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Positive Konjuktursignale : Es geht wieder aufwärts

Einer der Motoren der Konjukturerholung ist das Baugewerbe – so wie hier auf der Baustelle des F.A.Z.-Neubaus in Frankfurt. Bild: Lucas Bäuml

War es das nun mit der Corona-Krise? Ökonomen und Unternehmen bewerten die Lage in Deutschland wieder überraschend positiv. Der Mittelstand profitiert davon, dass er zuvor konservativ gewirtschaftet hat.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Die deutsche Wirtschaft ist nach dem Corona-bedingten Rekordeinbruch im Frühjahr dem Statistischen Bundesamt zufolge wieder auf Wachstumskurs. Sie konnte sich in den Sommermonaten Juli und August „wieder etwas erholen“, sagte Albert Braakmann, Leiter der Abteilung für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen und Preise, am Dienstag. Frühindikatoren wie die Industrieaufträge, die Lkw-Fahrleistung und der Ifo-Geschäftsklimaindex „deuten eine weitere Erholung an“, sagte er.

          Auch die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzfachleute haben sich im September überraschend aufgehellt. Wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte, stieg der von ihm erhobene Indikator um 5,9 Punkte auf 77,4 Zähler. Analysten hatten zuvor im Mittel stattdessen mit einem Rückgang auf 69,5 Punkte gerechnet. Überraschend deutlich verbessert hat sich dabei die Bewertung der aktuellen Konjunkturlage.

          „Dies zeigt, dass die Expertinnen und Experten weiterhin von einer spürbaren Erholung der deutschen Wirtschaft ausgehen“, kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach. „Die ins Stocken geratenen Brexit-Verhandlungen und die steigenden Corona-Infektionszahlen konnten die positive Stimmung nicht bremsen.“

          Kapitalpuffer retten den Mittelstand

          Das Bruttoinlandsprodukt war im zweiten Quartal infolge der Corona-Beschränkungen um 9,7 Prozent eingebrochen. Ökonomen erwarten für die zweite Jahreshälfte wieder ein spürbares Wachstum. Dennoch dürfte die Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr 2020 nach Schätzung der Bundesregierung um 5,8 Prozent schrumpfen – das wäre so stark wie noch nie in der Nachkriegszeit.

          Für viele deutsche Mittelständler haben sich in der Krise gute Kapitalpolster als effektiver Rettungsring erwiesen. Diese ermöglichen ihnen einer Studie des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) zufolge, die Einbrüche der Corona-Krise weitgehend abzufedern. Mit einer durchschnittlichen Eigenkapitalquote von 39 Prozent seien die Betriebe ausreichend kapitalisiert, um Verluste wegzustecken, sagte Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis am Dienstag.

          Über alle Branchen hinweg erwarte der Verband für dieses Jahr einen durchschnittlichen Umsatzrückgang von 5,7 Prozent, sagte Schleweis. Der Mittelstand habe rund 44 Prozent seiner Gewinne verloren. Dennoch blieben die Firmen im Schnitt rentabel und könnten 2020 eine Umsatzrendite von 3,5 Prozent erwirtschaften, heißt es in der Studie.

          Die Corona-Pandemie habe den Mittelstand mit voller Wucht getroffen. Während Gastgewerbe, Tourismus- und Autoindustrie oder das Messe- und Eventgeschäft aber mit teils erheblichen Umsatzeinbußen konfrontiert würden, blieben Bau, Gesundheit oder Sozialwesen auch in diesem Jahr auf Wachstumskurs, sagte Schleweis: „Viele Unternehmen haben in den vergangenen guten Jahren vorbildlich gewirtschaftet, Gewinne wurden überwiegend im Unternehmen gelassen.“ Dies komme den Betrieben nun zugute. „Die hohe finanzielle Stabilität ermöglicht vielen Unternehmen temporäre Verluste aus eigener Kraft über ihr Eigenkapital zu kompensieren.“

          Auch Banken stehen solide da

          Der Sparkassen-Präsident erwartet deshalb keine große Welle an Firmenpleiten. Rund drei Viertel aller befragten Finanzierungsexperten der Sparkassen gehen davon aus, dass in den nächsten sechs Monaten weniger als zwei Prozent ihrer mittelständischen Firmenkunden Insolvenz anmelden müssen, und zwar „unabhängig von der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht“. Dies sei ein ermutigendes Ergebnis, sagte Schleweis – „auch wenn es deutlich macht, dass nicht alle Unternehmen die Krise überstehen werden.“ Der DSGV wertet für seinen „S-Mittelstands-Fitnessindex“ jährlich rund 300.000 Bilanzen von Firmenkunden und Analysen von deren Sparkassen-Beratern aus.

          Zuversichtliche Stimmen gibt es auch von den deutschen Banken. Die Finanzbranche werde dem Druck der Corona-Krise standhalten, sagte ihr Verbandspräsident Hans-Walter Peters. „Wenn es nicht zu einem weiteren Lockdown kommt und uns eine massive zweite Ansteckungswelle erspart bleibt, sollten die allermeisten Banken gut durch die Krise kommen“, wurde er am Dienstag vom „Handelsblatt“ zitiert. Die Institute seien mit „deutlich höheren Kapitalquoten als noch vor einem Jahrzehnt sehr robust aufgestellt“. Deshalb halte er die große Mehrzahl der Institute für gut gerüstet.

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