griechischen Staatsanleihen neu investieren. Nach Angaben der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley muss Griechenland in diesem Zeitraum 93 Milliarden Euro tilgen. Davon dürften 25 Milliarden Euro auf Titel entfallen, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) gehalten werden. Die restlichen 68 Milliarden Euro gehen an private Gläubiger.

          Davon sollen die Banken 34 Milliarden Euro in neuen griechischen Staatsanleihen mit 30-jähriger Laufzeit anlegen. Ein Fünftel, also 13,6 Milliarden Euro, geht an eine Zweckgesellschaft, die diese Mittel in Anleihen von Emittenten mit erstklassigem AAA-Rating investiert. Über diese Konstruktion wollen die Banken, die 30 Prozent ( gut 20 Milliarden Euro) der getilgten Anleihen behalten, ihre Zusagen an Griechenland absichern.

          Würden die Pläne so umgesetzt, warnte nun S&P, müsste das Emittentenrating Griechenlands voraussichtlich auf SD für teilweisen Zahlungsausfall herabgesetzt werden. Die als erstes von dem Plan betroffenen Anleihen würden zudem als D für Zahlungsausfall gewertet. Dies könnte die im August fällige Anleihe über 6,6 Milliarden Euro treffen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet lehnt eine Lösung ab, die von den Ratingagenturen als teilweiser oder vollständiger Zahlungsausfall eingestuft wird. Die EZB würde in diesem Fall griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten akzeptieren. Dann wären griechische Banken von der Liquiditätsversorgung abgeschnitten, was ihren Zusammenbruch zur Folge hätte.

          Allerdings betonte S&P, dass eine solche Laufzeitverlängerung im Rahmen des gesamten Rettungspaketes die Liquiditätsnöte Griechenlands lindern würden. Deshalb geht die Ratingagentur davon aus, dass diese bessere Situation es höchstwahrscheinlich schon nach der ersten Anleihe rechtfertigen würde, Griechenland wieder ein besseres Rating zu verleihen. Griechenland wäre dann also nur sehr kurzfristig auf dem Niveau eines säumigen Schuldners. In Bankenkreisen wird auf die Risiken verwiesen, die eine auch nur kurzzeitige Einstufung griechischer Staatsanleihen als Zahlungsausfall auslösen könnte. So sei zum Beispiel noch nicht geklärt, welche Konsequenzen dies auf die Kreditausfallderivate (CDS) habe.

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