https://www.faz.net/-gqe-u8q0

Preise : Rabatte überdecken höhere Mehrwertsteuer

  • Aktualisiert am

Rabatte fangen Teuerung im Schnitt auf Bild: ddp

Trotz der Mehrwertsteuererhöhung sind die Verbraucherpreise insgesamt im Januar mit 1,6 Prozent weniger stark gestiegen als erwartet. Rabatte und statistische Effekte überdecken die Preissteigerungen bei manchen Gütern.

          1 Min.

          Trotz der Mehrwertsteuererhöhung sind die Verbraucherpreise insgesamt im Januar weniger stark gestiegen als erwartet. Nach den vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts auf Basis von sechs Bundesländern lag der Verbraucherpreisindex im Januar 1,6 Prozent höher als vor einem Jahr, nach 1,4 Prozent im Dezember. Bankvolkswirte hatten mehrheitlich einen Anstieg der Inflationsrate auf 2 Prozent erwartet. Auf Monatssicht gaben die Verbraucherpreise von Dezember auf Januar um 0,2 Prozent nach. Nach Einschätzung der Statistiker ist ein Effekt der Mehrwertsteuererhöhung "nur bedingt" zu erkennen. Dies liegt vor allem daran, dass deutliche Preisrückgänge bei manchen Waren Preiserhöhungen an anderer Stelle überdeckten.

          So fielen von Dezember auf Januar die Preise für Pauschalreisen um 24 Prozent und für Ferienwohnungen um 35 Prozent, was den Rückgang des Preisindex im Monatsvergleich erklärt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat war in den Bundesländern, für die schon Preisdaten vorliegen, leichtes Heizöl zwischen 7 und 12 Prozent billiger zu haben als vor einem Jahr. Kraftstoffe kosteten zwischen 1,4 und 4 Prozent weniger als im Januar 2006. Dagegen verteuerten sich Strom und Gas um bis zu gut 11 Prozent. Nach Angaben der Statistiker erschwerten im Januar auch die Sonderverkaufsaktionen im Handel, die Auswirkung der Mehrwertsteuererhöhung auf die Inflationsrate zu beziffern.

          Nicht zur Gänze auf Kunden überwälzt

          Volkswirte waren von dem recht niedrigen Preisanstieg überrascht. Die Unternehmen hätten die höhere Mehrwertsteuer weniger stark als früher üblich auf die Konsumenten überwälzt, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Holger Schmieding, Europa-Chefvolkswirt der Bank of America, verwies darauf, dass vor einem Jahr der Ölpreis stark gestiegen sei, was in diesem Januar die Inflationsrate wegen des statistischen Basiseffekts gedrückt habe.

          Die durchschnittlichen Angaben zur Preisentwicklung verdecken, dass die Preise in einigen von der Mehrwertsteuererhöhung betroffenen Wirtschaftszweigen und gerade im Dienstleistungsgewerbe offenbar durchaus erhöht wurden. So teilte das Statistische Landesamt Hessen mit, dass die Personenbeförderung im Schienenverkehr und Neuwagen deutlich teurer wurden. Teilweise weitergegeben wurde die Erhöhung wohl auch in der Telekommunikation, wo die Preise um 1,6 Prozent gegenüber Dezember stiegen. Die Preise für Textilien und Schuhe seien schon im Herbst angehoben worden, hieß es.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Um die Kimaschutzbewegung ist es ruhig geworden in der Corona-Krise.

          Gastbeitrag zum Weltumwelttag : Wachstum durch kluge Klimapolitik

          Die Herausforderung durch die Corona-Pandemie hat das Thema Klimawandel verdrängt. Doch die Klimakrise ist nicht verschwunden. Sichere Arbeitsplätze und eine starke Klimapolitik sind beim Neustart der Wirtschaft kein Widerspruch. Ein Gastbeitrag.
          Transatlantische Risse: Jens Stoltenberg, Angela Merkel und Donald Trump beim Nato-Gipfel im Dezember 2019 in Großbritannien.

          Trump und Europa : Es kann noch schlimmer kommen

          Schon jetzt ist dank Trumps Rhetorik und Politik des Spaltens viel Gift im transatlantischen Verhältnis. Sein möglicher Wahlsieg im November könnte den Westen nachhaltig schwächen.
          Wie viel Platz braucht ein Schwein? Eine Muttersau mit Ferkeln im Kastenstand

          Tierschutz im Bundesrat : Die Grünen und ihr Schweinsproblem

          Der Bundesrat will über neue Regeln beim „Kastenstand“ für Sauen entscheiden. Die grüne Spitze will ihn abschaffen, doch in den Ländern will man die Bauern nicht verprellen. Die Partei steht vor einem Glaubwürdigkeitsproblem.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.