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Portugiesische Anleihen : Problem Euro

Die EU bringt Portugal auch Nachteile Bild: dpa

Portugal droht an den Anleihenmärkten ein ähnliches Schicksal wie Griechenland. Die Kurse der Staatsanleihen fallen drastisch. Dabei ist nicht der schludrige Umgang mit dem Budget die Ursache, sondern der Mangel an Wettbewerbsfähigkeit, verursacht nicht zuletzt durch den festen Euro.

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          Die Spekulationen gegen die Eurozone nehmen an Heftigkeit zu. Bis die Regierungen eine wirkungsvolle Lösung fänden, den Investoren die Sorgen zu nehmen, werde die Spekulation gegen die Rentenmärkte der Wackelkandidaten zunehmen, meint Carl Weinberg, Chefökonom der amerikanischen Wirtschaftsforscher von High Frequency Economics.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Problem ist, dass die Spekulationen destruktiv sind: Zwar werden Anleihen verkauft, wird gegen die Kurse gewettet, die Lösung bleibt aber der Politik überlassen, ohne dass diese einen Anhaltspunkt hätte, wo das richtige Maß des Eingreifens ist. Bisweilen hat es eher den Anschein, dass alle Stützungsmaßnahmen eher als Problemeingeständnis verstanden und als Argument für ein noch stärkeres Spekulieren gegen die Eurozone aufgefasst werden.

          Libanon und Dominikanische Republik als bessere Schuldner

          Nachdem die Renditen griechischer Anleihen nun schon fast jeden Tag neue Höchststände erreichen, ist die Reihe nun definitiv an Portugal. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen erreichte mit 5,65 Prozent ein Allzeithoch, nachdem sie in dieser Woche schon um knapp 92 Basispunkte gestiegen ist. Der Risikoaufschlag gegenüber der zehnjährigen Bundesanleihe beträgt derzeit 2,6 Prozentpunkte und ist damit mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate.

          Die Kreditversicherungen (CDS) zeigen, dass Anleger bei den Papieren derzeit das achthöchste Risiko weltweit sehen. Sie gelten damit als unsicherer als die Anleihen des Libanon oder der Dominikanischen Republik. Das zeigt auch gleichzeitig den irrationalen Charakter der Spekulationswelle. Zwar ist die portugiesische Staatsverschuldung mit 85 Prozent des Bruttoinlandsprodukts deutlich höher als die der Dominikanischen Republik mit rund 43 Prozent oder des Libanon mit 26 Prozent. Aber schon die Auslandsverschuldung des Libanon liegt höher. Vor allem aber ist das Pro-Kopf-Einkommen im ärmsten Land Westeuropas bald dreimal so hoch wie im kriegszerrütteten Libanon und mehr als viermal so hoch wie im karibischen Tourismusparadies.

          Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) senkte zwar am Dienstag ihr langfristiges Rating für portugiesische Anleihen um zwei Stufen auf „A-“. Doch liegt dies immer noch 8 Stufen über dem Rating des Libanon und der Dominikanischen Republik. Zudem sind die Noten der anderen Rating-Agenturen besser: Moody's vergibt ein um fünf Stufen besseres „Aa2“ und Fitch ein um drei Stufen besseres „AA-“.

          Wechselkursinstrument fehlt

          Aber die Wahrnehmung der Märkte war schon immer selektiv. Vor allem lohnt sich eine Spekulation gegen Euroländer deutlich mehr als gegen marode Schwellenländer. In der Eurozone gibt es eine starke Zentralbank, die interessiert ist dagegen zu halten, vor allem aber auch eine unflexible, weil asymmetrisch organisierte Währung. Der Kursdruck auf den Euro richtet sich tendenziell nach dem Mittel der Eurozone, die Verschuldung und damit der Druck auf die Anleihenkurse ist länderspezifisch, so dass auf der Währungsseite keine Entlastung stattfinden kann, während das libanesische Pfund an den Dollar gekoppelt und der Dominikanische Peso nicht konvertibel ist.

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