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Preise : Tortilla-Krise in Mexiko

  • -Aktualisiert am

Teure Tortillas: Prostest in Mexiko-Stadt Bild: AFP

Die Tortilla ist für viele Mexikaner ein Symbol ihrer nationalen Identität. Nun ist das Land in heller Aufregung: Der Preis für Tortillas ist innerhalb kurzer Zeit auf schwindelerregende Höhen geklettert.

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          Mexiko ist in heller Aufregung: Der Preis für Tortillas ist innerhalb kurzer Zeit auf schwindelerregende, für viele Mexikaner unvorstellbare Höhen geklettert. Für die dünnen Fladen aus Maismehl und Wasser müssen in vielen Teilen des lateinamerikanischen Landes mindestens 30 Prozent mehr bezahlt werden als noch vor einigen Monaten. Mancherorts hat sich der Preis gar vervierfacht.

          Vor einem Jahr kostete ein Kilo Tortillas umgerechnet rund 48 Euro-Cent, heute sind es 65 Cent. Einige Geschäfte verlangen sogar bis zu 1,6 Euro je Kilo. Hunderttausende Menschen wollten am Mittwoch auf dem großen Platz vor dem Präsidentenpalast in Mexiko-Stadt, dem Zócalo, ihrem Ärger Luft machen.

          Missbrauchte Marktmacht

          Für den Preisanstieg gibt es mehrere Gründe. Zum einen stecken dahinter die Vereinigten Staaten. Dort wird seit einiger Zeit Ethanol als alternative Energiequelle gefördert. Weil - derzeit zumindest noch - Ethanol vor allem aus Mais hergestellt wird, hat die Nachfrage Amerikas nach dem Getreide sprunghaft zugelegt. Das hat wesentlich zum Preisanstieg auf dem Weltmarkt für Mais während des vergangenen Jahres beigetragen.

          Für viele Mexikaner ein Symbol ihrer nationalen Identität: Die Tortilla
          Für viele Mexikaner ein Symbol ihrer nationalen Identität: Die Tortilla : Bild: REUTERS

          Zum anderen gibt es auch Hinweise darauf, dass mexikanische Tortillaproduzenten ihre Marktmacht etwas missbrauchen. Zum steigenden Tortillapreis tragen nach Auskunft von Ökonomen auch die mexikanischen Einfuhrquoten für Mais bei. Diese verhindern einen größeren Import und damit die Möglichkeit, den Preis zu drücken.

          Preiskontrolle ist nicht bindend

          Daran ändert offenbar auch die Tatsache nichts, dass Präsident Felipe Calderón in einer Notverordnung die zusätzliche Einfuhr von mehr als 800.000 Tonnen Mais gestattet hat. Für Calderón, der sein Amt im Dezember angetreten hat, ist die „Tortilla-Krise“ eine erste Bewährungsprobe. Unter öffentlichem Druck hat der frühere Energieminister schon ein Stück nachgegeben und - entgegen seiner marktwirtschaftlichen Überzeugung - die führenden Tortilla-Produzenten des Landes zu einer Festsetzung des Preises auf umgerechnet rund 60 Euro-Cent gedrängt. Diese Preiskontrolle ist indes nicht bindend und hat Berichten zufolge auch bisher nicht durchgeschlagen.

          Die großen Emotionen der Mexikaner in diesen Wochen lassen sich durch einen Blick auf Geschichte und Kultur des Landes verstehen: Die Mayas beispielsweise glaubten, sie seien von den Göttern geschaffen worden, indem diese ihr Blut mit gemahlenem Mais vermischten. Sie nannten sich darum auch „Kinder des Mais“. Die Tortilla ist für viele Mexikaner ein Symbol ihrer nationalen Identität. Hinzu kommt, dass sie für die Ernährung eine bedeutende Rolle spielt. Arme Mexikaner erhalten nach Auskunft von Fachleuten rund 40 Prozent ihres Proteins aus den Teigfladen.

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