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Währungsunion : Profitiert Deutschland wirklich vom Euro?

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Ohne Euro, Vier Prozent Zinsen?

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle hat 2015 in einer vielbeachteten Studie den Gewinn für den deutschen Staat auf 100 Milliarden Euro geschätzt. Diese Zahl beruht unter anderem auf der mutigen Annahme, dass Deutschland ohne den Euro Zinsen um die vier Prozent zahlen würde und damit unter den OECD-Ländern zu den Ländern mit den schlechtesten Finanzierungsbedingungen gehören würde (zum Vergleich: Das hochverschuldete Großbritannien zahlte im Krisenzeitraum durchschnittlich rund zwei Prozent).

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle schätzte in einer Studie den Gewinn für den deutschen Staat auf 100 Milliarden Euro.
Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle schätzte in einer Studie den Gewinn für den deutschen Staat auf 100 Milliarden Euro. : Bild: dpa

Dies erscheint uns angesichts der niedrigen aktuellen und erwarteten Inflationsraten in Deutschland, milde ausgedrückt, als eine kühne Annahme. Doch soll es hier nicht um die quantitativen Dimensionen gehen, sondern um das Argument als solches.

Auch andere Staaten profitieren

Dass der deutsche Staat von der Krise durch niedrige Zinsen profitiert, ist zunächst richtig. Wenn sich ein Preis verändert, gibt es stets eine Marktseite, die gewinnt, und eine, die verliert. Es lassen sich allerdings drei Einwände vorbringen:

Erstens haben fast alle Staaten, mit Ausnahme der Krisenstaaten, erhebliche Rückgänge in den Finanzierungskosten verzeichnet. Selbst Frankreich, das kein Triple-A-Rating mehr hat, zahlt nur wenige Basispunkte mehr als Deutschland. Ob es die exzessive weltweite Ersparnis („saving glut“), die säkulare Stagnation (die Abwesenheit lohnender Investitionsmöglichkeiten) oder der allgemeine Schuldenüberhang ist - die Zinsen sind weltweit auf einem Rekordniedrigniveau.

Zweitens spielt der Euro hier eher eine kompensierende Rolle. Die Schweiz - außerhalb des Euroraums - „profitiert“ noch viel mehr und hat durchgehend negative Renditen auf ihre Staatsanleihen. Dort wird das hereinströmende Kapital übrigens mit gemischten Gefühlen gesehen. In einer aktuellen Studie des Internationalen Währungsfonds wird gezeigt, dass Kapitalzuflüsse eine Belastung für die nationale Wirtschaft darstellen, weil der daraus resultierende deutliche Anstieg des Wechselkurses kurzfristig die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie beeinträchtigt. Es ist also aus deutscher Sicht vermutlich erfreulich, dass wir nicht noch mehr „Geschenke“ dieser Art bekommen.

Drittens ist Deutschland in der Gesamtheit aus Staat, Unternehmen und Privathaushalten international ein Nettogläubiger. Das heißt, der Zinsrückgang belastet Deutschland im Aggregat. Daher die landläufige Klage über die „Enteignung der Sparer. (Wie stark die Belastung genau ausfällt, hängt freilich vom deutschen Investitionsportfolio ab). Die These, Deutschland habe wegen der niedrigen Zinsen auf deutsche Staatsanleihen von der Euro-Krise profitiert, ist also nicht haltbar.

Fazit: Es gibt viele Gründe dafür, dass Deutschland sich für die Eurozone engagiert. Dass Deutschland zu den großen Gewinnern des Euros zählen würde und fairerweise - als Kompensation für die vermeintlichen Verlierer - diese Gewinne mit anderen Mitgliedstaaten teilen sollte, gehört nicht dazu.

Der Text auf dieser Seite ist ein Vorabdruck des Buches „Der Odysseus-Komplex: Ein pragmatischer Vorschlag zur Lösung der Eurokrise“. Verfasst haben es der Präsident des Münchner Ifo-Instituts Clemens Fuest und der Münsteraner Ökonomieprofessor Johannes Becker. Es erscheint am 20. Februar im Carl Hanser Verlag in München. Preis: 24 Euro.

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