https://www.faz.net/-gqe-ciq

Rating-Agenturen : S&P wehrt sich gegen politischen Beschuss

S&P nehme seine Bewertungen nach bestem Wissen und Gewissen vor. Das habe man auch seinerzeit bei den umstrittenen Hypothekenpapieren getan, wenngleich die Vorgehensweise hier unterschiedlich gewesen sei. Diese Ratings seien auf Basis quantitativer Verfahren erstellt worden, die auf Annahmen beruhten, die sich als nicht zutreffend erwiesen, aber seinerzeit allgemein anerkannt gewesen seien.

In die derzeit in der Kritik stehenden Ratings flössen dagegen qualitative Kriterien, subjektive wenn man denn so wolle. Es handelt sich damit um Standpunkte, die man auch nicht teilen muss. Hinrichs pocht auf die Unabhängigkeit der Rating-Agenturen: Sie seien dazu da, Dinge beim Namen zu nennen und Sachverhalte so zu beschreiben, wie sie sind und nicht, wie die Beteiligten sie gern hätten.

Im Grunde sei die Beurteilung der französischen Umschuldungspläne einfach zu erklären. „Wenn ein Investor, der vor einigen Jahren griechische Staatsanleihen in der Erwartung gekauft hat, sein Geld fristgerecht zurück zu erhalten, nunmehr darauf 30 Jahre warten muss und seine Ansprüche zehn Jahre lang nicht verkaufen darf, erhält er dadurch wohl kaum einen adäquaten Gegenwert.“

Keine Vorzugsbehandlung für Amerika

Auch hinsichtlich der Vereinigten Staaten habe man sehr deutlich gemacht, dass man ein Adressieren der Schuldenprobleme und eine Einigung über die Schuldengrenze erwarte. Andernfalls werde man auch das Rating der Vereinigten Staaten deutlich herabstufen. Derzeit erwartet S&P allerdings, dass Amerika seine Schuldenprobleme in den Griff bekommt. Und zwar eher als Griechenland.

Deswegen ist auch das Rating als aktuelle Beurteilung der relativen zukünftigen Zahlungsfähigkeit besser. Amerika wird seine Schulden mit erheblich größerer Wahrscheinlichkeit tilgen könne als Griechenland, lautet letztlich die Aussage. Dabei heißt selbst das „AAA“-Rating für die Vereinigten Staaten nicht, dass es keinesfalls zu einem Zahlungsausfall kommen kann. Ebenso wenig bedeutet das „CCC“-Rating für Griechenland, dass es zwangsläufig zu einem Zahlungsausfall kommen muss.

Denn würden Ratings eine absolute Gewissheit vermitteln, so könnten sie nur auf „AAA“ oder „D“ lauten. Wenn nicht ein gewisser, wenngleich geringer Prozentsatz auch an Schuldnern mit einem guten Rating von beispielsweise „A“ auch ausfällt, so wäre die Bewertung der Agenturen sogar unzutreffend.

Eigene Urteilsfähigkeit nicht abgeben

Die Problematik zu leugnen, wäre indes ebenso falsch. Die Ratings der großen internationalen Agenturen dienen Investoren als Orientierungshilfe. Werden Bonitätsnote gesenkt, können zahlreiche Fonds nicht mehr in diese Anleihen investieren und womöglich auch die EZB diese von Banken nicht mehr als Sicherheiten für Refinanzierungskredite akzeptieren.

Wer sich indes sklavisch nach den Einschätzungen einer Agentur richtet, gibt die eigene Urteilsfähigkeit auf. Insofern ist Bundeskanzlerin Angela Merkel zuzustimmen, wenn sie sagt, dass es wichtig sei, dass sich EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (IWF) die eigene Urteilsfähigkeit nicht wegnehmen lassen sollten. Das gilt letztlich auch für Investmentfonds.

Doch just das ist geschehen: Mit selbst gegeben Regularien haben Entscheidungsträger in der Politik und in Investmenthäusern ihre Entscheidungsfreiheit eingeschränkt. Übrigens auch, um willkürliche und an den Gegebenheiten der Tagespolitik ausgerichtete Entscheidungen zu vermeiden. Nun wird beklagt, dass man just dies nicht mehr kann. Dabei mag man letztlich zu den Einschätzungen der Rating-Agenturen stehen wie man will.

Weitere Themen

Topmeldungen

Impeachment-Ermittlung : Trumps Flucht nach vorn

Der Stabschef des Präsidenten gibt zu, dass Militärhilfe für Kiew an parteipolitische Bedingungen geknüpft wurde. Trump will so tun, als wäre das ganz normal – und könnte damit durchkommen.

Truppenabzug in Syrien : Amerika dankt ab

Trump zieht aus Syrien ab und überlässt das Krisenland den Russen. Ob Erdogan seine Ziele erreicht, ist noch nicht klar. Aber zwei Sieger dürften schon feststehen. Von unseren F.A.Z.-Woche-Korrespondenten und -Autoren.
Oliver Zipse

F.A.S. exklusiv : BMW baut den i3 weiter

Neue Manager, mehr Tempo: BMW-Chef Oliver Zipse baut den Konzern um. An dem teuren Elektroauto i3 hält er aus gutem Grund fest, wie er in seinem ersten Interview sagt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.