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Proteste in Griechenland : Drei Tote in Athen - Bank in Flammen

  • Aktualisiert am

Ein Demonstrant verschafft seinem Ärger Luft Bild: AP

Bei einer Großdemonstration gegen den Sparplan der griechischen Regierung ist es in Athen zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Zwei Gebäude gingen in Flammen auf. Drei Menschen kamen in einer brennenden Bank-Filiale ums Leben. Am Parlament ging die Polizei mit Tränengas gegen Demonstranten vor.

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          Im Zentrum Athens ist es nach einer Großdemonstration gegen die Sparmaßnahmen der Regierung zu schweren Ausschreitungen gekommen. Dabei gab es nach Angaben von Polizei und Feuerwehr mindestens drei Tote. Die zwei Frauen und ein Mann befanden sich in der Filiale der Marfin-Egnatia-Bank am Omonoia-Platz, die zuvor von jugendlichen Demonstranten durch Molotowcocktails in Brand gesetzt wurde. Bei den Toten handelte es sich um Angestellte der Bank. Eine der Frauen war nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa schwanger.

          Rund 20 Menschen mussten nach Polizeiangaben aus der brennenden Filiale gerettet werden. Fünf von ihnen wurden ins Krankenhaus gebracht. Auch zwei
          Verwaltungsgebäude gerieten durch Molotowcocktails in Brand. Die Polizei in Athen erklärte einen „allgemeinen Alarmzustand“. Am späten Nachmittag beruhigte
          sich die Lage.

          Das griechische Parlament gedachte mit einer Schweigeminute der Toten. Ministerpräsident Giorgos Papandreou sprach von Mord und kündigte eine entschlossene Strafverfolgung an.

          Aktion der Globalisierungskritiker von Attac
          Aktion der Globalisierungskritiker von Attac : Bild: AP

          Wütende Demonstranten hatten am Mittwoch zudem versucht, das Parlamentsgebäude zu stürmen. Auch dort flogen dutzende Brandflaschen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Immer wieder waren Explosionen von Tränengasgranaten zu hören. Menschen gerieten in Panik und flohen aus dem Stadtzentrum.

          In Athen und Thessaloniki demonstrierten am Mittwoch Zehntausende gegen die Sparpläne der Regierung. Allein in der Hauptstadt gingen mehr als 100.000 Menschen auf die Straße. Die Gewerkschaften sprachen sogar von mehr als 200.000 Teilnehmern. Nach Angaben von politischen Beobachtern war es eine der größten Demonstrationen der vergangenen zwanzig Jahre.

          „Das Land kann nicht ohne Kampf kapitulieren“

          Die Proteste hatten sich am Mittwoch ausgeweitet, als sich Angestellte aus der Privatwirtschaft dem 48 Stunden dauernden Arbeitsausstand der Staatsbediensteten anschlossen. Flüge wurden gestrichen, der öffentliche Nahverkehr kam größtenteils zum Erliegen. Krankenhäuser hielten ihren Betrieb lediglich mit einer Rumpfmannschaft aufrecht.

          Mit dem Generalstreik gehe der Kampf gegen die harten und unfairen Maßnahmen weiter, die vor allem Arbeiter, Rentner und Arbeitslose träfen, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft GSEE, Yannios Panagopoulos. „Das Land kann nicht ohne Kampf kapitulieren.“ Der Protest sei auch eine Botschaft an die Menschen in Europa. Das, was in Griechenland begonnen habe, werde sich bald ausbreiten, weil Europa sich als unfähig im Umgang mit der Krise bewiesen habe.

          Die von den Sozialisten geführte Regierung in Athen hat ihr Sparprogramm am Wochenende verschärft und sich zu weiteren Sparmaßnahmen von 30 Milliarden Euro bis zum Jahr 2013 verpflichtet, um im Gegenzug dafür von den Ländern der Euro-Zone und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein milliardenschweres Hilfspaket zu bekommen. Um das Staatsdefizit zu reduzieren, will die griechische Regierung die Steuern nochmals erhöhen und die Gehälter von Beamten sowie die Renten kürzen. Über das entsprechende Gesetz der Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou wird derzeit im Parlament beraten.

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